Wesel: Fledermaus sucht Flederhaus

Wesel : Fledermaus sucht Flederhaus

Paul Schnitzler sorgt dafür, dass die Fledermaus im Kreis Wesel Unterschlupf findet. Einige Stellen in Wesel seien unter Fledermäusen besonders beliebt, berichtet der Experte. Die Bevölkerung kann dem Tier helfen.

WESEL (lhen) Biologen sehen die Fledermauspopulation am Niederrhein bedroht. Es gebe immer weniger Stellen, an denen die Fledermäuse einen Schlafplatz finden, sagt Paul Schnitzler, Diplom-Biologe und Fledermausexperte im Kreis Wesel. In den kommenden Wochen werden die nachtaktiven Tiere wieder ihr Winterquartier verlassen - demnächst auch abends vermehrt aktiv sein. Wie viele Fledermäuse es genau in der Region gibt, ist auch für Experten schwierig nachzuhalten.

Fest steht aber: Es gibt Stellen in Wesel, die sind für Fledermäuse geradezu wie geschaffen. Das Fort Blücher in Büderich und der Heubergpark seien unter Fledermäusen über die Kreisgrenzen hinaus bekannt, sagt Schnitzler. "Zur Paarungszeit im Spätherbst kommen ganze Schwärme von Fledermäusen aus bis zu 200 Kilometer Entfernung, wie zu einem großen Gemeindefest." Und das wahrscheinlich schon seit geraumer Zeit.

"Solche Orte werden von Generation zu Generation weitergegeben. Die Jungen lernen von ihren Müttern, wohin sie in der Paarungszeit fliegen müssen." Während des Winterschlafs von etwa Ende August bis Ende März hingegen hauste die Fledermaus einst in Höhlen oder Mauerritzen, wählte offene Dächer von Häusern, Schlössern oder Scheunen. Heute sei das oft nicht möglich, sagt Schnitzler: "Die Leute wollen einfach keine Tiere mehr im Dachstuhl haben.

" Seit rund 28 Jahren hat er sich den Schutz der Fledermaus auf die Fahne geschrieben. Und seit zehn Jahren leitet er in Wesel das Projekt "Gottes Haus für Fledermaus". Er prüft und pflegt Kirchtürme, schafft Zugänge und beobachtet, wo sich die Fledermaus bevorzugt einrichtet. Sie macht es ihm nicht unbedingt leicht. "Fledermäuse sind konservativ", sagt er: "Sie brauchen Jahre, bis sie sich an ein neues Quartier gewöhnt haben.

" Dann wiederrum seien sie "treue Mieter": "Einmal auserwählte Dachstühle steuern sie jahrzehntelang noch an." In der evangelischen Friedenskirche hat Schnitzler Kästen angebracht, in der Hoffnung, dass die Fledermaus sich dort heimisch fühlt. Eingenistet habe sich dort keines der Tiere, nicht immer hätten seine Maßnahmen Erfolg, sagt er. Fledermäuse seien sehr individuell und sensibel. "Hat eine Kolonie an einem Unterschlupf schlechte Erfahrungen gemacht, zum Beispiel aufgrund von starker Zugluft, kommt sie wahrscheinlich nicht mehr zurück.

" Ob Dracula, Jäger der Nacht oder Batman (englisch: "Fledermausmann"): Der Mensch hat der Fledermaus einiges angedichtet. Immer wieder gibt es sogar Berichte von Tieren, die sich massenhaft in Dachzimmern einnisten. Es sind Menschen wie Schnitzler, die die kleine Tierart schätzen. In der Region hat der Biologe 16 Arten gezählt, zum Beispiel im Xantener Dom und an den katholischen Kirchen in Bislich und Brünen.

Wesel sei dennoch "kein Fledermaus-Paradies". Weltweit gibt es über 900. Die derzeit kalten Temperaturen scheut die Fledermaus nicht. Das flugfähige Säugetier sei an die kalte Witterung ziemlich gut angepasst. Beim Winterschlaf senkt die Fledermaus ihre Körpertemperatur bis auf knapp über die Umgebungstemperatur herab. Die Tiere kuscheln sich beim Schlafen zusammen, um Restenergie zu sparen. Die investieren sie dann vollständig ins Aufwachen, etwa bei einem plötzlichen Angriff durch einen Feind.

Aus der Kopfüber-Position ist die Fledermaus direkt flugbereit. Alles in allem weiß man über die Fledermaus immer noch nicht viel: Solange es ihr an Quartieren mangelt, bleiben Zählungen schwierig. Auch besetzen Fledermauskolonien zur Feind- und Parasitenvermeidung mehrere Quartiere zur gleichen Zeit. Und: Unter optimalen Bedingungen können sie eine Lebenserwartung von bis zu 30 Jahren haben. "Zehn Jahre Fledermaus-Studie betreffen damit gerade mal eine Generation", erklärt der Biologe.

(RP)
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