Duden-Preis in Wesel: Kein Nachrücker nach Fälschungsskandal

Debatte in Wesel: Duden-Preis: Kein Nachrücker nach Fälschungsskandal

Es gibt keinen neuen ersten Platz beim Konrad-Duden-Journalistenpreis. In der Begründung heißt es, der Zweitplatzierte Philipp Elsbrock solle sich nicht fühlen wie ein „Lückenbüßer“.

Beim Weseler Konrad-Duden-Journalistenpreis wird es nun doch kein Nachrücken der Zweit-, Dritt- und Viertplatzierten auf die Plätze eins, zwei und drei geben. Dies teilte die Juryvorsitzende Sigrid Baum am Donnerstag mit. In der Begründung hieß es, der Zweitplatzierte Philipp Elsbrock solle sich nicht fühlen wie ein „Lückenbüßer“. Zum Hintergrund: Der ehemalige Spiegel-Journalist Claas Relotius hatte mit einer gefälschten Reportage unter dem Titel „Nummer 440“ den ersten Platz beim Weseler Journalistenpreis errungen. Nachdem sein Schwindel Ende 2018 aufflog, entbrannte eine Diskussion um eine Neuverteilung des Preisgeldes. Der gebürtige Weseler Elsbrock hatte gegenüber unserer Redaktion gesagt, dass er sich über den ersten Preis freuen würde.

Sigrid Baum argumentiert nun aber: „Die Jury hat es sich mit der Entscheidung, ob wir für den Preis 2018 ein Nachrücken veranlassen sollten, nicht leicht gemacht. Mehrheitlich halten die Jurymitglieder aber diesen ersten Preis durch das Fehlverhalten von Claas Relotius für verbrannt.“ Unsere Redaktion hatte zuvor berichtet, dass es zwischenzeitlich eine Mehrheit in der Jury für ein Nachrückverfahren gegeben habe und dass die Juryvorsitzende Baum dies mit der Stadt final abklären habe wollen. Nach Rücksprache mit Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, als Mitglied der Jury auch stimmberechtigt, wurde dann der jetzige Weg festgelegt: kein erster Preis, dafür ein zweiter und dritter.

In anderer Hinsicht hat der Fall Relotius sehr wohl Konsequenzen. In den Bewerbungsunterlagen zum nächsten Journalistenpreis 2020 werden die Teilnehmer versichern müssen, dass die recherchierten Inhalte „richtig“ sind, teilte Sigrid Baum mit. Die neuen Ausschreibungskriterien würden jetzt erarbeitet und dann beraten. Baum glaubt, dass eine Jury kriminelles Verhalten auch mit eidesstattlichen Erklärungen nicht verhindern kann. „Als Jury müssen wir darauf vertrauen, dass zunächst einmal der Journalist nur über das berichtet, was er recherchiert hat und auch belegen kann. Zusätzlich muss das publizierende Medium seiner journalistischen Sorgfaltspflicht nachkommen.“

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Relotius gab den Preis freiwillig zurück. Die Jury konnte den Preis in Wesel nicht von sich aus zurücknehmen, weil für die Preisvergabe Sprachwahl und Rechtschreibung, nicht jedoch korrekte Inhalte zur Voraussetzung gemacht wurden.

Die Stadt vergibt den Journalistenpreis mit dem Presseclub Niederrhein seit 2011. Bewerbungen sind bis 15. Juli beim Presseclub Niederrhein einzureichen.

(sep)
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