Die Spitzenkandidatin der SPD für die Europawahl war in Wesel

Vier Tage vor der Europawahl : SPD-Spitzenkandidatin Barley im Dialog

Mit Wählern und Schülern sprach Justizministerin Katarina Barley in der vollen Niederrheinhalle über ihr Herzensthema Europa.

Mehr Endspurt geht kaum. Vier Tage vor der Europawahl ist die Spitzenkandidatin der SPD nach Wesel gekommen, um Werbung für ihre Partei und die Europäische Union zu machen. In der fast vollen Niederrheinhalle diskutierte Justizministerin Katarina Barley mit potenziellen Wählern und Schülern. Es ging um die Urheberrechtsreform, Klimaschutz und ein Wahlrecht ab 16 Jahre.

Es ist kein Zufall, dass gerade Barley die Liste der SPD für die Europawahl anführt. Europa ist ein Thema, das dieser Frau am Herzen liegt. Man müsse verhindern, dass Rechtspopulisten mehr Macht im EU-Parlament gewinnen, sagt Barley. Deswegen müssten „die überzeugtesten Europäer und Europäerinnen nach Brüssel. Dazu gehöre ich.“ Das ist nicht übertrieben. Barley hat durch ihre Eltern den deutschen und den britischen Pass, ihren ersten Mann lernte sie in Frankreich kennen, er ist halb Spanier, halb Niederländer. Ihre Söhne, das erzählt sie in diesem Wahlkampf immer wieder, auch in Wesel, haben also Großeltern aus vier verschiedenen Ländern.

15 Minuten lang redet die Justizministerin, dann wechselt sie für die restlichen 40 Minuten in den Dialog. Sie nimmt das Mikro in der Hand, steigt ab vom Podium und eröffnet die Diskussionsrunde. „Ich fände es schöner, wenn Sie nach vorne kommen, damit wir wirklich miteinander reden können. Ist das okay?“ Maksim Bondarenko vom Konrad-Duden-Gymnasium findet es okay und kommt als Erster nach vorne. „Wie wollen Sie EU-Feinden entgegentreten, die in einem Parlament sitzen, das sie abschaffen wollen?“, will der 16-Jährige wissen.

Die Niederrheinhalle war beim Besuch von Katarina Barley rappelvoll. Foto: Viktor Marinov

Barley kann gut mit jungen Menschen. Sie sagt wenig Neues – man solle sich weder zu sehr aufregen, noch könne man die Rechten ignorieren – aber sie sagt es auf die richtige Art. Lässig, authentisch, mit Worten wie „spooky“ (Englisch für gruselig) oder „best buddies“ (beste Kumpels). Gerade bei dieser Generation sei es an der Zeit, das Wahlrecht ab 16 einzuführen. „Wenn man das jetzt nicht tut, wann denn dann?“ Gleichwohl müsse man aber bei Themen wie Klimaschutz realistisch bleiben und andere Sichtweisen zulassen. Das gelte auch für die Urheberrechtsreform: „Den Artikel 13 halte ich so, wie er jetzt ist, für falsch. Ihr müsst auch berücksichtigen, dass Künstler ein Recht auf ihre Werke haben.“

Der moderate Ton kam bei Teilen des Publikums gut an. „Das ist alles schön und gut mit dem Klima. Aber ich finde, ich soll auch mal gehört werden“, sagt eine ältere Dame. Sie frage sich, wie sie die stetig steigenden Strompreise bezahlen soll.

Was nach einer knappen Stunde Katarina Barley in Wesel bleibt, ist die gute Form der Veranstaltung. „Es ist das erste Mal, dass ich das so erlebe“, sagt sie auch mit Blick auf die Teilnahme der Schüler. Auch der Weseler SPD-Fraktionschef Ludger Hovest bezeichnete das Format mit mehr Publikumsbeteiligung und weniger klassischen Politiker-Reden als zukunftsweisend.

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