Erntegruppe Weselerwald zeigte die historische Feldarbeit

Brauchtum : Erntegruppe Weselerwald zeigte die historische Feldarbeit

Die Zeit schien stehen geblieben zu sein. Auf dem Feld der Familie Gernemann an der Marienthaler Straße zeigte die Erntegruppe Weselerwald am Sonntag Erntevorgänge, wie sie vor über einem halben Jahrhundert üblich waren.

Wo sonst riesige Mähdrescher ihre Runden drehen, um im Stundentakt Hektar für Hektar Getreide zu fressen, da ging diesmal alles viel gemächlicher zu. Die zum Heimatverein Weselerwald gehörende Erntegruppe zeigte den Zuschauern die verschiedenen technischen Stufen im Zeitraffer. An die früheste Form der Ernte mit Sichte und Pickhoak wurde nicht nur mit ausgestellten Gerätschaften erinnert. Der Blumenkamper Heinz Bannemann zeigte wie viel Kraft und Geschicklichkeit dazu gehörten, das abgemähte Getreide in handlichen Bündeln abzulegen. Der 81-Jährige hat schon als Zehnjähriger auf dem elterlichen Hof mitgeholfen, die Getreidefelder an den Ecken mit der Sichte freizuschneiden.

Mit einem 15-PS-Deutz-Schlepper zog Tom Bauhaus einen Selbstbinder mit Zapfwellengetriebe übers Feld. Hinter dem Flügelrad sitzend, achtete Heinrich Nuyken darauf, dass die mit einem horizontalen Schneidwerk abgemähten Triticalehalme in rechter Weise auf das Plattformtuch fielen, von wo aus sie zwischen den beiden Elevatortüchern zum Knüpfer gelangten. Die Erfindung des Knoters vor der vorletzten Jahrhundertwende war Voraussetzung für die Konstruktion des Selbstbinders, der dem mühseligen Binden von Hand ein Ende setzte.

Der auf dem Feld ausgestellte Stiftendrescher wurde nach der Zeit des Dreschflegels dazu verwendet, das Korn von den Ähren zu trennen. Am Sonntag wurden die Garben allerdings von Harald Hüfing mit einem Leiterwagen zur Dreschmaschine der Marke „Dechentreiter“ gebracht. Diese Maschine vereint das Dreschen und das Strohpressen, was ihr in Fachkreisen den Namen „Zwilling“ einbrachte. Beim Antrieb wurde diesmal ein Standmotor eingesetzt.

Die am Sonntag arbeitende Mühle konnte Korn entweder mahlen oder quetschen. Das feinere Mehl wurde dem Schweinefutter zugesetzt, während das grob gequetschte Getreide wiederkauenden Kühen als Futter gegeben wurde. Die letzte Stufe der Kornverwertung, das Brotbacken oder Verfüttern an Tiere, wurde nicht gezeigt. Stattdessen bewiesen die Gäste, dass man Korn auch in flüssiger Form verwerten kann.

(hs)