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Friedhof in Hamminkeln: Ärger über Zustand der anonymen Urnegräbe

Auf dem Friedhof in Hamminkeln : Zustand der anonymen Urnengräber sorgt für Ärger

„Pietätlos“ findet eine Leserin das Umfeld des anonymen Urnenbestattungsfeldes auf dem Hamminkelner Friedhof. Die Stadt verspricht nun Verbesserungen im Zusammenhang mit dem Bau der neuen Friedhofshalle. Auch gegen völlig verwahrloste Gräber soll etwas getan werden.

Wann immer Gudrun B. (Name von der Redaktion geändert) das Urnengrab ihrer verstorbenen Mutter auf dem Friedhof besucht, kommt sie an dem anonymen Urnenbestattungsfeld nahe der Friedhofstraße vorbei – und ärgert sich. „Dass hier die Garage und die Fahrzeuge der Gärtner so dicht an dem Bestattungsfeld liegen, finde ich pietätlos. Und viele Leute, mit denen ich hier spreche, sehen das genauso“, sagt sie.

Was die Hamminkelnerin ganz besonders stört, ist eine Handkarre, die direkt neben der Garage geparkt ist. Wird sie benötigt, muss das Gerät über das Bestattungsfeld gezogen werden. „Da sind doch Menschen in Urnen beigesetzt worden. Ich finde, das geht gar nicht“, sagt Gudrun B. Außerdem habe die Stadt bislang versäumt, an dem Gräberfeld eine Bank aufzustellen, damit sich ältere Angehörige dort ausruhen könnten. Sie ist froh, dass sie dem ursprünglichen Wunsch ihrer Mutter, anonym beigesetzt zu werden, nicht entsprochen hat.

 Auf dem Hamminkelner Friedhof gibt es zahlreiche Gräber, die völlig verwahrlost sind.
Auf dem Hamminkelner Friedhof gibt es zahlreiche Gräber, die völlig verwahrlost sind. Foto: Klaus Nikolei

Unsere Redaktion hat die Verwaltung mit der Kritik der Hamminkelnerin konfrontiert. Alle direkt zuständigen Mitarbeiter im Rathaus inklusive Bürgermeister Bernd Romanski befanden sich zum Zeitpunkt der Anfrage im Urlaub beziehungsweise hatten einen freien Tag. Einzig Robert Graaf (Vorstandsbereich Liegenschaften und Friedhofswesen) stand für eine Auskunft zur Verfügung. 

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„Es gibt in der Tat unterschiedliche ästhetische Befindlichkeiten“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Es stellt sich immer die Frage, was ist noch zumutbar und was nicht.“ Generell sei es so, dass man Friedhöfe parkähnlich gestalten könne. Allerdings sei dies nur mit deutlich mehr Personal zu realisieren. Und das koste Geld und würde bedeuten, dass die Friedhofsgebühren stark steigen müssten.

Konkret auf den Zustand des Urnenbestattungsfeldes angesprochen, erklärt Robert Graaf, dass man mit der Umgestaltung des Gedenksteines noch nicht fertig sei: „Die Unterhaltungskollegen sind zeitlich etwas in Verzug.“ Und dann kündigt er an, dass das gesammte Umfeld des Bestattungsfeldes im nächsten Jahr aufgehübscht werden solle. Und zwar im Zusammenhang mit dem Neubau der Friedhofshalle.

Das voraussichtlich 1,2 Millionen Euro teure Objekt soll die in die Jahre gekommene Aussegnungshalle ersetzen. Läuft alles nach Plan, soll noch in diesem Jahr der Grundstein gelegt werden. Doch nicht nur das anonyme Gräberfeld soll dann aufgehübscht worden. Auch der Parkplatz an der Friedhofstraße werde ertüchtigt, so Graaf. Alles werde kritisch unter die Lupe genommen und nach Möglichkeit verbessert.

Robert Graaf hat sich die Situation am Freitag sogar selbst vor Ort angeschaut und dabei festgestellt, dass die Handkarre von einem externen Dienstleister neben der Garage abgestellt wurde. Auf Anfrage erklärt er: „Der Dienstleister wusste, dass das verboten ist, hat sich bei mir entschuldigt und die Handkarre mit der Grabschalung versetzt. Die Leserin hatte vollkommen Recht mit ihrer Kritik.“

Woran sich Gudrun B. und auch andere Besucher des Friedhofs außerdem stören, ist der Zustand einzelner Gräber. Die sind völlig verwahrlost, das Unkraut steht nicht selten kniehoch, die Grabsteine sind komplett überwuchert. „Wir kennen das Problem“, sagt Graaf. „Und wir schreiben die Grabnutzungsberechtigten regelmäßig an und setzen ihnen eine Frist, die Gräber in Ordnung zu bringen. Wird nicht reagiert, räumen wir die Gräber kostenpflichtig ab, ebnen sie ein und sorgen dafür, dass an diesen Stellen kein Unkraut mehr wächst.“