Firmenchef Werner Borgers hält an Schließung von Werk in Dingden fest

Pläne für Dingdener Fabrik : Borgers-Chef hält an Werksschließung fest

Werner Borgers erklärte persönlich den Hamminkelner Fraktionsvorsitzenden, warum der defizitäre, im internationalen Vergleich zu teure Standort Dingden nicht zu halten ist. Es bleibt aber bei der Resolution im Rat.

Bei einem Treffen zur Werkschließung von Borgers in Dingden hat Firmenchef Werner Borgers, Vorstand der Bocholter Brogers Group, den Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat sowie Bürgermeister Bernd Romanski seine Pläne erläutert. Borgers selbst hatte zu einem Informations- und Meinungsaustausch eingeladen, um die Gründe persönlich zu erläutern. Für den heutigen Donnerstag ist im Rat eine Debatte um eine Resolution gegen die Schließung, von der 350 Mitarbeiter betroffen sind, zu erwarten. CDU, Grüne und der fraktionslose Martin Wente haben diese beantragt. „Ich gehe fest davon aus, dass die Resolution verabschiedet wird. Bei der Formulierung sind wir gesprächsbereit. Mein Eindruck ist, dass es auch unglückliche unternehmerische Entscheidungen gegeben hat“, sagte Johannes Flaswinkel (Grüne) am Mittwoch.

Der symbolische politische Akt wird an der Schließung nichts ändern. Zum einen sagte Borgers, die „Schließung sei schmerzlich, aber unausweichlich“. Zum anderen richten sich Belegschaft und IG Metall auf kommende Verhandlungen für einen Sanierungstarifvertrag ein. Seit 2014 arbeitet das Werk in Dingden, in dem Teile für die Autoindustrie gefertigt werden, defizitär. Im Interesse der gesamten Gruppe sei der Schnitt wirtschaftlich notwendig, betonte der Vorstand. Bekannt ist auch, dass es in den Werken in Polen und Tschechien Probleme gibt. Borgers stellte gegenüber den Ratsvertretern grundsätzlich klar, dass die Entscheidung zur Schließung des Werkes in Dingden „völlig unabhängig von der aktuellen Situation der Standorte in Polen und Tschechien“ zu sehen sei. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, so Werner Borgers. In Polen gibt es operative Anlaufprobleme, in Tschechien ist es auf dem dortigen leergefegten Arbeitsmarkt schwierig, passendes Fachpersonal für die Zulieferindustrie zu finden. Dies seien zwar Herausforderungen, sie seien aber bekannt und lösbar, hieß es in einer Pressemitteilung. Dingden schreibt nicht  nur rote Zahlen, der deutsche Standort hat auch wirtschaftliche Nachteile  – trotz einer Reihe zwischenzeitlich eingeleiteter Gegenmaßnahmen. Da hier vor allem Bauteile für Lkw und Nutzfahrzeuge mit einem hohen manuellen, also zeitintensiven Arbeitsaufwand gefertigt werden, steht der Standort besonders in harter Konkurrenz zu Wettbewerbern, die in Osteuropa zu deutlich geringeren Lohn- und Energiekosten produzieren.

„Aus diesem Grunde siedeln sich auch die Automobilhersteller seit Jahren verstärkt im Osten Europas an. Gleichzeitig erwarten sie von den Zulieferern, ihre Produkte ebenfalls dort zu fertigen und günstig anzubieten“, teilt Borgers mit. An Werke in Deutschland würden im Bereich der Innenausstattung daher kaum noch Aufträge vergeben. Ende 2015 war eine Rahmenvereinbarung zur Sicherung der Standorte in Bocholt und Dingden geschlossen worden, mit der die Mitarbeiter einen Beitrag leisteten, um die laufenden Kosten zu reduzieren. Im Gegenzug hatte das Management neue Aufträge für die Werke in Bocholt und Dingden gewinnen können und sogar laufende Produktionen von anderen Standorten der Borgers-Gruppe ins Münsterland verlagert.

Der Erfolg blieb aus, der Entschluss folgte, die Fertigung der sehr lohn- und energieintensiven Bauteile für Lkw-Kabinenverkleidungen in Polen zu konzentrieren. „Nur so konnte Borgers überhaupt weiterhin Aufträge in diesem wichtigen Segment gewinnen.“„Eine sehr sorgfältige Analyse“ für den Verlustbringer Dingden kam zu dem Ergebnis, dass das Werk aufgrund des zu geringen Umsatzes auch im Falle entsprechender Verbesserungsmaßnahmen nicht profitabel zu führen wäre. Zudem wären erhebliche Investitionen erforderlich, um auch künftig Umweltauflagen zu erfüllen.

Borgers betonte: „Kein Unternehmer schließt freiwillig ein Werk mit 350 Mitarbeitern, schon gar nicht am Stammsitz. Aber wir tragen auch Verantwortung für die rund 7.000 Beschäftigten an den anderen Standorten und müssen Verlustquellen beseitigen.“ Man werde die von dem Stellenabbau betroffenen Mitarbeiter bei der Arbeitsplatzsuche so gut es geht unterstützen.

(thh)
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