Ehrenamtliche Beerdigungsseelsorger werden in Wesel gut nachgefragt

Erstes Fazit ist positiv : Gut nachgefragt: Beerdigen im Ehrenamt

Laien entlasten seit einem Jahr Priester der Nikolaus-Gemeinde im Begräbnisdienst. Wilhelm Heidenmann zieht Bilanz.

Wilhelm Heidemann hat vor seiner ersten Beerdigung ganz wenig geschlafen. Schaffe ich das? Kann ich sprechen? Geht mir das zu nahe? Was mache ich, wenn mir mein Manuskript runterfällt? Fragen wie diese haben ihn nicht lange gequält. Bei seiner zweiten Beisetzung waren sie weg. Wilhelm Heidemann (69) ist einer von zwei Laien, die in der Katholischen Kirchengemeinde St. Nikolaus Wesel vor einem Jahr Neuland betraten. Simone Jenkner und er entlasten die Priester als ehrenamtliche Beerdigungsseelsorger. Die erste Bilanz fällt überaus positiv aus. Die Begräbnisdienste der beiden Pioniere werden gut nachgefragt. Jeweils gut 20 Beisetzungen haben sie geleitet.

Das hilft dem Team der Profis um den Leitenden Pfarrer Stefan Sühling enorm. Bei sechs bis zehn Stunden, die Heidemann pro Todesfall aufwendet, kann man sich leicht ausrechnen, in welcher Größenordnung die Pastöre enlastet werden. Für fünf Jahre haben sich Simone Jenkner und Wilhelm Heidemann bei der Beauftragung durch den Bischof verpflichtet. Dann wird man weitersehen. Heidemann wirbt schon jetzt für den Dienst, wünscht sich Nachahmer. Für den Kreis Kleve weiß er, dass zwei bis drei Ehrenamtler zu erwarten sind, für den Kreis Wesel von keinem.

Dass auch Laien, die sich in der Gemeinde engagieren möchten, den Begräbnisdienst verrichten dürfen, ist kaum bekannt. „Es ist kein Sakrament, sondern gehört zu den sieben Werken der Barmherzigkeit“, sagt Heidemann. Wird von den Hinterbliebenen keine Eucharistiefeier gewünscht, ist kein Priester nötig. Das Trauergespräch mit den Angehörigen – im Wesentlichen ein Zuhören, Trostspenden und Erforschen von Merkmalen und nicht zuletzt „Spuren Gottes im Leben des Verstorbenen“ – kann auch ein ehrenamtlicher Beerdigungsseelsorger führen, ebenso die Ansprache bei der Beisetzung halten. Diese vorzubereiten und den richtigen Ton zu finden, ist wohl das Wichtigste.

Bislang scheint Wilhelm Heidemann das stets gelungen zu sein. Vor Beerdigungen schläft er heute zwar deutlich besser als anfangs, gleichwohl räumt er ein, angespannt zu sein. Nicht beklommen, aber eben konzentriert auf die Sache. Dabei gibt er sich Mühe, nicht zu lang in die Gesichter Weinender zu schauen. Und er ist auch froh darüber, dass er bisher noch kein Kind beerdigen musste. Die meisten Toten Heidemanns gehören zur Generation 80+.

Was ihn angetrieben hat, das etwas andere Ehrenamt übernehmen zu wollen, war wohl seine generell soziale Ader. Zuletzt war der gebürtige Dinslakener Wilhelm Heidemann, der seit mehr als 40 Jahren in Wesel lebt, Lehrer am Berufskolleg in Bocholt. Da hat er Erzieher ausgebildet. Außerdem: Coach und Berater in der Jugend- und Behindertenhilfe, Leiter des Evangelischen Kinderheims Wesel (heute im Kuratorium), Drogenberatung, Ombudsmann beim Internationalen Bund und – „ganz exotisch“ – Präsident des Gästekreises der Romantik-Hotels. Nach der Pensionierung war Heidemann auch eine Zeit als Notfallseelsorger tätig, aber er suchte schließlich etwas in seiner Kirchengemeinde. Pfarrer Gerd Baumann war es schließlich, der ihn auf den Begräbnisdienst aufmerksam machte.

Und was er stellt er fest nach gut 20 Beerdigungen? Zum Beispiel eine „erstaunliche Kirchenferne“, dass kaum noch jemand das Vaterunser mitsprechen kann. Und, dass jedes Trauergespräch anders ist, er die menschliche Vielfalt an allen Kirchtürmen der Großgemeinde St. Nikolaus erlebt. Die nötige Bodenhaftung bringt er mit. Ein Taschenaspergill, einen Weihwasserspender für unterwegs, hat er immer dabei.