Wesel/Hamminkeln: Eine Zukunft, zwei Wege

Wesel/Hamminkeln : Eine Zukunft, zwei Wege

Leitbilder sind das große Thema für Wesel und Hamminkeln. Beide Städte wollen die Zukunft mit Konzepten angehen und daran die Bürger mitwirken lassen. Die Herangehensweise ist unterschiedlich. Die Resonanz auch.

Wesel

Anfang September war Start für die Vision 2030 (v.l.): Projekt-Managerin Marina Krusdick, Kämmerer Robert Graaf und Bürgermeister Holger Schlierf. Foto: Archiv

Die Arbeit am Stadtentwicklungskonzept Wesel 2022 bleibt eine schwere Geburt. Zumindest, was die ausdrücklich gewünschte Bürgerbeteiligung angeht. Zur Vorstellung auf der Bürgerversammlung Ende August waren gerade mal 17 Teilnehmer in den Ratssaal gekommen, darunter etliche, die ohnehin politisch mit dem Thema befasst sind. Noch immer ist die Resonanz mau. Erster Beigeordneter Dirk Haarmann und Fachbereichsleiter Michael Klessa konnten gestern nicht mit Zahlen aufwarten. "Aber wir wollen es nicht abstreiten: Die Bürger rennen uns nicht die Bude ein", sagte Dirk Haarmann.

Zurzeit, so Haarmann weiter, würden die Stellungnahmen gesammelt und die Vorlage vorbereitet. Für die gemeinsame Sondersitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, des Wirtschaftsförderungs- und des Sozialauschusses am 30. Oktober. Der Rat soll das Konzept am 11. Dezember verabschieden. Bürger bleiben, auch über diesen Termin hinaus, aufgefordert, sich mit Anregungen zu beteiligen.

Aber werden sie das auch in angemessener Anzahl tun? Die Thematik ist, laut Verwaltung, "bewusst" auf Stadtentwicklung und Wirtschaft beschränkt. Und zwar relativ abstrakt. Dass man mit konkreteren, verschiedene Gruppen, Altersklassen oder Stadtteile ansprechenden Dingen sehr viel mehr Menschen zu unmittelbaren Aussagen animieren kann, das hat die RP-Aktion "Wesel 2022" bewiesen. Direkte Ansprache zahlte sich aus. Doch so offen und breit aufgestellt wollte die Stadt die Zukunft "bewusst" nicht angehen. "Bewusst", so Haarmann weiter, hat man auch keinen Kanal über die Internet-Plattform Facebook geöffnet. Das brauche ein Gesamtkonzept mit Bewertung aller Vor- und Nachteile.

Infos und Kontakte gibt es auf der Seite www.wesel.de und unter der Rufnummer 0281 203 2547

Hamminkeln

Als die Verwaltung Anfang September aufbrach in die "Zukunft der jungen Stadt", vermochte niemand recht einzuschätzen, ob die Bürger sich mitnehmen lassen beim Leitbild-Entwurf 2030.

un nach Ende der offiziellen Bürgerbeteiligung steht ein Ergebnis fest: Die Hamminkelner haben alle Erwartungen übertroffen. Es sei hilfreich gewesen, mit Vorschlägen auf Fragebögen Orientierung gegeben zu haben.

Marina Krusdick (26), Projektmanagerin im Rathaus, ist bei der repräsentativen Umfrage — hier wurden 2369 Bögen verschickt — von einer Rücklaufquote von zehn Prozent ausgegangen. Tatsächlich liegt sie bei 26,7 Prozent. Die gute Resonanz gelte durchgängig für alle Ortsteile, Geschlechter und Altersgruppen.

Auch ausgefüllte 730 Bögen zu Entwicklungsschwerpunkten bei der offenen Umfrage seien höchst erfreulich, so Krusdick. Neue Kommunikationswege hätten zum Erfolg beigetragen, auch wenn die spezielle Facebook-Seite weniger als Diskussionsplattform, mehr als Info-Forum genutzt worden sei. Dagegen sei der Link auf der Homepage der Stadt ein Klick-Magnet gewesen. 405 Fragebögen fanden über www.hamminkeln.de den Weg ins Rathaus. Dazu kommen E-Mails, Anrufe und Besuche von Bürgern, die die Einladung zur Beteiligung dankbar angenommen haben. Betriebswirtin Krusdick, die sich mit Statistik auskennt, will Ende Oktober Ergebnisse vorlegen.

Erste Erkenntnis: "Schuldenabbau steht hoch in der Priorität", so Krusdick. "Das haben wir so nicht erwartet." Sonst gelte: Die Hamminkelner fühlen sich wohl in den Dörfern. Baustellen variieren je nach Ortsteil. Stichworte: Betuwe in Mehrhoog, Lidl und Drogeriemarkt in Hamminkeln oder den Kirmesplatz in Dingden. Das Projekt 2030 mache richtig Spaß, so Marina Krusdick. Auch sie hat eine Vision: "Ich hoffe, dass die Politik viele Wünsche aufgreift."

(RP/rl/jul)