Niederrhein: Duisburgs erste Gasthausbrauerei

Niederrhein: Duisburgs erste Gasthausbrauerei

Am Valentinstag des Jahres 1992 eröffnete das "Webster" am Dellplatz in der Duisburger Innenstadt. Die Gastronomen haben einen Treffpunkt in rustikaler Atmosphäre geschaffen.

Ihre Diplomarbeit schrieb Jutta Rosanski über "Gärungsnebenprodukte". Dabei untersuchte sie insbesondere, "was die Hefe so alles anstellt". Es gibt nicht viele Frauen in Deutschland, die sich damit auskennen. Und Jutta Rozanski sagt auch, dass sie eine der ganz wenigen Studentinnen unter lauter Studenten war, die an der Hochschule Weihenstephan, einem Ableger der TU München, Brauwesen und Getränketechnologie studiert haben. Das Studium war eine schöne Zeit für die Duisburgerin. Sie schloss es nicht nur 1987 als Diplomingenieurin ab, sie lernte dort auch ihren späteren Ehemann Marc Weber kennen. Eine bis heute glückliche Verbindung.

Foto: Christoph Reichwein

Bereits gegen Ende ihrer Studien schmiedeten Jutta Rozanski, Marc Weber, der aus Luxemburg stammt, und ihr gemeinsamer Studienfreund Rainer Hörger aus Freiburg (er schied 2008 aus dem Unternehmen aus), Pläne für eine Gasthausbrauerei. Nach ersten beruflichen Erfahrungen am Starnberger See, Duisburg, München (Rainer Hörger) und im Saarland, schaute sich das junge Paar mit ihrem Freund kurz nach der deutschen Wiedervereinigung in Dresden um. Doch war man dort offenbar noch nicht offen genug für solche Hausbrauerei-Pläne. Marc Weber fand schnell eine Stelle in einer Dortmunder Brauerei, Jutta Rozanski zog es in die Duisburger König-Brauerei, bei der sie bereits nach dem Abitur eine Zeit lang gejobbt hatte und wo sie auf den beruflichen Biergeschmack gekommen war.

An den Brauhausplänen hielt das Trio aber fest. Was daraus wurde, weiß so gut wie jeder Duisburger und viele andere Besucher der Innenstadt: Am 14. Februar 1992, an einem Valentinstag also, öffnete mit dem Webster am Dellplatz die erste Duisburger Gasthausbrauerei. Übrigens wenige Monate, nachdem Jutta Rozsanski ihren Sohn zur Welt gebracht hatte. "Es war für meinen Mann und mich natürlich eine aufregende Zeit", so Jutta Rozanski rückblickend. Das traditionsreiche Kolpinghaus erschien den drei jungen Brauerei-Experten als ideale Stätte für ein Gasthaus, in dem sich Menschen weit auseinanderliegender Generationen und unterschiedlicher Schichten treffen können. Die rustikale Atmosphäre des Webster, sein selbst gebrautes Blondes und Braunes Webster-Bier sowie die vielen anderen Bierspezialitäten, die in einer Hausbrauerei möglich sind, kam bei den Menschen an. "Wir haben fantastische Gäste", sagt Jutta Rozanski. Es gebe viele Stammgäste, die auch gerne ihren Besuch ins Webster führen. Wenn im wenige Schritte entfernten Theater am Marientor ein Musik- oder Kabarettabend zu Ende geht, dann zieht es viele TaM-Besucher ins Webster.

Dort gibt es 200 Sitzplätze an Holztischen und der Theke. Und wenn das Wetter mitspielt, steht auch einer der schönsten Biergärten Duisburgs mit ebenso vielen Plätzen zur Verfügung: Im Schatten der großen St.-Joseph-Kirche. Die Nachbarn, das Café Movies des Filmforums und das Grammatikoff, sind sich gegenseitig nicht gram: Im Gegenteil: Man unterstützt sich. Die Stimmung am Dellplatz soll gut bleiben. Das ist in aller Interesse. Wie bei allen Gastronomen kommt der Erfolg nicht von allein. Mehr noch als in der Vergangenheit muss man sich darum bemühen, dass das Geschäft floriert. Marc Weber und Jutta Rozanski kennen die Zahlen: Als das Webster 1992 eröffnet wurde, lag der Pro-Kopf-Umsatz in Duisburg bei 147 Litern Bier (unabhängig von der Sorte). Heute liegt er nur noch bei rund 100 Litern.

Eine Konsequenz ist, dass das Webster im Laufe der Jahre sein Speisenangebot konsequent ausgebaut hat. So fand sich in den ersten Jahren nur rund ein Dutzend Gerichte auf der Speisekarte. Heute sind es 50. "Auf Qualität und Regionalität haben wir von Anfang an viel Wert gelegt, doch bieten wir heute von hauseigenen Tapas bis zur Schweinshaxe eine noch viel größere Auswahl an", sagt Jutta Rozanski. Natürlich setzt man nach wie vor bei den Speisen auf "bierig inspirierte Köstlichkeiten". Früher hätten sich die Umsätze im Webster zu 80 Prozent auf die Getränke, davon zumeist natürlich Bier, und zu 20 Prozent auf Speisen verteilt. Heute sei das Umsatzverhältnis nahezu ausgeglichen: 50 Prozent Getränke, 50 Prozent Speisen. Das Webster ist jedoch nicht nur ein Ort zum Trinken und Essen, hier wird oft auch gefeiert: Karneval, Silvester, Oktoberfest, Tanz in den Mai, Bockbier-Anstich und andere Anlässe finden sich da leicht. Immer wieder wird im Webster auch Musik gemacht. Besonders beliebt sind Tribute Bands, die beispielsweise die Blues Brothers, ABBA, Robbie Williams, Bon Jovi oder demnächst Pink Floyd covern. Bierseminare und Kooperationen mit der Weißen Flotte, die nach einer Rheinschifffahrt eine Einkehr im Webster beinhaltet, gehören ebenso zu den Angeboten.

Zur Übersicht gibt es den Webster-Braukurier oder man schaut auf www.webster-brauhaus.de.

(pk)