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Flugzeugabsturz Wesel: Experten suchen nach der Ursache des Unglücks

Drei Tote nach Flugzeugabsturz in Wesel : „Wir alle können uns das Unglück nicht erklären“

Nach dem Absturz eines Kleinflugzeuges mit drei Toten in Wesel hat die Suche nach der Ursache begonnen. Ist das Flugzeug in der Luft auseinandergebrochen? Laut den Luftsportfreunden Wesel-Rheinhausen gab es bis zu dem Unglück keine Anzeichen für Probleme.

Das kleine Flugzeug muss wie aus dem Nichts gekommen sein: Am Samstagnachmittag ist im niederrheinischen Wesel ein Ultraleichtflugzeug in eine Dachgeschosswohnung gestürzt. Eine alleinerziehende Mutter und ihr zweijähriges Kind wohnten darin. Die Wohnung brannte aus. Drei Tote sind zu beklagen: Wahrscheinlich die Mutter und die beiden Flugzeuginsassen. Die Leichen sollten am Sonntag obduziert werden. Eine zweifelsfreie Identifikation der drei Personen wird vermutlich noch einige Tage in Anspruch nehmen, sagt die Staatsanwaltschaft. Das Kleinkind hat überlebt und wurde nur leicht verletzt. Es ist jetzt bei Verwandten.

Warum der Flieger abstürzte, war am Sonntag noch offen. Fest steht, dass das Ultraleichtflugzeug in Marl gestartet war, knapp 40 Kilometer östlich von Wesel. Auf dem Flugplatz Wesel sei es dann zwischengelandet, teilen die Behörden mit. Um 14.39 Uhr sei es wieder losgeflogen, sagt Achim Strobel, 2. Vorsitzender des Vereins Luftsportfreunde Wesel-Rheinhausen. Seit 47 Jahren ist der 63-Jährige im Verein aktiv. Wie es zu dem Absturz kommen konnte, ist ihm ein absolutes Rätsel. „Der Pilot hatte sich über Funk bei uns ordnungsgemäß abgemeldet und war völlig unauffällig. Es gab keinerlei Probleme. Wir alle können uns das Unglück nicht erklären“, sagt Strobel.

Es heißt, bei den beiden tödlich Verunglückten soll es sich um einen Polen und dessen Sohn handeln. Strobel kennt das Flugzeug: Es handele es sich um das Modell TL 96, ein sogenanntes Luftsportgerät. Laut Hersteller hat es zwei Sitze nebeneinander. Wohin die beiden Männer fliegen wollten, wurde nicht bekannt. Die Polizei gab die Absturzzeit am Samstag mit 14.42 Uhr an.

Die Absturzstelle liegt rund 2,5 Kilometer vom Flugplatz entfernt im Weseler Ortsteil Feldmark. Ganz in der Nähe wohnt eine Frau, die den Absturz gesehen hat: „Das Flugzeug ist über uns weggeflogen. Das ist so schnell gegangen. Es hätte auch uns treffen können.“ Auch am Tag danach ist sie noch sehr aufgewühlt.

Den Rettungskräften hatte sich in der Unglückswohnung ein Bild des Schreckens geboten. „Es ist ein ziemliches Schlachtfeld da oben“, sagte der stellvertretende Leiter der Feuerwehr Wesel, Robert Meyboom, am Samstag noch unter dem Eindruck des Großeinsatzes. „Von dem Flieger findet man fast nichts mehr.“ Von der Unglücksmaschine ist in den Trümmern am Sonntag unter anderem der Motor gefunden worden, hieß es von Seiten der Weseler Feuerwehr. Meyboom glaubt, dass das Flugbenzin den Brand ausgelöst hat.

Drei Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung haben mit der Untersuchung zur Absturzursache begonnen. Der erste sei bereits am Samstagabend vor Ort gewesen, sagt der Duisburger Staatsanwalt Alexander Bayer. Laut Polizei gibt es Hinweise, dass das Flugzeug vor dem Absturz auseinandergebrochen war. In der Umgebung wurden mehrere Flugzeugteile gefunden. In der Nähe der Absturzstelle fanden die Rettungskräfte auch einen Fallschirm. Die Polizei vermutet, dass es sich um den Notfall-Bremsfallschirm des Flugzeugs handelt.

Fünf Parteien leben in dem Mehrfamilienhaus. „Die anderen Bewohner des Hauses kamen nicht zu Schaden, standen aber unter dem Eindruck der Ereignisse“, heißt es später. Wann sie wieder in ihre Wohnungen können, ist offen. Noch am Sonntag sollte ein Statiker prüfen, ob das Haus einsturzgefährdet ist.

Der Absturz in Wesel hatte für einen Großeinsatz gesorgt. Daran beteiligt waren mehrere Hubschrauber und eine Rettungshundestaffel. Auch Notfallseelsorger waren vor Ort.

Nordrhein-Westfalen ist in den vergangenen Wochen gleich mehrfach von Flugzeugabstürzen betroffen gewesen. So stießen am 11. Juli zwei Segelflugzeuge bei Haltern zusammen und stürzten ab. Die Piloten starben. Am 12. Juli kamen beim Absturz eines Ultraleichtflugzeugs in der Nähe von Karlsruhe zwei Brüder aus Witten und Essen ums Leben. Am 18. Juli stürzte eine 17 Jahre alte Segelfliegerin auf dem Flugplatz Hangelar bei Bonn mit ihrem Fluggerät ab. Sie wurde schwer verletzt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kleinflugzeug stürzt in Wesel in Mehrfamilienhaus

(kwn/chal/dpa)