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Hamminkeln: Erinnerung an alte Dingdener Zeit

Hamminkeln : Erinnerung an alte Dingdener Zeit

Die Stadt Hamminkeln hat Bernhard Pankoks Bildnis von Anton Hitpaß als Schenkung erhalten. "Der Amtsdiener von Dingden", so der Titel, soll einen Platz im Seniorenheim St. Josef bekommen.

Otto Pankok ist in der Region ein bekannter Name. Der Künstler lebte lange im Gut Haus Esselt, seine Werke sind bekannt, und das nach ihm benannte Museum in Drevenack wird gerade umgebaut. Ein anderer Pankok, nämlich Bernhard, hat auch mit der Region zu tun, ist ebenfalls Künstler und nicht nur als münsterländischer Maler Kennern ein Begriff. Bernhard Pankok hat mit seinem Namensvetter Otto nichts zu tun. "Beide haben sich nie die Hand gegeben", sagt Professor Wilhelm Bornhalm aus Bad Bentheim. Er ist Kunstsammler, bezeichnet Bernhard Pankok als "unterschätzten Künstler" und hebt dessen Qualitäten als Porträt- und Landschaftsmaler sowie Grafiker und Möbeldesigner hervor. Wilhelm Bornhalm war gestern in Hamminkeln und überreichte zusammen mit seiner Frau Metta das Bildnis "Der Amtsdiener von Dingden" als Schenkung an Bürgermeister Bernd Romanski.

Dahinter steckt eine Geschichte mit viel Lokalkolorit. Bernhard Pankok malte Anton Hitpaß im Jahr 1894. Der Titel "Amtsdiener" ist die originale Bezeichnung des Künstlers nach der handschriftlichen Liste seiner Werke. Hier ist es unter Nummer 15 aufgeführt, die in Knallrot auf der Rückseite des Gemäldes zu finden ist. In einer anderen Liste steht der Titel "Der Gemeindediener". Wie dem auch sei: Der Mann mit dem zurückhaltenden Gesichtsausdruck und altersmüden Blick gehörte zur Verwaltung des alten Dingden, trägt seine Amtsjacke mit rotem Kragen und goldfarbenen Knöpfen. Es handelt sich nur um ein Porträt von etlichen, die Bernhard Pankok aus dem Dorf hinterlassen hat. Er hat Mitglieder der Familie Hülsmann porträtiert und den Lehrer Franz Keune, der in einer feinen Radierung von 1893 im Werkverzeichnis auftaucht.

Grund für häufige Besuche des Künstlers in Dingden seien seine dortigen Bekannten gewesen, erzählt Professor Bornhalm. Von August bis Dezember 1894 war er beispielsweise mehrere Monate in Dingden, eine Zeit, die er sehr produktiv verbracht hat. "Ich habe das Bild irgendwann in einer Auktion ersteigert, weil mir der charakteristische Kopf so gefiel", sagt Professor Bornhalm. Wann und wo, das geben seine Unterlagen nicht her. Er erzählt, dass er das Bild der Stadt schenke, weil er und seine Frau in eine kleinere Wohnung gezogen seien und man sich von einigen Werken trenne. Der Bezug zum Ort des Entstehens sei ihm wichtig.

Romanski möchte das restaurierte, mit einem Firnis überzogene Bild auch dort zeigen, wo es Sinn macht. Im Keller des Seniorenheims St. Josef etwa steht die erhalten gebliebene Bestuhlung des alten Dingdener Ratssaals, an diesen Ort passe das Porträt des "Amtsdieners". "Schon weil er den bekannten skeptischen Blick der Dingdener auf Hamminkeln zeigt", meinte er schmunzelnd. Auch im Heimatmuseum könnte es gezeigt werden, etwa in einer Ausstellung mit Werken aus Professor Bornhalms Bestand. Ebenfalls an die Stadt ging Literatur über den künstlerischen Gast Dingdens. Unter anderem hat Kunstgeschichtlerin Gudrun Wessing über den am 16. Mai 1872 in Münster und am 5. April 1943 in Baierbrunn (Bayern) gestorbenen Künstler geschrieben.

(RP)