Wesel: Erinnerungen an eine Kindheit in Hünxe

Wesel : Erinnerungen an eine Kindheit in Hünxe

"Bei Opa auf dem Hof" heißt das Manuskript, das Friedhelm Unterloh (68) geschrieben hat. Er schildert das Alltagsleben.

Es geht um die Nachkriegszeit rund um das Jahr 1955 mit kleinen Geschichten zu fast täglichen Ereignissen und Gebrauchsgegenständen "bei Opa auf dem Hof": Backtag, Schlachttag mit Wurst, Schmalz und Panhas, Badetag, Waschtag, Manteltopf, Bienenhaus, Heu- und Kartoffelernte, Runkelrüben.

"Bei Opa auf dem Hof" heißt auch das 24-seitige Manuskript, das der Hünxer Friedhelm Unterloh in den letzten 14 Monaten erstellt hat. Der 68-Jährige hat aus seinen Erinnerungen das niedergeschrieben, was er als Sechsjähriger auf dem Hof seines Opas Heinrich erlebt hat. "Die Geschichten beschreiben Situationen aus dem täglichen Leben, wie sie sich in jener Zeit auf vielen Bauernhöfen, aber auch in den Haushalten zugetragen haben", erklärt der Autor im Vorwort. "Ältere Menschen werden sich daran erinnern. Sie mögen aber auch das ein oder andere Detail etwas anders erlebt haben. Diese Variationen gab es von Hof zu Hof und von Region zu Region."

Jüngeren würde das Beschriebene sicher sehr fremd vorkommen, "deshalb ist es wichtig, dass es der Nachwelt erhalten bleibt", meint Friedhelm Unterloh. Die Anregung zu seinem Werk erhielt er in einem Urlaub im Oktober 2016 in Südtirol. "Eine Unterhaltung zu einem dieser Themen fand ein unbeteiligter Zuhörer so interessant, dass er fragte: "Hat das mal jemand aufgeschrieben? Das müssen Sie aufschreiben!'" Unterloh nahm die Anregung auf und kramte in seinen Erinnerungen, wie es damals bei Opa Heinrich und der Familie auf dem Hof zuging. "Eins kam zum anderen. Ich fing mit dem Schlachten und Wursten an." Der gelernte Landmaschinenschlosser und Maschinenbauingenieur für Dampfturbinenanlagen (mit 61 Jahren ging er in Rente) legt in seinen Geschichten viel Wert auf Details.

Etwa: "Im Manteltopf kochte schon das Wasser. Damit wurde das Schwein abgebrüht, damit man die Borsten besser abschaben konnte. Das machte Opa mit der Schabeglocke. (...) Jetzt konnte das Schwein endgültig zerlegt werden. Auf dem großen Küchentisch wurde das Fleisch aufgeteilt. Einiges wurde in Einmachgläser eingekocht und vieles verschwand in den Würsten. (...) Für alle kam das schönste dann aber am Abend nach getaner Arbeit. Opa hatte schöne Stücke Fleisch, aber auch Speck zurechtgeschnitten und Oma hat daraus 'Kabbenöltjes' mit einer leckeren Soße gekocht und gebraten. (...) Oft hatten Oma und Opa ihre Kinder und Enkelkinder eingeladen. Alle saßen dann zum Essen am großen Küchentisch und ließen es sich schmecken. Und ein Schnäpschen gab es auch noch."

Ergänzende Informationen habe er von seinem Vetter Heinrich (Jahrgang 1941) erhalten, erzählt Friedhelm Unterloh. "Der lebt heute auf Opas ehemaligen Hof im Hünxerwald an der Schmelten Heide." Die meisten Fotos zur Illustration stammten aus Familienbesitz. Sein Opa Heinrich sei 1968 mit 85 Jahren verstorben, die Erinnerungen an ihn, die Familie und das Erlebte auf dem Hof "möchte ich nicht missen".

Die Erstveröffentlichung seines Entwurfs hat Unterloh der 14-jährigen Sofia, Tochter eines Arbeitskollegen, geschenkt - "weil sie sich für alles von früher interessiert". Für eine mögliche Präsentation von "Bei Opa auf dem Hof", eventuell auch als Buch, will er Kontakt zum Heimatverein aufnehmen.

(P. N.)
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