Wesel: Familie Bergfeld auf Sprung nach Wesel

Wesel: Familie Bergfeld auf Sprung nach Wesel

In Klosters-Serneus im schweizerischen Kanton Graubünden bereiten sich Thomas Bergfeld und die Seinen auf einen einschneidenden Ortswechsel vor. Denn in Wesel wartet der Willibrordi-Dom als neue Wirkungsstätte auf den Pfarrer.

Wenn Thomas Bergfeld jetzt aus dem Fenster seines Pfarrhauses schaut, dann fällt sein Blick noch auf ein kleines Kirchlein. Mit einer Kollegin und einer Diakonin ist er dort für rund 2200 Gemeindeglieder zuständig. Die machen etwas mehr als die Hälfte der Einwohner von Klosters-Serneus im schweizerischen Kanton Graubünden aus. Ungleich mehr Seelen wird er bald in Wesel zu betreuen haben. Der 48-Jährige wechselt auf die freie zweite Pfarrstelle am Willibrordi-Dom. Am 1. Juli tritt er seinen Dienst an, am 8. Juli ist ein Begrüßungsgottesdienst mit den Kindergartenkindern und am 2. September die Einführung Bergfelds durch Superintendent Thomas Brödenfeld. Für die Zeit, die ihm die Evangelische Kirchengemeinde Wesel für den Umzug einräumt, ist Thomas Bergfeld dankbar. Das macht ihm und den Seinen einen guten Abschluss in der Schweiz möglich. "Eben nicht holprig", sagt der gebürtige Mönchengladbacher, der zeitlebens in überschaubaren und ländlichen Umfeldern gewirkt hat.

Thomas Bergfeld sucht in Wesel derzeit noch eine adäquate Bleibe, idealerweise ein Haus. Er kommt mit kompletter Familie. Das sind seine Frau Birgit, gelernte Grundschullehrerin (Mathe, Deutsch, Religion), sodann Tochter Lotta (18), die gerade in den Vorbereitungen auf die Matura (Abitur) steckt, und Sohn Lasse (15), für den die Schule mit Klasse 9 in der Schweiz ebenfalls endet. Mithin wird den Kindern der Übergang erleichtert. Lotta wird wohl ein Studium aufnehmen. Lasse wird das Berufskolleg Wesel besuchen. Und für Birgit Bergfeld wird sich garantiert auch wieder ein Platz im Schuldienst finden lassen.

Pfarrer Bergfeld hat sich mit der spannenden Auslandserfahrung einen Traum verwirklicht. Weil er "sprachlich nicht der Mutigste" war, hatte er die Beziehungen seiner Bonner Uni zu Oxford nicht in Anspruch genommen, sondern ein Jahr im deutschsprachigen Bern verbracht. Es folgten Stationen in Bornheim (Vikariat) und Wassenberg (erste eigene Pfarrstelle).

In Klosters-Serneus ist es schön. Auf 1000 Meter Höhe liegt der Ort, in unmittelbarer Nähe zu Davos. 3000er bestimmen das Panorama und locken zum Bergwandern. Außerdem laufen alle vier Bergfelds Ski. Im Vergleich zu Deutschland ist hier das Leben ungeheuer sicher. Wenngleich die Schweiz Deutschland in Vielem ähnlich ist, hat Bergfeld erfahren, dass man dennoch ein Ausländer ist. "Man gehört nicht einfach selbstverständlich dazu", sagt er und berichtet von sprachlichen Barrieren. Die Mundart der Einheimischen sei eine "eigene Spielart und ihnen sehr wichtig für die Identität". Auch Schul- und Behördensystem seien anders aufgebaut. Mit mehr Eigenverantwortung. "In Deutschland musste ich mich nie so massiv selbst für meine Rechte einsetzen", schildert Bergfeld. Jetzt freut er sich auf Wesel.

Schon 2002 war ihm die Stelle am Dom mal aufgefallen. Doch da war ihm der Sprung "vom Lande an so eine wichtige Kirche in der Stadt noch eine Nummer zu groß". Jetzt kommt er genau passend. Superintendent Brödenfeld hat auf seine Bewerbung telefonisch geantwortet. Die nötigen Vorstellungen sind bekanntlich erfolgreich absolviert. Und Bergfeld hat sich umgesehen. "Keine Sorge, er wird kleiner mit der Zeit", hat Dom-Kollegin Martina Biebersdorf dem in der groten Kerk ergriffenen Bergfeld versichert. Als Arbeitsschwerpunkte sieht er neben der Auslegung der Bibel die "vitalisierende Arbeit mit Kindern von Anfang an" und die Musik im Zusammenwirken mit Kantor Ansgar Schlei. Im Traum hat er schon an eine Lichtinstallation gedacht. Die Stadt gefällt ihm, der Rhein und der Sporthafen auch. Die Familie ist einverstanden. Verwandte und Freunde von früher aus den linksniederrheinischen Tagen sind nah.

(fws)