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Wesel: Finanzdebatte ums Stadtjubiläum

Wesel : Finanzdebatte ums Stadtjubiläum

Soll Wesel 775. Geburtstag feiern, wenn Kassen absehbar auch 2016 leer sind?

Die gute Nachricht hielt Kulturdezernent Dirk Haarmann bis zum Schluss der Debatte gestern im Kultur- und Stadtmarketingausschuss zurück. Die Fotoausstellung des gebürtigen Weselers und Kabarettisten Dieter Nuhr zum Auftakt des 775-Jahr-Stadtjubiläums 2016 sei dank eines Sponsors finanziert. Der habe nach der Berichterstattung in der RP gestern 12 000 Euro zugesagt. Ansonsten aber erlebte der Dezernent ein Wechselbad der Gefühle. Fürs Programm gab es viel Lob, doch das wurde von einer langen Finanzdebatte überdeckt.

CDU und Grüne wollten keine Zusage für die Anschubfinanzierung eines Stadtmodells und der Ausstellung "Gold und Silber" geben. Fraktionslose Ausschussmitglieder zeigten Skepsis — zumindest öffentlich. Die Minimalformel lautete, man nehme das Programm wohlwollend zur Kenntnis. Dann ging es um die Auftragsvergabe für das Stadtmodell an einen Programmierer — wie üblich hinter verschlossenen Türen. SPD, FDP und die fraktionslosen Hilde Güney und Gabriele Fischell stimmten mit 10:8-Mehrheit für die 27 000-Euro-Ausgabe.

Zu dem Geld, das 2014 fällig wird, kommen noch (ungeklärte) 5000 Euro für die Ausstellung. Die Summe ist nötig, um die Schau zeitgerecht zu realisieren. Insgesamt soll das Jubiläum 500 000 Euro kosten, trotz erwarteter Zuschüsse ein zu dicker Brocken für die CDU. Die Grünen wollen lieber Geld ins Soziale stecken. Die FDP sieht das Jubiläum als beste Chance fürs Stadtmarketing. Die SPD fand die Finanzbedenken ungerechtfertigt.

Haarmann versicherte mehrfach, dass das Projekt nur umgesetzt werde, wenn entsprechende Fördermittel fließen. Bei der Vorstellung des dreidimensionalen virtuellen Stadtmodells mit acht Zeitebenen, die per Touchscreen auftauchen, wurde gestern deutlich, wie anschaulich Stadtgeschichte präsentiert werden kann. Gezeigt wird aber nur die Kernstadt. Die Ortsteile werden nicht virtuell bedacht.

(thh)