Wesel Flugtage - vom Winde verweht

Wesel · Regen, schwierige Windverhältnisse und tief hängende Wolken sorgten für Einschränkungen bei den Flugtagen der Luftsportfreunde Wesel. Auch die Besucherzahlen blieben wetterbedingt weit hinter den Erwartungen zurück.

"Das ist Open Air, da kann man nichts machen" sagt Achim Strobel mit einem Blick in den Himmel, an dem sich die nächsten bedrohlich dunkel wirkenden Wolken in Richtung Flugplatz Römerwardt schieben. Seit Mitte des vergangenen Jahres sind die Weseler Luftsportfreunde mit der Organisation der Flugtage beschäftigt — nur eins spielt am Samstag und Sonntag nicht mit: das Wetter.

"Wir ziehen das Programm trotzdem knochentrocken durch", sagt der Vorsitzende. Da es aber alles andere als knochentrocken bleibt und die schwierigen Windverhältnisse ihr übriges dazutun, gibt es Einschränkungen im Programm. Die Fallschirmspringer können nicht springen — zu gefährlich. Und auch einige der seltenen Flugzeuge, auf die sich die Fans gefreut hatten, sucht man vergeblich. So kann unter anderem die Antonov AN2, der größte noch fliegende Doppeldecker der Welt, aufgrund der Verhältnisse nicht in Wesel sein. Und trotzdem, sobald die Wolken sich ein wenig verziehen und die Sonne ein kurzes Intermezzo gibt, steigen sie in die Luft, die zahlreichen Maschinen, die die Herzen der Flugfans höher schlagen lassen.

Kurzer Moment im freien Fall

Wie ein silberner Blitz schießt die YAK-52TD durch den Weseler Himmel: auf dem Kopf, dann senkrecht und für einen kurzen Moment im freien Fall. Das Display, welches Pilot Stefan Marqua zeigt, hat es in sich. Bei diesen Flugmanövern hätte es dem Laien sicherlich den Magen verdreht. "Alles Routine", erklärt Stefan Marqua aus Köln. Er muss es ja wissen, schließlich sitzt er, wenn er nicht gerade Loopings in seiner YAK-52TD dreht, als Verkehrspilot im Airbus-Cockpit.

Ebenso spektakulär aber wesentlich magenschonender für die Piloten kreisen die Großmodelle über den Flugplatz Römerwardt. "So sieht man das Flugzeug während des Fluges", beschreibt Mark Maibom von der Modellbaugruppe Bocholt die Faszination.

Und trotzdem, einmal mitfliegen und die Welt von oben sehen ist für viele ein Traum — den man sich während der Flugtage rund um die Aue erfüllen kann. So auch Christa Schaffrinna, die nach der Landung glücklich und lachend aus dem Helikopter steigt. "Wunderbar, ich kenne Wesel gar nicht, aber jetzt zumindest von oben", erklärt die Dortmunderin, die extra für die Flugtage in die Hansestadt gekommen ist.

"Ich würde auch gerne mal fliegen", erklärt Lilli (7). Auch wenn sie vorerst am Boden bleibt, Probesitzen kann man ja schon mal. "Cool, das fühlt sich weich an", erklärt sie, während sie es sich im Segelflugzeug gemütlich macht. Die Siebenjährige ist zusammen mit Oma Ute Best in die Aue gepilgert. "Wir kommen alle zwei Jahre, auch bei Regen", erklärt sie. Auch andere Flugfans zeigten sich resistent. "Für die Bedingungen sind die Flugtage noch relativ gut besucht", zieht Achim Strobel Bilanz.

(RP)
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