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Kreis Wesel: Europas Retter rücken zusammen

Kreis Wesel : Europas Retter rücken zusammen

"Erdbeben in Euforia": Deutsche, Niederländer, Briten und Malteser üben in Wesel den Ernstfall in einem Pilotprojekt der EU.Ziel ist ein Modell für internationale Zusammenarbeit im Katastrophenschutz, das europaweit angewendet werden kann.

Wenn im Iran oder Indonesien die Erde bebt, ist internationale Hilfe gefragt. Meist sind die ansässigen Hilfsorganisationen überfordert. Auch in Europa gibt es bebengefährdete Gebiete. Und kleine Länder ohne große Rettungsapparate. Was fehlt, ist eine Führungsstruktur, ein Modell zum Management im Ernstfall. Dies zu ändern, sind an diesem Wochenende gut 200 Retter aus vier Ländern in Wesel versammelt. Denn das dortige Gelände des Technischen Hilfswerks samt angrenzender Flächen der Bundeswehr ist bestens geeignet für eine solche Groß-Übung.

Suchen, finden, bergen, versorgen

Deutsche, Niederländer, Briten und Malteser sind seit Freitagabend bis heute Nachmittag dabei, das Szenario "Erdbeben in Euforia" in den Griff zu bekommen. Verschüttete suchen, finden, bergen und versorgen, heißt der Auftrag. Dabei soll ein Rädchen ins andere greifen. "Es gibt ein Mutterschiff, an dem sich die anderen Einheiten ankoppeln können", erklärt Michael Walsdorf vom THW Hessen.

Aufmerksame Beobachterin ist Anja Brammann. Vom Berliner Innensenat ist sie als nationale Expertin für Katastrophenschutz zur EU abgeordnet. Sie ist gespannt auf den Abschlussbericht, der dann von 27 Staaten diskutiert werden soll. "Das Projekt soll Probleme herausarbeiten. Und das tut es auch", sagt Brammann.

  • Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU).
Foto: Stefan
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  • Haus Constanze Diersfordt
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  • Helmut Dismer, Egbert Boerken und Michaela
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Spannend findet auch Lars Rentmeister als einer von 40 Gästen das Geschehen. Als Ordnungsdezernent des Kreises Wesel gehört er im Ernstfall zur Leitung des Krisenstabes. Internationale Kooperation kennt er aus den gemeinsamen Hochwasserübungen mit den Niederlanden. Was auf dem Trümmergelände des THW und im Diersfordter Wald geschieht, wo eine große Zeltstadt als Basislager eingerichtet worden ist, findet er "beeindruckend". Besonders das Zusammenwirken mit den Kollegen aus Malta.

Aus Deutschland sind etwa 60 THW-Kräfte aus NRW, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland dabei. Sie haben laut Pressesprecher Walsdorf 16 Tonnen Ausrüstung herangekarrt.

Mini-Hubschrauber mit Kamera

Vergleichsweise leicht muten zwei wichtige Hubschrauber an. Es sind Modelle, aber kein Spielzeug. Die ferngesteuerten Helikopter können über Trümmern in Position gebracht werden, um per Kamera das zusammengestürzte Gebäude "zu lesen". Heute werden sie von Entwickler John Cunningham (Carvec Systems) aus England dirigiert. Der dafür sonst übliche Pilot ist gerade im indonesischen Erdbebengebiet im Einsatz.

Das Gute an der Draufschau mit fotografischer Dokumentation ist, dass bei Verlust von Karten per GPS sofort Ersatz erstellt werden kann und außerdem die Bergungsteams besser zu den Orten geführt werden können, wo Verschüttete vermutet werden.

(RP)