Enkelin missbraucht: Zweieinhalb Jahre Haft für 59-Jährigen

In Wesel verurteilt : Enkelin missbraucht: Zweieinhalb Jahre Haft

Ein 59-Jähriger verging sich unter anderem auf der Grav-Insel mehrfach an einem damals erst achtjährigen Mädchen.

„Sie sind einfach zu weit gegangen“, begründete die Richtern am Dienstag am Weseler Amtsgericht ihr Urteil gegen einen 59-jährigen Duisburger, der wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt wurde. Der Maschinenführer hatte eingeräumt, seine damals achtjährige Enkelin missbraucht zu haben. Einen Fall wertete das Schöffengericht als sexuellen Missbrauch, zwei weitere als schweren sexuellen Missbrauch einer Schützbefohlenen. Die ersten beiden Taten ereigneten sich in den Sommerferien 2016 auf dem Campingplatz der Grav-Insel. Zu dem dritten Missbrauch kam es wenige Tage später in Dinslaken in der Wohnung des Mädchens.

Mitangeklagt war darüber hinaus, dass der 59-Jährige in den 80er und 90er Jahren auch seine Tochter in Duisburg und eine Nichte in Hadamar sexuell missbraucht haben soll. Diese Taten räumte der Beschuldigte zwar nicht ein, bestritt sie aber auch nicht ausdrücklich, sagte dazu nur: „Ich weiß es nicht, kann mich da nicht mehr dran erinnern, also auch nichts dazu sagen.“ Das Verfahren bezüglich dieser beiden Vorwürfe wurde in Hinblick auf die zu erwartende Bestrafung wegen der verbliebenen Anklagepunkte eingestellt.

Sämtliche Gerichtsbeteiligten rechneten es dem Angeklagten positiv an, dass er durch sein Geständnis dem Mädchen die Aussage vor Gericht erspart habe. Vor allem sein Verteidiger versuchte mehrfach zu verdeutlichen, dass der nicht vorbestrafte Duisburger letztlich durch die Folgen der Anzeige gegen ihn schon extrem betraft sei: Seine gesamte Familie wendete sich von ihm ab, seine Frau reichte die Scheidung ein, er verlor seine Freunde und auch auf seiner Arbeitsstelle war er „unten durch“, nachdem dort ein Kollege von der Vorwürfen berichtet hatte. Alles erschien dem Duisburger im vergangenen Jahr so sinnlos, dass er versuchte, sich auf der Grav-Insel das Leben zu nehmen, doch offenbar im letzten Moment gerettet wurde.

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Glücklicherweise hat das junge Opfer die Tat wohl einigermaßen verarbeitet, wie auch ihre Mutter im Zeugenstand berichtete. In dem Jahr zwischen der Tat und der Schilderung der Geschehnisse durch das Kind war das Mädchen jedoch ungewöhnlich oft wütend und aggressiv, so dass die Mutter nachfragte und letztlich der Missbrauch aufgedeckt wurde. Sie habe ihren Opa immer geliebt, selbst nach der Tat noch, erklärte die Mutter des Opfers. „Sie haben das Vertrauen des Kindes und ihrer ganzen Familie missbraucht“, sagte der Staatsanwalt. „Für Täter wird die JVA zur Hölle, wenn nur ein Häftling davon erfährt, dass sie wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurden.“

(jok)
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