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Kreis Wesel: Fachkräftebedarf: DGB fordert Taten statt Worte

Kreis Wesel : Fachkräftebedarf: DGB fordert Taten statt Worte

Die Gewerkschaft fordert eine Ausbildungsplatzumlage.

Seit Jahren weist der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) auf den drohenden Fachkräftemangel hin. Zur aktuellen Debatte sagt Angelika Wagner, Geschäftsführerin der DGB-Region Niederrhein: "Hätten die Unternehmen darauf reagiert und mehr Ausbildungsplätze eingerichtet, gäbe es jetzt die ausgelernten Fachkräfte, die anfangen könnten, Praxiserfahrung in den Betrieben zu sammeln. Stattdessen sind gerade in den Branchen, die nun am lautesten über Fachkräftemangel reden, sogar Ausbildungsplätze reduziert worden."

Die DGB-Analyse der aktuellen Ausbildungsstatistik ergibt: Im Bereich Verarbeitendes Gewerbe sind etwa in Duisburg im vergangenen Jahr 8,9 Prozent weniger Ausbildungsstellen angeboten worden als im Jahr davor. Im Gesundheits- und Sozialwesen waren es 9,2 und im Bereich Verkehr, Lager/Logistik 8,7 Prozent weniger als 2016. Das sind die Branchen, die als diejenigen mit dem größten Fachkräftemangel beschrieben werden.

Insgesamt gibt es in Duisburg jedes Jahr 800 bis 900 Bewerber mehr als Ausbildungsstellen angeboten werden. "Es ist offensichtlich, dass nicht genügend getan wird, um mehr Fachkräfte zu qualifizieren", so Wagner. "Auch ist das maßgeblich der Grund dafür, dass wir in Duisburg eine so hohe Anzahl an jungen Arbeitslosen ohne abgeschlossene Berufsausbildung haben." Die Betriebe hätten es in der Hand. "Geben Sie jungen Menschen die Chance, Ihre zukünftigen Fachkräfte zu werden", appelliert sie.

Es gebe gute unterstützende Maßnahmen, wie ausbildungsbegleitende Hilfen, Verbundausbildung und assistierte Ausbildung. Unternehmen würden mit der Ausbildung nicht alleine gelassen.

"Es ist ein Armutszeugnis, dass von Jahr zu Jahr weniger Betriebe überhaupt ausbilden", sagt Wagner. Aktuell seien es nur noch knapp über 20 Prozent. Die anderen entzögen sich dieser Verantwortung und beklagten im gleichen Atemzug den drohenden Facharbeitermangel. "Um Betriebe zu motivieren, mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen, fordern wir eine regionale Umlage ein", sagt Wagner. "In eine solche Ausbildungsplatzumlage sollten alle Unternehmen verbindlich einzahlen, die sich nicht an der Ausbildung beteiligen. Dafür brauchen wir endlich ein tragfähiges Konzept. Hier steht die Politik in der Verantwortung. Sie muss endlich ihrem Versprechen nachkommen, jedem Jugendlichen einen Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen."

(RP)