Digitaler Assistent in Weseler Krankenhaus: Robby schont Patient und Arzt

Evangelisches Krankenhaus Wesel : OP-Kollege Robby schont Patient und Arzt

Für zwei Millionen Euro hat das Evangelische Krankenhaus Wesel einen digitalen Assistenten für Operationen im Bauchraum bekommen. Die neue Spitzentechnologie macht das Haus zum europäischen Referenzzentrum.

Vivianda Menke ist hellauf begeistert von ihrem neuen Kollegen. „Ich liebe ihn“, sagt die Oberärztin und zeigt, wie leicht sie von ihrem bequemen Arbeitsplatz aus Bewegungen der OP-Instrumente steuern kann, die vorher von Hand unmöglich waren. Menkes neuer Kollege heißt Senhance, stammt von der Firma Transenterix und hat zwei Millionen Euro gekostet. Seit drei Wochen ist Robby, wie er hier genannt wird, im Evangelischen Krankenhaus Wesel erfolgreich als digitaler Assistent im Einsatz. Es ist die erst zweite Klinik in Deutschland, die über diese neue Spitzentechnik verfügt. Weltweit sind es 25 Häuser. Wesel wird ab September europäisches Referenzzentrum sein.

Entsprechend stolz sind die Eltern des Projekts. Geschäftsführer Rainer Rabsahl ließ sich gern von Chirurgie-Chefarzt Olaf Hansen von den Vorteilen der Investition überzeugen. Hansen, Menke, und ihr Kollege Marc Maaß bilden nach Schulungen in Mailand nun das Team, das mit Robby umgehen kann und das Haus wieder einmal in eine Vorreiterrolle bringt. Der Chefarzt verglich Robby mit bahnbrechenden Neuerungen aus der Geschichte der Medizin wie Narkose, Penizillin oder Schlüsselloch-Operation.

Letzere Methode ist ganz nah dran an dem, was der digitale Assistent im Operationsaal alles kann. Nur macht er das viel besser und präziser und damit letztendlich sicherer für den Patienten. Denn Operationen im Bauchraum sind nach wie vor nicht ohne Risiken und unangenehme Begleiterscheinungen. Diese reichen von vergleichsweise großen Schnitten bis zu Quetschungen. Oftmals sind es die noch so geübten, aber für den zur Verfügung stehenden Platz im geöffneten Körper viel zu großen Hände des Menschen, die dem Können Grenzen setzen. Wo Hansen und sein Team nicht mehr dran kommen, da kommt Robby dran.

Geschont wird neben dem Patienten auch der Arzt. Olaf Hansen veranschaulichte mit diversen Verrenkungen, in welchen Stellungen Operateure bei bisherigen Eingriffen oft lange ausharren müssen. Robby nimmt dem Arzt das ab, liefert zudem in Echtzeit gestochen scharfe 3D-Bilder in 16-facher Auflösung.Im Zusammenspiel mit drei Millimeter dünnen Instrumenten lassen sich so kleinste Tumorgewebe entfernen.

Die Palette der Einsatzmöglichkeiten ist groß. Sie reicht in der Onkologie vom Darm und Magen bis zur Speiseröhre, der Bauchspeicheldrüse und zur Prostata. Außerdem auf dem Zettel: Gallensteine, Leistenbruch, Speiseröhrenschrittmacher bei Sodbrennen, Divertikelentzündungen im Darm, Beckenbodensenkungen, Darmvorfall.

Die Experten sind sich sicher, dass die technische Entwicklung digitaler Assistenten weitergeht, irgendwann auch CT-Bilder eingebaut werden können. Jetzt sind die Weseler bereit, Robby interessierten Kollegen aus dem In- und Ausland zu zeigen, eventuell auch auszubilden.

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