Fragestunde mit dem Pfarrer

Schermbeck : Fragestunde mit dem Pfarrer

Klaus Honermann sprach vor Mitgliedern der kfd seine Ziele an. Das Pfarrheim werde nicht abgerissen, entkräftete er Gerüchte. Die Kirche müsse sich öffnen.

„Ihre Meinung ist uns wichtig!“, fordert ein großformatiges Transparent am Turm der Ludgeruskirche seit Kurzem die mehr als 5000 Mitglieder der Kirchengemeinde auf, am 23. September zwischen 16.30 und 18 Uhr in der Ludgeruskirche an einer Gemeindeversammlung teilzunehmen, die sich mit dem Zukunftsplan befasst. Eingebettet in ein Programm mit Musik und Clownerie, haben die Besucher Gelegenheit, an acht Themen-Standorten mit jeweils einem Pfarreiratsmitglied zu sprechen und die eigenen Vorstellungen einzubringen.

Wenn die Gespräche am 23. September so engagiert verlaufen wie das Gespräch, das Pastor Klaus Honermann am Dienstag mit etwa 40 Frauen der kfd in der Bücherei führte, dann kann der Zukunftsplan in seiner schriftlichen Endfassung getrost die ergänzende Bezeichnung „einer lebendigen Kirchengemeinde“ erhalten.

„Wir befinden uns in einer großen Umbruchzeit“, verwies Honermann in seinem einführenden Vortrag auf den starken gesellschaftlichen Wandel und auf die demografische Entwicklung. Zur steigenden Zahl der älteren Menschen kämen die zunehmende Zahl von Menschen mit einer geringeren Beziehung zur Kirche, die wachsende Zahl berufstätiger Frauen und ein immer schwieriger werdendes Berufsleben mit der Folge, dass für ein ehrenamtliches Engagement häufig weniger Zeit bleibe. „Die Kirche muss umgebaut werden für diese neue Situation“, zeigt sich Honermann überzeugt. Die Pyramidenform der kirchlichen Organisation müsse geändert werden. „Wir alle haben in der Taufe denselben Geist bekommen“, stellte Honermann fest und fügte hinzu, „jeder kann unterschiedliche Aufgaben erledigen.“

Als Beispiele für jüngere positive Veränderungen innerhalb der Ludgerusgemeinde nannte Honermann das Frühstücksbüfett am letzten Freitag eines Monats und das Kaffeetrinken für Alleinstehende an jedem ersten Sonntag im Monat. Es müsse verstärkt in die Öffentlichkeit getragen werden, „was es alles an guten Sachen gibt.“ Er räumte gleichzeitig ein, dass manches nicht mehr Zeitgemäße aufgegeben werden sollte zugunsten von Neuem, für das ein Bedarf bestehe. „Aufgabe der Kirche ist es, offen zu sein für das, was Menschen bewegt“, fasste Honermann zusammen und leitete zur Fragerunde über.

Die erste Frage zielte auf die künftige Nutzung des soeben renovierten Pfarrheims vor dem Hintergrund der anstehenden gemeindlichen Planungen zur Umgestaltung des Edeka-Umfeldes. Dem Gerücht, das Pfarrheim werde abgerissen, widersprach Honermann, zumal es noch keine konkreten Vorstellungen gebe. Der Kirchenvorstand habe aber signalisiert, dem kommunalen Anliegen nicht im Wege zu stehen. Bei allen künftigen Überlegungen hinsichtlich der Veränderung der bestehenden Bausubstanz müssten jedoch zwei Voraussetzungen erfüllt werden: die Möglichkeit, Veranstaltungen wie bisher oder noch besser durchführen zu können, und den Gegenwert des renovierten Gebäudes zu erhalten. „Sobald wir etwas Genaueres wissen, werden wir das mitteilen“, versprach Honermann.

„Wie weit hat die Kirchengemeinde Einfluss auf den Erhalt der katholischen Maximilian-Kolbe-Schule?“, beschäftigte die Frauen in einer weiteren Frage. „Die Schule kann ohne den Elternwillen nicht verändert werden“, stellte Honermann fest. Gleichzeitig wiederholte er seine Formulierung im Rahmen der öffentlichen Schuldiskussion, wonach nicht das entscheidend sei, was auf dem Türschild einer Schule stehe, sondern das, was die Auffassung der dort unterrichtenden Lehrpersonen sei. Als positives Beispiel nannte er die Beziehungen der Gesamtschule zur Kirchengemeinde. Über die Einführungs- und Abschlussgottesdienste hinaus gebe es inzwischen im Laufe des Jahres Jahrgangsgottesdienste.

Auf die Frage „Können nicht mehr Veranstaltungen wie heute Nachmittag stattfinden?“ versprach Honermann als Experiment, künftig ab und zu Gottesdienste anzubieten, in deren Verlauf die Besucher Gelegenheit bekommen sollen, Antworten auf Fragen zu erhalten, die spontan vorgetragen oder auch vorher schriftlich eingereicht werden können. Nur durch gemeinsame Gespräche könne man auf neue Ideen kommen.

(hs)