Ehemaliger Wallfahrtsrektor von Kevelaer Richard Schulte Staade ist gestorben

Ehemaliger Wallfahrtsrektor ist gestorben : Trauer um Pfarrer – er holte den Papst

Die Nachricht hat viele auch in Wesel betroffen gemacht: Am Montag ist der frühere Wallfahrtsrektor Richard Schulte Staade gestorben. Er lebte zuletzt in Wesel. Der Geistliche sorgte mit dafür, dass Papst Johannes III. 1987 an den Niederrhein kam.

Wer an Pastor Richard Schulte Staade denkt, der denkt an einen Menschen, der immer die Begegnung suchte. Der Freude am Kontakt und ein offenes Ohr für die Anliegen der Leute hatte. Weihbischof Lohmann würdigte den Verstorbenen: „Richard Schulte Staade war einer meiner Vorgänger im Amt des Wallfahrtsrektors in Kevelaer. Seine Verdienste um die Wallfahrt sind kaum zu ermessen, seine Ideen und Erneuerungen wirken bis heute nach. Ich bin dankbar für die vielen Begegnungen mit ihm.“ Die geistige Kraft des Geistlichen bis ins hohe Alter hat ihn tief beeindruckt. Pastor Schulte Staade war jemand, der immer noch etwas zu sagen hatte, dessen Wort Gewicht hatte. Bis zuletzt war es ihm wichtig, auch am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.  Zuletzt lebte er als emeritierter Pfarrer in Wesel.

Wer an den Festakt zum Wallfahrtsjubiläum in Kevelaer zurückdenkt, dem ist vor allem die Rede von Pastor Schulte Staade in Erinnerung. In seiner unnachahmlichen Art sorgte er dafür, dass es keine steife Ansprache wurde, sondern auch eine mehr als unterhaltsame Rückschau auf ein Ereignis, das ganz eng mit ihm verbunden ist: der Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1987 in Kevelaer.

Richard Schulte Staade mit dem Gewand, das Papst Johannes Paul II. in Kevelaer trug. Foto: Seybert, Gerhard (seyb)

Schulte Staade hatte noch einmal erzählt, wie es ihm, dem Dorfpfarrer, wie er selbst sagte, gelungen war, den Papst nach Kevelaer zu holen. Dass er einfach einen Bekannten bei einer Wallfahrt nach Rom angesprochen und gefragt hatte: „Wie bekommt man den Papst nach Kevelaer?“ Der Freund habe ihm gesagt: „Da musst Du Dir was einfallen lassen.“

Auch dass Mutter Teresa in die Marienstadt kam, hat maßgeblich mit Pastor Schulte Staade zu tun. Foto: Stade, Klaus-Dieter (kds)/Stade,Klaus-Dieter (kds)

Das tat Schulte Staade mit dem geschickten Schachzug, den Marianischen Weltkongress nach Kevelaer zu holen. Dank der Unterstützung von Joseph Kardinal Höffner klappte es dann genau tatsächlich mit dem Besuch.

Pastor Schulte Staade beim Festakt zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Hansgerd Kronenberg. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Schulte Staade erzählte auch noch einmal jene Geschichte, wie er gegen jedes Protokoll beim Besuch des Papstes aktiv wurde. „Eigentlich soll der Bischof zwei Meter hinter dem Papst laufen und der Pastor drei Meter“, berichtete er. Aber der damalige Wallfahrtsrektor fasste den Heiligen Vater an den Arm. Natürlich dürfe man das nicht, so Schulte Staade. „Aber ich habe aus der Not heraus gehandelt. So viele Sängerknaben und Ordensschwestern hatten sich aufgereiht, um ihn zu sehen, da sollte er unbedingt hin. Das Protokoll sah vor, dass er nach rechts geht, um sich ins Goldene Buch der Stadt einzutragen, und ich rief „sinistra, sinistra“ (links, links), erzählte er. „Als der Papst die vielen Farben sah, da lief er schon alleine.“

Zum Wallfahrtsjubiläum hielt er eine viel beachtete Rede. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Noch heute werde gescherzt, dass selbst der Papst in Kevelaer nicht dahin könne, wo er wolle, sondern nur dahin, wohin es der Wallfahrtsrektor zulasse.

Schulte Staade hatte in seiner Rede damals aber auch noch einmal eindrucksvoll deutlich gemacht, was den Wallfahrtsort ausmacht. In der Kerzenkapelle gebe es eine kleine Ecke im Dunkeln, da könne man sitzen, ohne selbst gesehen zu werden. „Und wenn Sie dort sitzen und sehen, wie viele Gläubige mit Tränen in den Augen aus der Kirche gehen, dann wissen Sie, dass es stimmt, was oben über dem Altar steht: Mater dei, memento mei (Mutter Gottes, denke an mich).“

Kevelaer war für ihn ein Ort, der auch auf Menschen, die dem Glauben vielleicht nicht so nahe stehen, eine besondere Wirkung hatten. So hat er davon erzählt, wie ein RAF-Terrorist als Zeichen der Buße seine Waffe auf den Altar gelegt hatte.

Schulte Staade ist auf dem elterlichen Bauernhof in Lüdinghausen aufgewachsen. Der Beruf des Landwirts hat ihn zeitlebens fasziniert, wie er immer wieder bestätigte. Doch der junge Bauer holte sein Abitur nach und zog den priesterlichen Beruf vor. 1963 erhielt er die Priesterweihe. Nach kurzer Zeit als Kaplan wurde er Bezirksvikar für das Bischöfliche Kommissariat Niederrhein in Wesel und wechselte 1971 als Domvikar in das Bischöfliche Generalvikariat, wo er sich den Themen Familien- und Erwachsenenseelsorge widmete.

1974 kam er nach Kevelaer, der Stadt blieb er immer verbunden. Sein Wort war hier geschätzt.

Er war im wahrsten Wortsinneeine prägende Persönlichkeit für die Marienstadt, und daher verstand es auch jeder im Saal, als Bürgermeister Dominik Pichler beim Besuch des Bundespräsidenten zuerst den Ehrenbürger begrüßte und dann erst Frank-Walter Steinmeier. Und als das Bundespräsidialamt im Vorfeld nachfragen ließ, wen Pichler denn als Partner für ein Gespräch mit dem Staatsoberhaupt empfehlen würde, brachte der Bürgermeister sofort Richard Schulte Staade ins Spiel. „Ich wollte unbedingt, dass ihn der Bundespräsident kennenlernt.“ Sonst ist es eher umgekehrt.