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Firmen können „Essen auf Rädern“ helfen

Appell an Unternehmer : Firmen können „Essen auf Rädern“ helfen

Die Caritas Dingden braucht mehr Helfer. Deren Einsatz wird optimal flexibel organisiert. Jetzt wird eine ungewöhnliche Werbeaktion gestartet.

Marie Borgers ist sich sicher: „Was wir hier in ehrenamtlicher Form machen, gibt es so fast nirgendwo. Das wollen wir aufrechterhalten.“ Die Küchenleiterin im Dingdener St.-Josef-Haus weiß, wovon, sie spricht. Schließlich laufen in der Altenheimküche die frischen Essen vom Band, wie sie von Voll- bis Diätkost von den Senioren im Stadtgebiet gewünscht werden – und das auch nach Wunschtagen.

Zum Funktionieren des Hamminkelner „Essen auf Rädern“-Systems gehört auch, dass die blauen Warmhaltekästen in ausgeklügelter Organisation in allen sieben Ortsteilen in der 164 Quadratkilometer großen Stadt bis kurz vor 12 Uhr verteilt werden – oft inklusive kurzem Schwätzchen mit den wartenden Senioren. Jetzt werben Heinz Grunden, Vorsitzender der Pfarrcaritas, und Nikolaus Ridder, Geschäftsführer des St.-Josef-Hauses, um neue ehrenamtliche Fahrer. Mit ungewöhnlichen Mitteln, denn Schreiben an 25 große Arbeitgeber sind herausgegangen mit der Idee, dass Firmen zum Beispiel mit „Bürokapazität“ Fahrer und Wagen zur Verfügung stellen. Nicht täglich, sondern alle paar Wochen wenige Stunden und so, dass die Unterstützung ins Firmengeschehen integriert werden kann.

Ridder sieht auch Vorteile für Unternehmen, denn Mitarbeiter müssten sich nicht um die Versorgung ihrer Familiensenioren kümmern, wenn die Caritas-Fahrer helfen. Über Firmen hofft man auch auf jüngere Unterstützer. Natürlich sind auch neue private Helfer gefragt. „Viele ältere Menschen bleiben gerne in ihren vier Wänden wohnen. Da gehört eine warme Mahlzeit am Tag dazu, die bringen wir“, sagt Grunden. Er war von Anfang an dabei und weiß, dass die Unterstützung seit 1980 bestens funktioniert. Fünf Euro kostet das tägliche Essen, 240 ehrenamtliche Fahrer bis zum Alter von 85 Jahren sind dafür mit ihren privaten Autos auf Tour. 2018 wurden 52.500 Mahlzeiten ausgeliefert, 165.000 Kilometer absolviert.

Besonderer Bedarf besteht an Samstagen und Sonntagen. Tag für Tag sind neun Fahrer plus meistens Beifahrer unterwegs auf neun Liefertouren. „Wir würden gerne die Touren zehn und elf einrichten, dann könnten wir die Fahrten neu konzipieren und so entlasten“, sagt Heinz Grunden. Kurzfristiges Ziel sei erstmal, alle Dingdener Kunden in einer Tour zusammenzufassen und dafür einen Lieferwagen zu stellen. Aktuell gibt es zwei Touren täglich in Mehrhoog, zwei für Brünen/Marienthal, zwei für den Ort Hamminkeln und je eine für Dingden, Dingden/Loikum/Wertherbruch und für Dingden/Ringenberg. Eine zehnte Tour soll Oktober/November eingerichtet werden. „Dafür brauchen wir 25 Fahrer, die alle drei bis vier Wochen im Einsatz sind“, heißt es.

Nikolaus Ridder hofft sehr auf Resonanz, denn man wolle an dem System festhalten. Auch eine Art Schnupperteilnahme – sprich: in der Urlaubszeit einfach mal an ein paar Tagen Zwei-Stunden-Touren übernehmen – ist möglich. Gewerbliche Anbieter könnten das alles weder personell noch preislich leisten, was in Hamminkeln gemacht wird. „Das ist sozial gut und auch ein Mehrwert für die gesamte Stadt“, sagt Ridder.

Und das hat zudem menschliche Qualität. Viele Senioren freuen sich auf die Essensanlieferer und ein paar freundliche Worte. Die wiederum passen auf und melden Unregelmäßigkeiten, etwa wenn die Rollläden mittags noch runtergelassen sind und sich niemand meldet. „Erst kürzlich hatte ich einen Hinweis, ich habe in der ganzen Pfarrgemeinde herumtelefoniert“, erzählt Grunden. Bis sich alles aufgeklärt habe.