Wesel: Einblicke ins neue Niederrheinmuseum

Wesel: Einblicke ins neue Niederrheinmuseum

Im Körnermagazin der Zitadelle herrscht Hochbetrieb. In gut zwei Wochen geht das ehemalige Preußen-Museum runderneuert als Hort der Landeskunde und Regionalgeschichte an den Start. Jetzt gab es erste Exponate zu sehen.

Nach zweieinhalb Jahren Stillstand für die Öffentlichkeit und viel Arbeit im Hintergrund steht das neue Niederrheinmuseum kurz vor der Feuertaufe. Direktor Veit Veltzke und seine Mitarbeiter, die schon den Vorgänger Preußen-Museum in der Weseler Zitadelle aufgebaut und betrieben haben, arbeiten mit Hochdruck am letzten Schliff. Fast 100 der später rund 350 Exponate für die erste Ausstellung sind schon da. Milena Karabaic, Kultur-Dezernentin des neuen Museumsträgers Landschaftsverband Rheinland (LVR), präsentierte mit Veltzke gestern einige ausgewählte Stücke, die idealtypisch für mehrere Epochen sowie die neue Ausrichtung des Hauses stehen.

War vor Kurzem das Großpanorama voller Marktszenen aus Wesels spätmittelalterlicher Blüte zu sehen, so ging es gestern in die Details. Sie sollen Geschichten erzählen über die Kunst, den Glauben, den Handel und nicht zuletzt den Austausch zwischen den Menschen vom Niederrhein, aus den Niederlanden, Flandern, Brabant ... Die grenzüberschreitende Konzeption ist ein Anker. Schon jetzt wird das neue Haus auch in den Niederlanden beworben. Der Ausstellungstitel "Wesel und die Niederrheinlande. Schätze, die Geschichte(n) erzählen" spricht Bände.

Zu besagten besonderen Exponaten gehört eine Madonna aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Sie ist aus Baumberger Sandstein gehauen, für den Wesel der Hauptumschlagplatz war. Die Stadt verdiente damit enorm viel Geld. Künstler Heinrich Blanckebiel, der auch die spätgotische Weseler Rathausfassade bebilderte, schuf die Skulptur. Sie könnte jener Madonna aus seiner Hand nahe kommen, die einst zum ersten Figurenprogramm des Rathauses gehört hatte. Die "neue" Muttergottes mit Kind kommt aus dem Museum Burg Altena.

Eine starke Faszination geht auch vom Kreuzigungsrelief mit Zisterzienserinnen aus Kloster Graefenthal aus, das rund 100 Jahre später, um 1530, ebenfalls aus Baumberger Sandstein gefertigt wurde. An diesem Werk aus St. Vincentius Asperden lässt sich gleichfalls viel erzählen. Über die Frauenfrömmigkeit zum Beispiel. Die Äbtissin ist mit ihrem ganzen Convent links zu Füßen Jesu erschienen. In der Mitte umklammert Maria Magdalena in leidenschaftlicher Trauer das Kreuz, während rechts alttestamentarische Szenen dargestellt sind. Porträts der Familie van de Wall/von Weiler aus dem 17. und 18. Jahrhundert und ein Chanukka-Leuchter aus dem Besitz des letzen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Kleve, David Weyl (1873-1945), schlagen Brücken in die jüngere Vergangenheit.

Dezernentin Karabaic ist vom Potenzial des Hauses überzeugt. Es werde das Ensemble der bislang 19 LVR-Museen inhaltlich und qualitativ sehr bereichern.

(fws)