Wesel: Durchbruch an der Betuwe

Wesel: Durchbruch an der Betuwe

Bahn-Gipfel in Düsseldorf: Land will die kompletten kommunalen Kosten für die Beseitigung der Bahnübergänge übernehmen. Bahn stellt die Weichen für innovativen Lärmschutz, der Mauern deutlich absenkt.

Nach einer langen Kette ernüchternder, zuletzt ermüdender Erfahrungen im Kampf um einen verträglichen Ausbau der Betuwe-Linie, ist nun ein Durchbruch erzielt. Bahn-Chef Rüdiger Grube und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) haben gestern in der Düsseldorfer Staatskanzlei eine Vereinbarung unterzeichnet, die Anwohnern der Strecke Lärmschutz neuester Art in Aussicht stellt. Dies sei "unverzichtbar".

Grube sagte zu, die Bahn werde das Problem "aktiv angehen". Dabei sollen auch neue, noch nicht im großen Stil erprobte Techniken eingesetzt werden. So könnten so genannte Schienenstegbedämpfer den Bahnlärm um drei Dezibel reduzieren, erläuterte ein Bahnsprecher der RP. Die Lärmschutzwände könnten entsprechend niedriger ausfallen, um dem gesetzlich vorgeschriebenen Geräusch-Wert von 49 Dezibel nachts zu erreichen.

"Ein Riesenschritt"

Bahn, Bund und Land vereinbarten, im nun anlaufenden Planfeststellungverfahren den Lärmschutz an der künftig noch höheren Auslastung der Betuwe auszurichten. Dies bedeute, dass schon vor Inbetriebnahme des dritten Gleises Lärmschutz umgesetzt werde.

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Die Beseitigung der Bahnübergänge an der Linie soll die kommunalen Haushalte nun gar nicht mehr belasten. NRW-Verkehrsminister Lutz Linienkämper (CDU) sagte den Städten Wesel, Hamminkeln, Rees und Emmerich zu, dass das Land ihre Anteile vollständig übernehmen wird – bislang war von 75 Prozent die Rede gewesen. Die Kosten für Brücken oder Tunnel als Ersatz für aufgegebene Bahnübergänge teilen sich normalerweise Bahn, Land und Gemeinde zu gleichen Teilen.

"Das ist ein Riesenschritt", freute sich Hamminkelns Bürgermeister Holger Schlierf in einer ersten Stellungnahme. Er hatte von der RP erfahren, worauf sich der Ministerpräsident Rüttgers, die Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU, Bund), Lutz Lienenkämper (CDU, Land) und Bahn-Chef Grube gestern in der Staatskanzlei verständigt hatten. "Eine tolle Geste des Landes", bezeichnet Schlierf den finanziellen Einsatz, "der aber auch nötig ist, weil's die Kommunen schlichtweg aus eigener Kraft nicht stemmen können", sagte der Sprecher des Arbeitskreises Betuwe, in dem Anrainer-Kommunen und Bürgerinitiativen vertreten sind.

Er habe zuletzt nicht den Eindruck gewonnen, "dass hier was in Bewegung kommt", mit Blick auf die jüngsten Besuche in Berlin und Düsseldorf. Um so erfreulicher sei es nun, "dass die Entscheider verstanden und gehandelt haben".

(RP)
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