Schermbeck: Elfmal Gemeindemeister im Kegeln

Schermbeck: Elfmal Gemeindemeister im Kegeln

Der Schermbecker Kegelclub "Klatsch weg 52" besteht seit 65 Jahren. Gründungsväter waren Jugendliche aus der Schetterstraße, die nicht nur gemeinsam Fußball spielen wollten.

Als einer der ältesten Schermbecker Kegelclubs feierte der Kegelclub "Klatsch weg 52" in der Weihnachtswoche auf der Kegelbahn der Gaststätte Overkämping sein 65-jähriges Bestehen. Bei Overkämping kegelt der Club seit Oktober 2006. Gründungsväter waren Jugendliche aus der Schetterstraße. Sie spielten 1951 und 1952 am Karnevalssonntag gemeinsam Fußball gegen den SV Schermbeck. Wer begeistert die Füße trimmt, der darf die Hände nicht vernachlässigen. Als zu Karneval 1952 der Saal Köllmann eröffnet wurde und im Mai die Kegelbahn fertig wurde, konnte die Idee zum gemeinsamen Kegeln in die Tat umgesetzt werden. Allein im Kegelnamen spürt man den jugendlichen Schwung, mit dem die Schettersträßler bei Köllmann ans Werk gingen.

Eine vollautomatische Kegelbahn war lange nicht in Sicht. Auf Köllmanns Kegelbahn war Handarbeit gefragt. Meist kam ein jüngerer Bruder eines Keglers mit, um sich ein paar Mark zu verdienen. Einer der ersten Kegeljungen war Josef Kruse, der während des vierstündigen Kegelns mächtig ins Schwitzen geriet, wenn weit über 1000 Kegel aufgestellt werden mussten und anschließend flink in die Schutzecke geflüchtet werden musste, um sich vor der heranrollenden Kugel und den auseinanderfliegenden Kegeln in Sicherheit zu bringen.

Da der Club sich allein aus der Schetterstraße nicht mehr auffrischen konnte, kamen bereits ab 1953 auch Männer aus allen übrigen Gemeindegebieten hinzu. Dem Club gehören derzeit neun Mitglieder an: Ernst Dahlhaus (1954), Martin Schürmann (1959), Erich Stenbrock (1959), Heinz Verwaayen (1961, passives Mitglied, wohnt in Ahaus), Josef Becker (1962), Klemens Nappenfeld (1968), Norbert Berg (1970), Hugo Grewing (2002) und Ludger Paus (2007).

Seit 1975 findet alljährlich eine Hauptversammlung statt, in deren Verlauf Ehrungen erfolgen, die Jahreskönige ausgezeichnet werden und der "Jahresdoofe" ins Protokollbuch eingetragen wird. Bis 1984 war Otto Hennewig Präsident. Seither werden - um ein Jahr zeitlich versetzt - Präsident und Vizepräsident jeweils für zwei Jahre gewählt. Amtierender Chef ist Paus.

Es wird berichtet, wie Anfang der 1960er-Jahre die Keglerschar mit List erreichte, doch noch gezapftes Bier bei Köllmann trinken zu können, nachdem man wegen einer Feier im Saal am Kegelabend eigentlich nur Flaschenbier bekommen sollte. Ein paar Kegler stiegen durchs Fenster, holten aus der Gefrieranlage in Grüters Anbau das 30-Liter-Fass, welches eigentlich fürs Heidefest bestimmt war, besorgten sich bei Nappenfeld am "Dom" noch einen Zapfhahn und kehrten auf Schleichwegen an die Bahn zurück: Der Abend war gerettet.

Höhepunkte waren die Ausflüge. Im 17. Jahr seiner Clubzugehörigkeit hätte bei der Segeltour auf dem Ijsselmeer für Erich Stenbrock beinahe das letzte Stündchen geschlagen. Die Tour des Jahres 1981 ging als Leichtsinns-Fahrt in die Annalen ein. Bei Windstärke 8 schipperten die Schermbecker mit ihrem gemieteten Segelschiff "The great escape" auf dem Weg von Amsterdam nach Ramsgate 24 Stunden lang über den Ärmelkanal. Die Jubiläumstour anlässlich der 40-Jahr-Feier 1992 führte eine Woche lang in die Schweiz.

Seit 1979 beteiligte sich "Klatsch Weg 52" regelmäßig an den Gemeindemeisterschaften im Kegeln. Erfolgreichster Einzelkegler war Ernst Dahlhaus, der 1979 mit 108 Holz erster Gemeindemeister im Herren-Einzel und 1994 und 1997 erneut Meister wurde. Josef Becker siegte 1991, Martin Schürmann 1993. Im Jahre 2007 wurde der Club zum elften Male Gemeindemeister.

Besondere Feste standen an, als Verwaayen 1970 mit Ludgera Kraß die Kilianer regierte und Norbert Berg 13 Jahre später mit Ingrid Heidl seinem Beispiel folgte. Es fehlte aber auch nicht an traurigen Anlässen. Dazu gehörten die Begleitung der Kegelbrüder Otto Hennewig, Ferdi Pliete, Antonius Niermann, Otto Bartelt, Franz Dahlhaus, Walter Passmann und Rudi Bietenbeck auf ihrem Weg zur ewigen Ruhestätte. Jährlich werden die Frauen und Passiven zur Fahrradtour im Mai und zum Pfannkuchenessen eingeladen. Zur Jubiläumstour nach Belgien fuhren die Herren im Juli wieder allein. Das galt auch für Lissabon (2008), Rom (2012), Wien (2014) und Goslar (2016).

(hes)