Wesel: Freimaurer kehren zurück

Wesel: Freimaurer kehren zurück

Ein historischer Schritt: Die Weseler Loge "Zum Goldenen Schwerdt" hat wieder eine Heimstätte in der Stadt gefunden. 2010 wollen die Freimaurer ihr neues Domizil im DGB-Haus an der Poppelbaumstraße umgestalten.

In der Öffentlichkeit zurückgemeldet hatten sich die Weseler Freimaurer jüngst mit ihrer Spende für die Fassade des Historischen Rathauses. Jetzt ist die Loge "Zum Goldenen Schwerdt" — auch räumlich — wieder in die Hansestadt zurückgekehrt.

Anfang 2010 werden die derzeit 36 Mitglieder ihr neues Domizil im DGB-Haus an der Poppelbaumstraße umgestalten. "Damit geht ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung", erklärt Nico Roelvink. Seit Juli ist der Bocholter der Meister vom Stuhl, der Vorsitzende der Loge: "Ich habe mich darum bemüht, diese wieder nach Wesel zurückzubringen."

Ein historischer Schritt: Sind die Freimaurer doch eng mit der Hansestadt verbunden. 1775 wurde die Loge von preußischen Offizieren gegründet. "Sie ist die Älteste in Nordrhein-Westfalen", erklärt Nico Roelvink. Von 1802 bis 1933 besaß die Loge ein repräsentatives Haus am Entenmarkt, das heute zum Ensemble der Gebäude des Marien-Hospitals gehört.

"Die Mitgliederzahl betrug 1925 noch 147 Freimaurer", erinnert sich der Vorsitzende. Die letzte Begegnungsstätte hatten die Freimaurer bis 1995 im Hofgebäude an der Rohleerstraße, davor trafen sie sich im Berliner Tor.

"Aus finanziellen Gründen musste das Mietverhältnis an der Rohleerstraße damals gekündigt werden, die Loge war fortan ohne Heimstätte", sagt Roelvink. Unterkunft fanden die Freimaurer in der niederländischen Loge "De Achterhoek" in Winterswijk.

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"Ein Teil der Aktivitäten fand außerdem im Ratskeller und im Kaiserhof und später im Restaurant Hohe Mark statt." Da die Loge lange ohne eigenes Domizil in Wesel geblieben ist, sei sie, so Roelvink, in Vergessenheit geraten: "Wir sind bemüht, dies nun zu ändern." Die Anmietung der Räume im DGB-Haus sei ein erster Schritt.

Ausstellung, Konzert und Theater

Und: Die Freimaurer sind zurück, um Vorurteile auszuräumen. "Wir sind kein Geheimbund oder eine Sekte", erklärt der Bocholter. "Die Mitglieder kommen aus einem großen Gebiet von Rees bis Geldern. Für die Aufnahme in die Loge ist der Berufsstand kein Kriterium."

Das Wesentliche bei allen Freimaurerlogen ist ihr Ritual. Es ist der feierliche Ablauf der so genannten Tempelarbeit und vermittelt die freimaurerische Lehre in besonders zeremonieller Form und mithilfe von Symbolen. "Unser Ziel ist es, dass die Welt ein wenig menschlicher wird. Die Freimaurerei ist ein Kinder der Aufklärung und versucht, mithilfe der Vernunft zu helfen. Es geht um den geistigen Austausch, das Freimachen von Dogmen."

Die Mitglieder der Loge erhoffen sich, wieder ein Bestandteil der Weseler Kultur zu werden. "In Zusammenarbeit mit Dr. Veit Veltzke vom Preußen-Museum ist eine Dauerausstellung über die Freimaurer in Planung." Theater, Vortragsabende und Konzerte sollen in enger Abstimmung mit Weseler Initiativen und Gruppen organisiert werden.

(RP)