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Wesel: Eltern kämpfen für Platz in der Gesamtschule

Wesel : Eltern kämpfen für Platz in der Gesamtschule

23 Viertklässler haben von der Lauerhaas-Gesamtschule eine Absage erhalten. Einer davon ist Jona Oliver (10), der unter einer Lese-Rechtschreib-Schwäche leidet. An der Realschule wäre er nicht willkommen.

Genau 220 neue Fünftklässler wird die mittlerweile achtzügige Gesamtschule am Lauerhaas Anfang des neuen Schuljahres in ihrer Dependance in der Weseler Innenstadt begrüßen. Jona Oliver Jonigk (10) wird nicht dazu gehören. Er ist einer von 23 Mädchen und Jungen, die an der Gesamtschule in Obrighoven angemeldet wurden und eine Absage erhalten haben.

Doch Jona Olivers Eltern Anke und Oliver Jonigk wollen für ihren Sohn - verständlicherweise - die beste Schulausbildung. Und die gibt es - aus ihrer Sicht - nur an der Gesamtschule. "Unser Sohn hat eine Lese-Rechtschreib-Schwäche und wird nicht nur auf der Konrad-Duden-Grundschule entsprechend gefördert, sondern auch außerhalb des Unterrichts", sagt Anke Jonigk.

Dass der Junge wirklich nur einen Steinwurf von der Gesamtschule entfernt wohnt, seine Schwester (13) dort zur Schule geht und dort auch fast alle seiner Grundschulfreunde angenommen wurden, spielt für die Eltern natürlich auch eine Rolle.

Zwar haben die Jonigks ihren Sohn nach der Absage der Gesamtschule auch an der Duden-Realschule in der Feldmark angemeldet, weil die Weseler Hauptschule bekanntlich geschlossen wird und keine Schüler mehr aufnimmt. Doch gebe es auch in der Realschule nicht die nötige Förderung, sagt Anke Jonigk.

"Die Sekretärin hat uns dort zwar freundlich behandelt, aber gleichzeitig auch klar gemacht, dass die Realschule nun offenbar das Auffangbecken für die Hauptschüler sei." Ihr Sohn hat eine Hauptschul- sowie eine eingeschränkte Realschul-Empfehlung. Eine Antwort der Schule steht noch aus.

Die Gesamtschule Hamminkeln, die dringend noch Schüler benötigt und kürzlich während einer Infoveranstaltung der Stadt Wesel für ihr Konzept bei den Eltern der 23 abgelehnten Kindern geworben hatte, ist für die Jonigks keine echte Alternative. "Am Gesamtschul-Standort Dingden gibt es die nötige Förderung ebenfalls nicht", sagt Oliver Jonigk.

Zudem müsste der Junge morgens für kurz nach 7 Uhr zum Bahnhof gebracht werden, damit er den Bocholter bis Dingden nehmen könne. Vom Bahnhof Dingden bis zur Schule sind es noch 15 Gehminuten. Ein Bus von Wesel direkt zur Schule würde um 6.15 Uhr am Weseler Bahnhof starten und 55 Minuten später das Ziel erreichen. "Dann gibt es dort aber noch keine Betreuung", sagt Anke Jonigk, die eine "große Verfehlungen der Schulpolitik" sieht und das Auswahlverfahren der Weseler Gesamtschule beklagt.

Wie aber sieht die Schulverwaltung den Fall? Dezernent Rainer Benin will sich aus datenschutzrechtlichen Gründen zu dem konkreten Fall nicht äußern. "Generell wollen wir aber mit Hilfe des 2017 von der Politik verabschiedeten Schulraumentwicklungsplans dafür sorgen, dass künftig alle Weseler Kinder auch in Wesel beschult werden können."

Wesels Gesamtschule-Direktor Dirk Timmermann kann die Aufregung der Eltern nicht ganz nachvollziehen. "Wir hatten schon immer das Problem, dass wir als Gesamtschule Viertklässler abweisen mussten." Den Vorwurf, nach einem ungerechten Verfahren Schüler auszuwählen, widerspricht er massiv. "Es gibt ganz klare Kriterien, die von der Bezirksregierung vorgegeben werden und die auf der Homepage unserer Schule nachzulesen sind." Offensichtlich, so Timmermann, müsse in Wesel die Frage diskutiert werden, ob die Gesamtschule über genügend Plätze für alle interessierten Kinder verfügt.

(RP)