Wesel: Diskussion um Schulgutachten

Wesel: Diskussion um Schulgutachten

Empfehlungen der Grundschulen könnten für Eltern von Viertklässlern wieder bindend werden. Das würden manche weiterführende Schulen begrüßen, für andere macht es kaum Unterschiede.

Für die Viertklässler hat es mit den Halbjahreszeugnissen die Empfehlungen für die weiterführende Schulform gegeben. Familien, die ihr Kind anmelden möchten, können - zumindest theoretisch - frei wählen: Denn die Empfehlungen der Grundschulen haben keinen verbindlichen Charakter. Das könnte sich ändern: Schulministerin Yvonne Gebauer erwägt, wieder zur verpflichtenden Empfehlung zurückzukehren, so wie es bis 2011 war. Der Wunsch danach soll aus der Lehrerschaft gekommen sein. Was sagen Weseler Schulleiter dazu? Wir haben uns umgehört.

"Bei uns würde sich dadurch wenig ändern", sagt Karen Schneider, die Leiterin des Konrad-Duden-Gymnasiums. "Wir orientieren uns schon jetzt sehr an dem Gutachten". Bei einer eingeschränkten Empfehlung werden intensive Beratungsgespräche geführt. Legt das Gutachten den Besuch einer Realschule nahe, rät das KDG-Team von der Wahl des Gymnasiums ab - um dem Kind ein Misserfolgserlebnis zu ersparen, so Schneider, die bislang noch keine "beratungsresistenten" Eltern erlebt hat.

"Wir lesen die Empfehlung sehr aufmerksam. Die Kollegen in den Grundschulen geben sich viel Mühe mit den Gutachten", sagt Dorothee Brauner, Leiterin des Andreas-Vesalius-Gymnasiums, die mit dem derzeitigen System gute Erfahrungen macht. "Ich glaube, es bringt nichts, noch größeren Druck auf die Eltern und Schüler auszuüben", meint sie mit Blick auf mögliche verbindliche Gutachten. Sie hält die Beratung der Eltern bei einer eingeschränkten Empfehlung für das Gymnasium für ausreichend - und meist nehmen die Familien den Rat an.

Ina Gaastra, Rektorin der Konrad-Duden-Realschule, sieht es etwas anders: Sie hat sehr positive Erfahrungen gemacht, als die Schulempfehlung noch verbindlich war und würde es begrüßen, wenn diese Regelung wieder eingeführt würde. "Die Grundschullehrer kennen die Kinder sehr genau", sagt sie. In der Regel würden die Eltern die Gutachten ernst nehmen. Aber es gebe auch Ausnahmen. "Da wünschen sich die Eltern mehr, als in der Realität sinnvoll ist", so Gaastra.

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Aus Sicht von Astrid Wahl-Weber, Leiterin der Grundschule Innenstadt an der Böhlstraße, ist eine Änderung nicht unbedingt notwendig. An ihrer Schule gibt es ein ausgefeiltes System: Eltern und Kinder werden ebenfalls um ihre Einschätzung gebeten, in einem Gespräch wird dann über Wünsche und Eignung beraten. In den allermeisten Fällen werde eine Einigung zwischen allen Beteiligten gefunden, sagt Astrid Wahl-Weber. "Wichtig ist, dass man bei der Empfehlung die Eltern mitnimmt", sagt sie.

Wolfgang Mömken, Leiter der Grundschule Feldmark, hält es dagegen für wünschenswert, dass die Grundschulgutachten ein größeres Gewicht erhalten. Nach seiner Erfahrung sind diese zu mehr als 80 Prozent zutreffend. "Die Frage ist nur, wie geht man damit um, wenn Eltern anderer Meinung sind?" Er erkläre den Eltern stets, dass es in dem heutigen Schulsystem auch ohne den direkten Besuch eines Gymnasiums Wege zum Abitur gibt.

Für die Polderdorfschule Büderich-Ginderich würde eine verpflichtende Empfehlung keinen Unterschied in der Praxis machen: "Im dritten Schuljahr fangen die Beratungen dazu an. In den meisten Fällen deckt sich die Einschätzung von Lehrern und Eltern", sagt Schulleiterin Sabrina Hardacker.

(rme/auf/acf)