Hamminkeln: Förderkreis tut alten Menschen gut

Hamminkeln : Förderkreis tut alten Menschen gut

Von Klavier bis Krafttraining: Am Dingdener St.-Josef-Haus wird deutlich, wie man ein Seniorenheim unterstützen kann.

Kürzlich hat Heimleiterin Annette Himmelberg bei der Podiumsdiskussion der Senioren-Union "Zukunft der Pflege" in Wesel zur Spa-Reise im Dingdener St.-Josef-Haus eingeladen. Hier besuchen die alten Menschen gerne das Kneippbecken, erleben Güsse und gesundheitlich belebende Wirkung. Nächstes Jahr wird, wie berichtet, eine Saline mit salzhaltiger Luft eingerichtet - gut für die Atemwege. Beide Angebote sind oder werden für die Bevölkerung zugänglich sein.

Im Hintergrund setzt sich der Förderkreis des Dingdener St.-Josef-Hauses für nachhaltige Verbesserungen ein. Er ist jetzt zehn Jahre alt. Ein solcher Verein ist eine Seltenheit, aus dem Dingdener Haus, in dem es 74 vollstationäre Plätze und 31 Wohnungen gibt, ist er nicht mehr wegzudenken. Der Erfolg heute lässt fast den steinigen Weg zur Gründung vergessen. Der Förderkreis war nämlich amtlich anfangs nicht gewollt.

"Es war eine schwierige Vereinsgründung, die Anerkennung hakte lange bei der Kreisverwaltung. Weil mit Blick auf das Heimgesetz befürchtet wurde, dass es Interessenskollisionen geben könnte", erzählt Initiatorin Irene Schröer. Anders gesagt: Ein Förderkreis, sonst für viele Einrichtungen und alle möglichen Projekte üblich, war im Altenheimbereich nicht vorgesehen. Mutig kämpfte man sich an Karl-Josef Laumann heran, damals in seiner ersten Amtszeit als Sozialminister. Der ministerielle Umweg funktionierte. Der Effekt wirkt bis heute, der Förderkreis ist ein Aktivposten geworden, und er ist weit und breit einzigartig. "Laumann hat schon viel Positives im Pflegebereich bewirkt", sagt Niko Ridder, Geschäftsführer des St.-Josef-Hauses. Die erste hilfreiche Tat des Förderkreises und gleichzeitig das Symbol für den holprigen Anfang steht noch heute im Café: das 2008 angeschaffte Klavier. Es durfte offiziell nicht dem St.-Josef-Haus gehören, also wurde es leihweise aufgestellt - und steht noch heute dort. Eine ehrenamtliche Pianistin sorgt dafür, dass mindestens zweimal wöchentlich ihre Fangemeinde unterhalten wird. "Wir wollten auch im Bewusstsein etwas bewegen, dass man alte Menschen ehrenamtlich unterstützen und betreuen soll", sagen Maria Vierhaus und Irene Schröer vom Förderkreis. Nicht alles, was sich entwickelt habe, habe funktioniert, aber alles, was sich bewährt habe, werde beibehalten.

Inzwischen wurde ein transportables E-Piano neben besagtem Klavier angeschafft, womit Musizieren in den Wohnbereichen möglich ist. Die zwei "Josef-Flitzer" (Preis: je 9000 Euro), die man im Dorf fahren sehen kann, hat der Förderkreis angeschafft, damit die Bewohner mit den Paralleltandems mehr Bewegungsraum haben. Und sich vielleicht an frühere Zeiten erinnern, als sie selbst noch mit der Fiets unterwegs waren. Zur Gesundheit gehört Mobilitätserhalt, deshalb ermöglichen die Förderer wöchentliches Krafttraining. Die Beschäftigung dementiell Erkrankter wird finanziell unterstützt. Dazu kommen regelmäßige weitere Angebote. Der Förderkreis spricht zudem die Sinne an mit dem duftenden Kräuterbeet, dem Naschgarten und den vielen Frühlingsblühern. Ehrenamtliche pflegen diesen Bereich.

"Zuwendung, Beschäftigung, schöne Ereignisse - davon kann es nicht zu viel geben", sagen Schröer und Vierhaus. Ihr Förderkreis hat mittlerweile 155 Mitglieder. Ausdauer zählt sich eben aus. Das Engagement ist bewundernswert und sehr hilfreich. "Uns werden Wünsche aus dem Haus genannt, wir versuchen dann, Spenden dafür hereinzuholen", beschreiben die beiden Frauen das System. Nun geht es um die Jubiläumsaktion, eine Saline zu bauen. Der Spendenmarathon kann beginnen, wenn die Pläne genehmigt sind. Gut, dass der Förderkreis im Dorf und in der Umgebung gut vernetzt ist und für mustergültige Unterstützung bekannt ist.

(RP)
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