Wesel: Duden – mehr als nur Wandschmuck

Wesel : Duden – mehr als nur Wandschmuck

Rechtschreibpapst Konrad Duden wurde vor 185 Jahren geboren. Für überregionale Kampagnen ist er "zu schwierig".

Kein Weseler Abiturient ist so bekannt wie Konrad Duden. Fast jeder dürfte schon mal ein nach ihm benanntes Werk in der Hand gehabt haben. Dass er an dem Gymnasium lernte, das heute seinen Namen trägt, das wissen nur die wenigsten Menschen. Wach wird die Erinnerung an den Rechtschreibpapst immer dann, wenn sich ein bedeutsames Datum jährt. Heute ist es wieder so weit. Am 3. Januar 1929 wurde Duden auf Gut Bossigt geboren. RP-Leser Werner Abresch hat festgestellt, dass Schleiz, eine Wirkungsstätte Dudens, sich mit elf weiteren mitteldeutschen Städten zur Vermarktung einer "Straße der deutschen Sprache" zusammengeschlossen hat (siehe Zweittext). Man wandelt auf den Spuren der Fruchtbringenden Gesellschaft von 1617, des ersten deutschen Sprachvereins. Lässt sich so etwas nicht auch am Niederrhein umsetzen?

Neu ist die Duden-Wand in der Stadtinformation am Großen Markt. Seiten von eineinhalb Duden-Büchern regen Besucher bereits zum Nachfragen an. Foto: Bosmann

Citymanager Thomas Brocker von Wesel-Marketing weiß, dass mit Duden vergleichsweise wenig gemacht wird, was über Wesel hinaus Wirkung zeigt. Es gibt das Haus (heute Hotel Haus Duden) an der Konrad-Duden-Straße, ferner eine Grund- und eine Realschule sowie das Gymnasium, es gibt alle zwei Jahre einen Journalistenpreis, es gibt eine Büste und einen Gedenkstein, ebenso einen Wesel-Taler mit Dudens Antlitz. Was nicht zum Tragen kam, war die Idee, Wesel den Beinamen "Duden-Stadt" zu geben. Übrigens war auch "Hansestadt" politisch abgelehnt worden.

Brocker setzt auf Konzentration. Für große Kampagnen sei Duden thematisch zu schwierig, er gehe nicht unmittelbar ins Ohr. Ganz anders sei es indes mit dem Esel, zu dem es mittlerweile eine ganze Bandbreite von Souvenir-Artikeln gibt. "Duden kann man nicht wie Esel an jede Ecke stellen. In München werden wir kaum jemanden für Duden begeistern können. Der Esel ist das Entree", sagt Thomas Brocker. Auch seien beispielsweise für (Fahrrad-)Routen andere Themen stärker: regionale Vermarktung, lokale Produkte, Natur.

Das bedeutet aber nicht, dass Wesel-Marketing Duden ignoriert. Im Gegenteil. Eine ganze Wand ist gerade beim noch laufenden Umbau der Stadtinformation am Großen Markt mit Seiten aus dem neuesten Duden tapeziert worden. Das ist schon etlichen Besuchern aufgefallen. "Warum kleben Sie das Telefonbuch an die Wand?" schildert Brocker eine häufige Frage. "Und schon ist man im Gespräch."

Auch soll Duden beim Stadtjubiläum 2016 eine Rolle spielen. Wesel-Marketing denkt daran, Sprache und Musik zusammenzubringen. Thema: Wie kann man mit der deutschen Sprache erfolgreich sein? So könnte Liedermacher Funny van Dannen mit Campino zusammentreffen, für dessen Band Die Toten Hosen er Texte schreibt. Moderiert von Wesel-Größen wie Tagesschau-Mann Jan Hofer. Auch Kabarettist Dieter Nuhr hält Brocker für einen geeigneten Sprachkünstler, um Duden näher zu kommen. Mit solchen Aktionen eine Person zu fokussieren, sei wohl die beste Art, meint Brocker. "Vielleicht kommt mit dem Tourismuskonzept ja auch ein Profi, der von außen auf Wesels Potenziale guckt und zu ganz anderen Ideen für Duden kommt." Authentische Spuren wie Gebäude, die man Gästen zeigen könnte, seien mit Ausnahme des Geburtshauses jedenfalls Mangelware.

(RP)
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