Faisal Kawusi mit Programm Anarchie Ende März 2019 in der Stadthalle Wesel

Auftritt in Wesel : Faisal Kawusi auf der Comedy-Bühne

„Anarchie“ lautet sein aktuelles Programm: Ende März tritt der Comedian in der Niederrheinhalle in Wesel auf. Wir haben im Vorfeld mit ihm über seine Arbeit, seine Familie und seinen Werdegang gesprochen.

Er ist 1,90 Meter groß und bringt deutlich mehr als die 85 Kilogramm auf die Waage, die er auf seiner Webseite angibt. Und er ist ein hessischer Bub mit afghanischen Wurzeln: Faisal Kawusi macht als Comedian Witze über seine Heimat und auch mal gerne über sein eigenes Gewicht. In diesem Jahr geht er auf Tour und tritt deutschlandweit in insgesamt 77 Städten auf. Mit seinem Soloprogramm „Anarchie“ ist er am 30. März in Wesel zu Gast.

Worum geht es in Ihrem Programm „Anarchie“?

Faisal Kawusi Das ist so vielsagend, aber zugleich auch nichtssagend. Das liebe ich so an dem Titel. Es gibt keine Grenzen. Es gibt keine Regeln. Es gibt keine Political Correctness. Es gibt einfach nichts, was mir sagt, was ich tun und lassen muss. Aber so viel sei gesagt: Es sind teilweise Lebenserfahrungen, mit denen ich konfrontiert wurde. Im Grunde genommen erzähle ich, wie mein Alltag in Deutschland aussieht und mit welchen Vorurteilen und Klischees ich mich immer wieder auseinandersetzen muss. Hinzu kommt, dass wir uns noch in der Vor-Primär-Phase befinden. Soll heißen, dass noch sehr viel entwickelt wird.

Sind das alles Ihre eigenen Lebenserfahrungen?

Kawusi Es sind teilweise meine eigenen Geschichten, aber auch aus meinem Umfeld. Dazu zählen Familienangehörige, Freunde und Bekannte. Als Komiker überspitzt man gerne. Ich übertreibe auch sehr viel. Aber das ist jetzt keine Überraschung, dass ein Komiker Geschichten überspitzt erzählt.

Gibt es Momente, in denen Ihnen Geschichten ausgehen?

Kawusi „Nö. Die Geschichten gehen mir nie aus. Wenn man am Leben teilnimmt und sich zu Hause nicht eingräbt, dann passieren ständig irgendwelche Dinge. Solange meine Gedanken nicht einschlafen beziehungsweise ich mir selbst über viele Sachen Gedanken mache, gehen einem auch nicht die Geschichten aus. Das Einzige, was passieren kann, ist, dass ich den Leuten zu langweilig werde. Aber ich hoffe, dass ich bis dahin reich bin und es mir dann egal sein kann (lacht).

Dienen Ihre Witze zur reinen Unterhaltung oder haben Sie auch eine Botschaft, die Sie überbringen möchten?

Kawusi Es gibt natürlich eine Message. Aber dafür muss man das Programm besuchen. Es wäre ja schade, wenn ich das jetzt vorwegnehmen würde (lacht). Nein, Spaß beiseite. Das Programm hat im Großen und Ganzen eine Message. Natürlich gibt es hier und da mal dumme Witze. Aber ich sehe mich auch als Komiker, der die Menschen zum Lachen bringt und nicht als Kabarettist, der die Welt verbessern möchte. Und um ehrlich zu sein: Beispielsweise diese ganzen Debatten über Political Correctness, die gehen mir richtig auf den Zeiger. Es nervt mich, dass Komikern gesagt wird, was sie sagen dürfen und was nicht. Die wollen zwar Freiheit, aber rauben mir dadurch meine Freiheiten, das macht gar keinen Sinn. Besonders die Sensibilität der Menschen kann oft sehr lästig sein. Mittlerweile achtet man viel mehr darauf, was die Leute sagen, als auf das, was sie machen. Denjenigen, die sich dadurch verletzt fühlen, nur weil ich einen Witz gemacht habe, kann ich nur eines sagen: Ihr seid erwachsen. Reißt euch zusammen und lernt, euer Leben unter Kontrolle zu bringen. Wenn ein Witz jemanden aus der Fassung bringt, was macht er dann, wenn es Krieg gibt? Solche Leute haben doch keine Ahnung, was Schmerz wirklich bedeutet.

Es gibt also keine Grenzen für Sie?

Kawusi Natürlich ist es eine Empfindungssache. Es gibt Leute, die vieles vertragen können, und wiederum andere, die es nicht können. Für mich gibt es keinen Witz, den ich nicht ertragen könnte. Außerdem wird es immer Witze geben, durch die sich Menschen angegriffen fühlen. Wir sind Künstler – die Konsequenz sollte kein Verbot sein. Wir leben hier in einer demokratischen Republik, in der Meinungsfreiheit gilt, und jeder sollte so viel Toleranz mitbringen, dass man sagen kann, was man will – ohne mit allem d’accord sein zu müssen.

Wie sind Sie eigentlich zur Comedy gekommen – die typische Klassenclown-Karriere?

Kawusi „Natürlich war ich der Klassenclown (lacht). Viele waren der Meinung, dass ich auf die Bühne gehöre und Comedy machen müsse. Ich glaube, ich bin sehr polarisierend, entweder werde ich geliebt oder gehasst.“

Sind Ihre Eltern stolz? Wie war deren erste Reaktion, als Sie ihnen mitgeteilt haben, dass Sie Komiker sein möchten?

Kawusi Am Anfang gab es natürlich Skepsis. Meinen Eltern war es wichtig, dass ich ein sicheres Leben habe, mit einem verlässlichen Einkommen. Aber sie haben mich dennoch in meinen Entscheidungen frei sein lassen.

Also wurden Sie nicht zu klassischen Berufen wie Mediziner, Anwalt oder Ingenieur überredet?

Kawusi Eltern wollen nur das Beste für ihre Kinder. Manchmal verwechseln sie schnell, was gut für ein Kind ist: Sind es die Wünsche des Kindes oder ihre eigenen? Aber man muss sich vor Augen halten: Wir sterben nicht an Hunger oder dergleichen. Wir erkranken an Depressionen oder scheitern wegen anderer Probleme und sind letztendlich unglücklich. Ich wurde weder unter Druck gesetzt, noch musste ich irgendwelche Regeln befolgen. Meine Eltern fänden es sicherlich schöner, wenn ich irgendetwas anderes gemacht hätte; aber als sie mich zum ersten Mal auf der Bühne gesehen haben – damals bei einem Kulturabend in Mörfelden-Walldorf – erkannten sie schnell, wie sehr mich das glücklich macht. Und dafür werde ich ihnen auf ewig dankbar sein. Dafür, dass ich so frei sein durfte, und dafür, dass ich jetzt so vielen jungen Menschen mit Migrationshintergrund ein Vorbild sein kann.

Wird es nicht irgendwann langweilig, jeden Abend immer dasselbe vorzutragen?

Kawusi Es ist nie langweilig, weil ich nie dasselbe mache. Es ist immer von der Stimmung des Publikums abhängig. Zudem ist es auch immer wieder eine neue Herausforderung. Klar, manchmal kann ich mein Gelaber selbst nicht mehr hören, aber genauso gut könnte ich jetzt auch im Büro sitzen und immer wieder dasselbe machen.

Könnten Sie sich vorstellen, auch in Afghanistan aufzutreten und in Ihrer Muttersprache Stand-up zu machen?

Kawusi Meine Mutter hat immer gesagt: Nimm niemals zwei Melonen auf die Hand, was so viel heißt, wie: Mach lieber eine Sache gut, als zwei Sachen schlecht (lacht). Ich könnte mir schon vorstellen, zwei bis drei spezielle Abende zu machen. Aber das würde ich auch nur aus Langweile machen, und die habe ich Momentan nicht.

Haben Sie auch mal Aussetzer, sind Sie aufgeregt?

Kawusi Ab und zu, aber das merkt keiner. Aufregung gehört dazu und zeigt, dass ich die Sache ernst nehme, auch wenn es Comedy ist – total banal, aber so ist das eben.

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Kawusi Leidenschaft kommt von Leid – das hat mal meine Tanzpartnerin Oana Nechiti bei „Let’s dance“ gesagt. Und Idioten bleiben Idioten. Hatespeech hat keine Wirkung auf mein Leben und es tangiert mich auch nicht. Deshalb ist es mir recht egal, was über mich gesagt wird.

Haben Sie Pläne für die Zukunft?

Kawusi Glücklich sein. Ich handele nach Instinkt und lebe im Hier und Jetzt. Ein sehr kluger Mann hat mir mal gesagt: Wenn du Wünsche und Ziele hast, behalte das lieber für dich.

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