Wesel: Erinnerung an Michael Jackson

Wesel : Erinnerung an Michael Jackson

Die Hamburger Truppe "Black and White - A tribute to Michael Jackson" begeistert im Weseler Bühnenhaus mit einem perfekten Jackson-Darsteller und professionellen Tänzern.

Die Fans wussten genau, was sie hören und sehen wollten, als sie am Sonntag ins Bühnenhaus kamen: "Black and White - A tribute to Michael Jackson" sollte Erinnerungen wecken an die eigene Jugend, die geprägt war vom King of Pop, von seiner Version des Moonwalk, vom obligatorischen Griff in den Schritt und natürlich von "Thriller" oder "Billie Jean". Sie wurden nicht enttäuscht.

Mit den ersten Klängen vom "Earth Song" geht es los, die Bühne ist noch dunkel. Eine füllige Dame in zu engem Mini-Fummel in Schwarz-Gold stellt die Kasperle-Theater-Frage, ob auch alle da seien, und lässt dann Wesel nach dem Star rufen. Und der muss nicht lange gebeten werden. Der Ungar Csaba Horvath ist zwar kleiner und vierschrötiger als das Original und seine Stimmlage ein wenig höher, doch das vergisst man schnell, denn er tanzt grandios. Er wirbelt über die Bühne wie einst der King of Pop, kraftvoll, souverän, da stimmt jeder Schritt. Für die Choreografie der Cover-Truppe ist Lorant Koncz verantwortlich. Er hat die legendären Jackson-Videos sehr genau studiert und für die Tribute-Gruppe der Hamburger Seberg-Showproduktionen bestens umgesetzt.

Die acht Tänzer sind nicht weniger professionell als Jackson-Horvath, und ihre Performance überzeugt auch, wenn der mal nicht die Bühne dominiert. Lediglich in den ägyptischen Outfits zu "Remember the time" kommen sie wie eine Karnevalsfußtruppe daher. Den Clip hatte Jackson einst mit der unvergleichlichen Iman Bowie als Nofretete gedreht, und da wären die Tribute-Leute auch mit wertigeren Kostümen wohl nicht rangekommen. Hauptdarsteller Horvath ist jedoch immer exakt wie Jackson gestylt, selbst die Haare wirken stimmig, auch wenn sie heller sind. Seit 2010 schlüpft er für die Tribute-Truppe in die Rolle des 2009 verstorbenen Jackson und hat mit der Show die ganze Welt bereist. Was den Griff in den Schritt angeht, zeigt er eine jugendfreie Version, kurz unter dem Gürtel und nur angedeutet.

Der Höhepunkt der Show ist sein "Billie Jean", bei dem nur er, schwarz-glitzernd gekleidet, in hellem Lichtkegel auf der dunklen Bühne agiert. Die Stimme kommt gut rüber, nachdem es anfänglich ein Problem mit dem Mikrofon gegeben und er sich manchmal leicht nuschelig angehört hat. Aber es fehlt noch die Probe aufs Exempel - der Moonwalk. Doch er sitzt. Wirkt leichtfüßig, selbstverständlich. Beeindruckend. Und es springt endgültig der Funke über.

Wesel geht nun mit, da hätte es der eher peinlichen Animationsbemühungen vom Typ Rehasportgruppe (Arm nach halbrechts) der Dame im zu engen Fummel zu den Klängen von "Blame it on the Boogie" gar nicht mehr bedurft. Gewöhnlich singt sie Background, doch immer dann, wenn der Star und die Tänzer die Garderobe wechseln, greift sie mit einer weiteren Glitzer-Fummel-Kollegin zum Mikro. Sie interpretiert "I'll be there" von den Jackson 5, und auch gut, bis es an die Höhen geht. Die schafft sie nicht wirklich. Aber vielleicht denkt man auch zu sehr an die wunderbare Cover-Version von Mariah Carey. Doch dann ist auch schon bald Jackson-Horvath wieder da, und man vergisst die kleinen Schwächen.

Der "Smooth Criminal" mit der Anti-Schwerkraft-Nummer sitzt, und die seinerzeit vieldiskutierten Zombies von "Thriller" lassen auch nichts zu wünschen übrig. Bei "Beat it" schwebt Horvath zwar nicht per Kran auf die Bühne, doch er zeigt sich tänzerisch erneut in Höchstform, ebenso bei "Black and White" zum Schluss.

Nach einer Zugabe hat Wesel Standing Ovations zu bieten.

(evka)