Hamminkeln: Erinnerungen an die Luftlandung im März '45

Hamminkeln : Erinnerungen an die Luftlandung im März '45

Im Rathaus empfing Bürgermeister Holger Schlierf am Samstag englische Kriegsveteranen, die vor 69 Jahren über Hamminkeln abgesprungen sind.

Der 24. März 1945 ist ein Samstag. Die Frühlingssonne strahlte von einem blauen Himmel über Hamminkeln. Kurz vor zehn wird wie auf Kommando die Stille durch Kanonendonner abgelöst. Der Höllenlärm treibt die Menschen in die Luftschutzbunker. Der eben noch strahlend blaue Himmel über dem Dorf verdunkelt sich, denn unzählige tieffliegende Militärflugzeuge nähern sich mit dröhnenden Motoren. An Bord sind rund 14 000 britische, amerikanische und kanadische Fallschirmspringer. Die "Operation Varsity" — die größte Luftlandeaktion der Militärgeschichte — nimmt ihren Lauf. Und 2000 alliierte Soldaten sterben dabei.

Damals standen sich Deutsche und Alliierte feindlich gegenüber. Heute, 69 Jahre später, sieht alles ganz anders aus. Seit vielen Jahren schon kommen englische Kriegsveteranen alle zwei Jahre nach Hamminkeln, um sich noch einmal gemeinsam an diesen 24. März zu erinnern. Und natürlich werden sie am Niederrhein als Freunde begrüßt.

Am Samstagmorgen empfing Bürgermeister Holger Schlierf 25 britische Gäste im Ratsaal. "Welcome in Hamminkeln!" sagte er und erinnerte an die Erfahrungen der Soldaten, die hier 1945 landeten. "Hier haben sie Tod und Elend, aber auch Kameradschaft und Freundschaft erlebt." Immer wieder muss der Bürgermeister an eine Begegnung mit dem Veteran Jack Watson denken, der 2011 im Alter von 94 Jahren verstarb und bis dahin immer wieder Hamminkeln einen Besuch abgestattet hatte.

"Einmal hielt er meine Hand, wie ein Vater — das hat mich sehr beeindruckt", sagte Holger Schlierf. "Seine Botschaft war immer der Friede und die Zusammenarbeit der Nationen." Auch ein Satz aus der Rede von Pater Paul Adams im Jahr 2012 vor dem Gedenkstein an der Güterstraße ist dem Hamminkelner Bürgermeister im Gedächtnis geblieben. Der Geistliche sagte damals: "We gave our tomorrow for today."

Bill Sanders war Fallschirmjäger bei der "Operation Varsity". Wann er nach dem Zweiten Weltkrieg das erste Mal wieder in Hamminkeln war, weiß er nicht mehr so genau. Aber was damals passiert ist, daran kann er sich noch sehr gut erinnern: "Es war ganz anders, wir wurden gefeiert und geehrt. Es gab keine strengen Blicke, nichts. Es war wie bei Freunden." Als Zeichen der Freundschaft kommt Bill Sanders auch nicht mehr in Uniform nach Hamminkeln, sondern in zivil. "Ich komme als Freund und nicht als Soldat."

Martin Wills vom obersten britischen Fallschirm-Regiment ist das erste Mal in Hamminkeln. Er war damals natürlich nicht dabei. Trotzdem bewegt es ihn sehr zu erfahren, was in dem kleinen deutschen Städtchen im Frühjahr 1945 geschah. "Besonders berührt mich hier der Geist von Versöhnung und Freundschaft", so Wills, als er seinen Blick durch den Ratssaal schweifen lies. Es sei sicher nicht sein letzter Besuch in Hamminkeln. Bestimmt sieht man ihn 2015 wieder, wenn sich die Luftlandung zum 70. Mal jährt.

(RP)
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