Wesel Falschfahrer muss in Psychiatrie

Wesel · Mit etlichen Beweisanträgen hatte der Verteidiger versucht, nachzuweisen, dass sein Mandant zum Tatzeitpunkt nicht Herr seiner Sinne gewesen ist. Doch vor dem Duisburger Landgericht waren die Fakten für Richter Joachim Schwartz eindeutig: Der 71-jährige Angeklagte, ein Rentner aus Voerde, hatte am 16. September 2010 versucht, sich mit einer "Geisterfahrt" auf der Autobahn 3 bei Hamminkeln das Leben zu nehmen.

 Vor dem Duisburger Landgericht waren die Fakten für Richter Joachim Schwartz eindeutig.

Vor dem Duisburger Landgericht waren die Fakten für Richter Joachim Schwartz eindeutig.

Foto: ddp, ddp

Mit der bewussten Irrfahrt, bei der er zunächst mit einem Lkw und dann frontal mit einem Pkw kollidierte, machte er sich nach Meinung des Gerichts des versuchten Mordes schuldig.

Er wurde zu einem Freiheitsentzug von vier Jahren verurteilte — den der Verurteilte zunächst in einem psychiatrischen Krankenhaus verbringen wird, wie das Gericht anordnete. Die Verteidigung hatte plädiert, den Angeklagten nur wegen schweren Eingriffs in den Straßenverkehr zu verurteilen.

Entscheidend war für den Richter, dass der Rentner trotz einer Hirnerkrankung, die zwei Gutachter übereinstimmend feststellten, gewusst habe, was er tat, als er in falscher Richtung auf die Autobahn fuhr. Nur zwei Tage nach einem ersten Suizidversuch — der Mann hatte eine Überdosis Schlaftabletten mit Alkohol heruntergespült — habe er seine Ehefrau getäuscht, "sich nichts anmerken lassen, erst Frühstück gemacht und dann noch Geld geholt, dass er einem Kumpel schuldete, um die wahren Gründe seiner Fahrt zu verschleiern". Der Richter sah darin klare Indizien für ein bewusstes Handeln.

Auch die teils schweren Schnittverletzungen an beiden Armen, die einen Blutverlust von drei bis vier Litern zur Folge hatten, hat sich der Angeklagte laut Schwartz erst nach dem Zusammenstoß mit dem Lkw und Pkw zugefügt. Der Richter ließ das Argument des Verteidigers nicht gelten, sein Mandant habe sich bereits vor der Irrfahrt die Wunden zugefügt und wegen des Blutverlusts die Kontrolle verloren. Es sei die Absicht des Rentners gewesen, sich umzubringen, dabei habe er sein Auto als gefährliche Waffe eingesetzt, so der Richter.

(RP/rl)
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