Engpässe in Wesel: Kinderklinik streicht ambulante Termine

Fall in Wesel : Kinderklinik am Marienhospital streicht ambulante Termine

Sascha Kempe aus Duisburg ist ratlos: Vor einem halben Jahr hat die Familie einen Termin für die zweijährige Tochter in der Kinderklinik des Marien-Hospitals ausgemacht. Sie leidet seit einem Jahr unter hartnäckigem Reizhusten. Nun erhielt die Familien eine Absage – ersatzlos.

Der ambulante Termin war ursprünglich für den 7. Februar geplant. Die Zweijährige aus Duisburg-Walsum wurde extra vom Kinderarzt nach Wesel zur Untersuchung überwiesen. Mit personellen Engpässen begründet das Haus die Streichung der lange geplanten Untersuchung. Ambulante Termine müssten derzeit nach Dringlichkeit bewertet und ein Teil davon abgesagt werden.

Auf Nachfrage erklärt das Marien-Hospital die Situation so: „In der Kinderklinik hat die Versorgung der stationären Patienten absoluten Vorrang. Aufgrund personeller Engpässe wurde von der Klinikleitung entschieden, ambulante Termine zur pneumologischen Behandlung nach medizinischer Priorität zu bewerten und ggf. abzusagen, ohne einen Alternativtermin zu benennen. So geschah es auch in diesem Fall. Die Klinik bedauert das, sieht aber leider keine andere Möglichkeit.“

Sascha Kempe berichtet, die Absage sei ihm gegenüber mit dem Weggang der Chefärztin Professor Dr. Monika Gappa im Sommer begründet worden. Das Krankenhaus betont jedoch, mit dem Wechsel habe das Vorgehen nichts zu tun.

Nur die Chefärztin besitze die Ermächtigung der Kassenärztlichen Vereinigung, pneumologische Untersuchungen ambulant durchzuführen. Obwohl es einen weiteren Arzt mit kinderpneumologischer Zusatzqualifikation im Marien-Hospital gebe, dürfe die Chefärztin diese Leistung nicht an den Kollegen delegieren, teilt die Klinik mit. Die stationäre Behandlung im Krankenhaus sei jedoch weiterhin sichergestellt. Jedem Kinderarzt steht es frei, einen Patienten zur Behandlung einzuweisen, heißt es.

Für Sascha Kempe ist die Absage dennoch unverständlich – für eine Verschiebung der Untersuchung aufgrund der Engpässe hätte er nach eigener Aussage Verständnis gehabt. „Man hätte doch versuchen können, einen Ersatztermin auszumachen“, meint der Familienvater, der selbst in der Krankenpflege tätig ist, enttäuscht. Nun muss die Familie schauen, wo und vor allem wann sie mit Hilfe der Krankenkasse den lange geplanten Untersuchungstermin für die Zweijährige erhalten kann.

(rme)
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