Diskussion um Sportstätten: Viktoria Wesel fürchtet „Ausbluten“

Diskussion um Sportstätten : Viktoria Wesel fürchtet „Ausbluten“

Der Entwurf des Sportentwicklungsplans ist weiter in der Kritik. Vereinsvertreter von Viktoria Wesel fordern einen Kunstrasenplatz im Lippestadion.

Der Sportverein Viktoria Wesel übt erneut scharfe Kritik am Sportentwicklungsplan, der am Donnerstag im Schul- und Sportausschuss auf der Tagesordnung stand, dort aber nicht debattiert wurde. Der neue Viktoria-Vorstand Günter Kellendonk und Jugendleiter Werner Bohm sehen die Viktoria in den Planungen der Stadt Wesel benachteiligt und hofft, dass das Ruder rumzureißen ist. Der Sportentwicklungsplan erhält die Anregung, Viktoria Wesel und den Weseler Spielverein (WSV) gemeinsam im Auestadion spielen zu lassen. Nun fragen die Viktoria-Vertreter Kellendonk und Bohm: „Soll Viktoria Wesel und das Lippestadion zugunsten der Sportstättenentwicklung geopfert werden?“ Sie befürchten das „Ausbluten“ ihres Vereins BSV Viktoria Wesel 1910, ältester Fußballclub der Stadt.

Konkret fordern die Viktoria-Vertreter, einen Kunstrasenplatz in ihrer aktuellen Spielstätte Lippestadion anzulegen. Dies sei für die Hälfte der Kosten anderer Anlagen möglich, da der Tennenplatz über eine gute Drainage verfüge und der Verein die oberste Schicht in Eigenleistung abtragen würde. Eine weitere vernünftige Alternative wäre aus ihrer Sicht, dass die Viktoria das Gelände des PSV Wesel mitnutzt.

Die Stadt Wesel sieht offenbar keine Notwendigkeit für einen Kunstrasenplatz im Lippestadion, der bisherigen Spielstätte von Viktoria, vor. Im Lippestadion soll zukünftig eine Freizeit-Spaßanlage entstehen – das hätte Lärmbelästigung und Müll zur Folge, fürchten Kellendonk und Bohm. Sie verweisen auch darauf, dass der Viktoria-Platz einmal im „jetzt so beliebten“ Heubergpark lag.

Erneut werde der Verein weichen müssen. Der PSV Wesel wiederum solle zwei Kunstrasenplätze erhalten, obwohl der Verein schon über neue Anlagen in der Stadt verfüge und sich damals gegen Kunstrasen und für fünf Rasenplätze entschieden habe, monieren die Vertreter von Viktoria. „Ein Kunstrasenplatz für den PSV und einer für Viktoria wären diesbezüglich eigentlich angemessen“, meinen sie. In der Aue beim WSV solle wiederum ein Kunstrasenplatz auf dem Tennenplatz entstehen, der die nicht vorhandenen Kapazitäten um 400 Stunden im Jahr erhöhe. Hier seien die Nutzungszeiten den Gutachtern falsch vermittelt worden. „Die Kapazitäten im Auestadion sind jetzt schon nicht ausreichend aufgrund der JSG Wesel. Das Auestadion gehört dem WTV mit seinen Leichtathletik-Events, sagen die Vertreter von Viktoria. Viktoria Wesel würde dort zwei Spielfelder für den Trainings- und Spielbetrieb benötigen, was dort nur unter sehr hohem Kostenaufwand zu realisieren wäre.

„Die Realität hat uns inzwischen bezüglich der beiden kleinsten Weseler Fußballabteilungen eingeholt. Viktoria Wesel verfügt zurzeit als reiner und zweitgrößter Fußballverein in Wesel über 14 Teams, fünf im Seniorenbereich und neun im Jugendbereich und zeigt über Jahre stabile Mitgliedszahlen unabhängig vom demographischen Wandel. Im Gegensatz zum PSV, wo der demographische Wandel bezogen auf die Mannschaften den Verein bereits schrumpfen lässt“, sagen die Vertreter der Viktoria.

Am Donnerstag im Ausschuss wurde nicht diskutiert. Zuletzt hatte SPD-Fraktionschef Ludger Hovest gesagt: „Fusionen können sinnvoll sein, aber nur im Konsens. Wenn es Bereitschaft gibt, machen wir es. Sonst nicht.“

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