Wesel: Ex-Nationalspieler Cacau spricht von seinem Glauben

Wesel: Ex-Nationalspieler Cacau spricht von seinem Glauben

In der Christus-Gemeinde erzählte der Deutsch-Brasilianer von seinem bewegten Leben und der Liebe zu Gott.

Der Besuch von Ex-Fußball-Nationalspieler Cacau in der Christus-Gemeinde war am Samstagabend der Höhepunkt der Weseler Allianz-Gebetswoche. Unter dem Motto "Lebendiges Christsein im Beruf" resümierte der Deutsch-Brasilianer über die wichtigsten Stationen seines Lebens. Mehr als 200 Besucher kamen in die kleine Freikirche am Ostglacis.

Eingebettet war der Besuch des 36-Jährigen in einen Gebetsabend, der sich durch eine gewisse Lockerheit einerseits und große Leidenschaft der versammelten Gläubigen andererseits auszeichnete: Die letzten dreieinhalb Minuten vor Beginn zählte ein Countdown herunter, gepaart mit basslastiger Elektromusik. Beim Aufspielen der fünfköpfigen Allianz-Band herrschte Festivalstimmung. Cacau wurde begeistert empfangen. Auf der Bühne beantwortete er im Gespräch mit Thomas Krallmann von der Gemeindeleitung Fragen zu seinem Leben, seiner Karriere und seinem Glauben.

Ein Echtheitstest sorgte gleich zu Beginn für Heiterkeit beim Publikum: Die ersten drei Fragen beantwortete Cacau, während er eine Lederkugel (ausgerechnet einen Bayern-Ball) mit dem Fuß hochhielt. Hierbei erfuhr das Publikum nicht nur seinen richtigen Namen, sondern auch, wieso er Cacau genannt wird: Als Kind hatte er selbst "Cacaudemir" statt "Claudemir" gesagt - und das setzte sich fest.

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Mit überraschend großer Offenheit erzählte er von seiner Kindheit in Brasilien, wo er mit zwei Brüdern in armen Verhältnissen aufwuchs: Die Mutter bestritt den Familienunterhalt als Putzfrau, der Vater war Alkoholiker und psychisch krank. Im Fußball fanden die drei Jungs, die wegen des Vaters von den Nachbarn gemieden wurden, Spaß und Ablenkung. Schon damals träumte der kleine Cacau von einer Karriere als Fußballprofi und war Fan der Corinthians. Dass er später für die Palmeiras spielte, war wie ein Verrat am Lieblingsverein: "Das ist, wie wenn ein Schalker für Dortmund spielt."

Mit 18 Jahren kam er nach Deutschland. Maßgeblich dafür waren Verbindungen seines Trainers nach München. So wurde Cacau zum Probetraining beim Landesligisten SV Türk Gücü eingeladen - und blieb. Was für ein Zufall, könnte man meinen. Doch Cacau ist überzeugt, dass es göttliche Fügung war. "Mit dem, was ich mache, wollte ich immer Gott dienen", sagt er.

Von dort aus machte er seinen Weg "mit Schwierigkeiten, aber stets nach oben". Entdeckt wurde er in Nürnberg, wechselte später nach Stuttgart und wurde mit dem VfB 2007 Deutscher Meister. Als er 2009 den deutschen Pass bekam, folgte auch die Einladung in die Nationalmannschaft. Ein Moment, der Cacau mit Stolz und Freude erfüllt hat. "Ich hatte das Gefühl, damals und heute noch, dass Deutschland mich wirklich adoptiert hat", sagte er. Cacau, der bei der WM 2010 in Südafrika Dritter wurde, ist als offizieller DFB-Integrationsbeauftragter tätig.

(meko)