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Wesel: Diersfordt: Tosender Beifall für Klezmermusik

Wesel : Diersfordt: Tosender Beifall für Klezmermusik

Feine Sachen außerhalb des dominierenden Kulturangebots aufzuspüren und für besondere Abende herbei zu holen, das können Diersfordter Bürger. Der ehemalige Eiskeller, das Museum des Heimatvereins der Herrlichkeit Diersfordt, konnte am Freitagabend kaum die vielen Interessenten fassen, die das Duo „bernshteyn“ hören und sehen wollten. Dessen „jiddische Lieder und klezmer“ entfachten tosenden Beifall, zuletzt stehende Ovationen.

Ute Bernstein (Violine, Gesang, Rezitation) und Achim Lüdecke (Gitarre, Gesang) öffneten gleichsam ein Fenster in die Vergangenheit jüdischen Lebens in osteuropäischer Städte. Wie die kleinen Leute des jiddischen Stedls lebten, liebten, feierten, sich gegen das oft zermürbende Schicksal wehrten, dieses aber auch in demütiger Gottesfurcht sowie mit souveräner Distanz annahmen, wie sie mit hinterm Humor die Tragik aushielten, das war das große Thema. „Die Zeit steht still“, diese Zeile aus einem Gedicht von Mascha Kaléko, stand über dem Abend.

„Die Zeit steht still, wir sind es, die vergehn“, rezitierte Ute Bernstein die Worte der fast vergessenen Dichterin. Diese wurde selbst in einer galizischen Kleinstadt geboren, erlebte in Berlin ihre öffentliche Anerkennung, emigrierte in den 30er Jahren, fand nirgendwo eine richtige Heimat. Von der Melancholie der Heimatlosigkeit, oder besser von der latent vorhandenen Ablehnung der Minderheiten, sprach auch die Musik. Vitale Aufmüpfigkeit, süße Sehnsucht und herbe Einsicht lagen darin.

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Armer Jud, bisschen Glück

„die grine kusine“ geht in Amerika, wo das „Geld in Kathedralen sitzt“, kaputt; „Herr, gib uns ein Weltgewissen“ antwortet eine Gedichtzeile. „vu nemt men a bisele mazl?“ bittet ein armer Jude um ein bisschen Glück. Dennoch sind die Menschen im Stedl, im Ghetto, sozusagen grundlos vergnügt, so sang das Duo. „Ich freu’ mich, dass die Sonne täglich neu aufgeht, ... ich freu mich, dass ich bin“, heißt es dazu bei Mascha Kaléko. „Komm zu mir im Traum, Rejsele“, sagt ein Liebeslied; es wird von einem Dieb, afreml, gesungen, der aus schierer Not „bei Magnaten stiehlt“, und „borschtsch“ müsste man haben; „aber einmal sollte man sich aus dem Staube machen.“

Bernstein und Lüdecke waren sympathischerweise perfekt im musikalischen Zusammenspiel.

(RP)