1. NRW
  2. Städte
  3. Wesel

Schermbeck: Eintauchen in das 19. Jahrhundert

Schermbeck : Eintauchen in das 19. Jahrhundert

Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr lockt am Samstag wieder die "Schöne alte Weihnachtszeit"

Früher war alles besser — diesen Spruch hört man nicht selten. Und auch wenn das sicherlich nicht in jeder Hinsicht stimmt, so stellt Wolfgang Lensing, von der Werbegemeinschaft Schermbeck doch fest: "Es war weniger hektisch." Und das ist gerade in Zeiten von vorweihnachtlichem Geschenke-Stress ein echter Pluspunkt.

Mit einer etwas anderen "weihnachtlichen Großveranstaltung" wird deshalb am Samstag in Schermbeck auf Entschleunigung gesetzt. Unter dem Titel "Schöne alte Weihnachtszeit" taucht die Mittelstraße ins 19. Jahrhundert ein. Der Ortskern wird sich dann stilistisch irgendwo zwischen Biedermeier, Industrialisierung und Gründerzeit präsentieren, wie Lensing beschreibt.

Erste Vorläufer kann man schon erkennen: Mit Strohsternen geschmückte Tannenbäume sorgen bereits für weihnachtliches Flair. Am Samstag werden zudem Fackeln und Feuertöpfe für Atmosphäre sorgen. Plastikbänke als Sitzgelegenheiten wird man dann genauso vergeblich suchen — und wohl auch nicht vermissen — wie Plastikmülltonnen. Während letztere durch Jutebeutel ersetzt werden, werden Strohballen als naturnahe Sitzgelegenheit dienen. Auch Autos sind am Samstag auf der Mittelstraße tabu, dafür fährt eine Kutsche als "historischer Shuttleservice".

Im Mittelpunkt steht aber ganz klar das damalige Leben auf dem Land. Alte Gerätschaften locken dann genauso wie alte Techniken. Körbe flechten, häkeln, klöppeln — all das und noch mehr wird hier gezeigt. Auch dass Waschen damals richtig schwere körperliche Arbeit war, wird erlebbar. Kartoffelsuppe aus der Armenküche und Plätzchen aus dem holzbefeuerten Ofen sind zwei geschmackliche Highlights, die die Besucher erwarten. "Weihnachten erlebbar machen", nennt Wolfgang Lensing das Motto, das die Veranstalter (Werbegemeinschaft, Gagu-Zwergenhilfe und Sponsoren) verfolgen.

Und das wird am Samstag von 12 bis 19 Uhr möglich sein. Auch die Geschäfte haben bis zum Abend auf und bieten Gelegenheit, das eine oder andere Geschenk in dieser sicherlich inspirierenden Atmosphäre zu besorgen, die nicht zuletzt durch die Vorführungen der Darsteller entsteht, die zwischen den Ständen und Geschäften das 19. Jahrhundert aufleben lassen.

Im vergangenen Jahr sei es ein Versuch gewesen, da sich der Weihnachtsmarkt totgelaufen hatte, beschreibt Lensing die Premiere im Jahr 2012. Man wollte "mal was anderes machen und sei das Risiko eingegangen", blickt er zurück. Dieses Risiko hat sich gelohnt. Was im vergangenen Jahr vor der Premiere von vielen noch skeptisch beäugt wurde, war ein voller Erfolg — und dem wollen sich in diesem Jahr noch mehr Teilnehmer anschließen. "Da sind wir stolz drauf. Viele, die letztes Jahr noch beobachtend daneben standen, waren in diesem Jahr sofort bereit", beschreibt Lensing. Und so wird das Angebot in am Samstag noch ein Stück vielfältiger werden.

Wer noch mitmachen will, kann sich spontan auf die weihnachtliche Zeitreise begeben. Ein Gewand im Stil des 19. Jahrhunderts ließe sich schließlich auch aus einer Uniformjacke und Omas Schal zaubern.

(RP)