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Wesel: Ein Liebesschloss am Rhein

Wesel : Ein Liebesschloss am Rhein

Liebeserklärungen für die Ewigkeit: Am Plateau der alten Weseler Eisenbahnbrücke befinden sich immer mehr Liebesschlösser. Das LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte erklärt, woher der neue Brauch stammt.

"Ich schließe unser Schloss am Brückengitter an und es ist doch nicht allein. Gemeinsam werfen wir den Schlüssel in den Rhein hinein", so lautet eine Passage des Songs "Schenk mir dein Herz" von der Kölschen Kultband die "Höhner".

Zwar waren mehrere 100 Liebesschlösser auf der Kölner Hohenzollernbrücke ausschlaggebend für den Song, er trifft aber auch ein Stück weiter, rheinabwärts bei uns in Wesel genau in's Schwarze.

Am Plateau der alten Eisenbahnbrücke haben sich verliebte Paare auf diese ganz besondere Weise ihre ewige Treue geschworen: in Form eines Liebesschlosses. Der Brauch besagt, dass zwei Liebende ein Schloss mit ihrem Namen versehen und an einen schmiedeeisernern Zaun oder ein Geländer auf einer Brücke befestigen.

Anschließend werfen sie den dazugehörigen Schlüssel gemeinsam in das Gewässer — ein Schwur für die (zumindest geplante) ewige Liebe. Anstatt also die Initialen samt Herz in einen Baum zu ritzen, wird hier der Wunsch nach Beständigkeit und Dauer durch das für immer verschlossene Schloss symbolisiert.

Aus Italien importiert

Woher der Brauch genau kommt, lässt sich dabei nicht eindeutig klären. Vielleicht, so ergeben die Rechercheergebnisse des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte, stammt der Brauch aus Italien. Hier sind die "amorchetti" vor allem aus Rom bekannt, wo sie an Laternen und Geländern die Milvische Brücke über dem Tiber zieren.

Dabei gibt es auch andere Ausprägungen dieses Brauchs: In Florenz zum Beispiel feiern junge Rekruten ihre wieder gewonnene Freiheit durch das Anbringen der Vorhängeschlösser ihrer Spinde an Brückengeländern. Mittlerweile symbolisieren auch Freunde und Familie so ihre unvergängliche Verbundenheit. Wann genau dieser Brauch seinen Ursprung hatte lässt sich nicht genau belegen. In Rom, so Dagmar Hänel vom LVR- Institut, tauchten sie nicht vor den 90er Jahren auf. Liebesschlösser tauchen an verschiedenen Orten, in Australien oder in China, auf, weiß Hänel.

In Wesel steckt die Idee der Liebesbeweise noch in den Kinderschuhen: 20 Schlösser zieren hier das Gitter der ehemaligen Eisenbahnbrücke, genug Platz also, für weitereSchwüre vor der malerischen Rhein-Kulisse. Der Grad der Anonymität ist übrigens unterschiedlich ausgepärgt. Teils finden sich nur die Initialen, (M+M), teils ganze Vornamen.

Anja und Roger haben ihr Schloss mit einem roten Herzen versehen. Steffi und Carsten haben ein Datum hinzugefügt. Ob sie sich am 17. Januar 2010 füreinander oder für das Aufhängen des Schlosses entschieden haben, bleibt ihr Geheimnis.

An manch einem Schloss nagt übrigens schon der Zahn der Zeit. So zeigt das Erste, dessen Datum leider nicht mehr zu erkennen ist, leichte Ansätze von Rost. Bis der Rost uns scheidet? Hoffentlich nicht, denn wie heißt es schließlich so schön: (Alte) Liebe rostet nicht.

(RP)