Heimat erleben in Wesel: Die Schmiede Kock atmet Geschichte

Heimat erleben in Wesel: Die Schmiede Kock atmet Geschichte

Seit Mai 2014 wird in dem authentisch restaurierten Außenposten des Bislicher Museums wieder geschmiedet.

Sie ist das vorerst letzte Highlight des Bislicher Museums. Und sie hat sich relativ zügig zu einer weiteren Attraktion im Deichdorf entwickelt - die Schmiede Kock. Schon bevor die bereits aus den 1990er Jahren stammende Idee, die alte Schmiede der Familie Kock in Bislich (Marwick) wieder zum Leben zu erwecken, tatsächlich umgesetzt wurde, war das kleine Häuschen direkt auf dem Deich und nur 50 Meter vom Bauerncafé Hellenhof entfernt, immer wieder zum Hingucker für Radfahrer und Fußgänger geworden. Was verbirgt sich hinter diesem alten Gebäude, was da so unscheinbar am Wegesrand steht, mögen sich viele Passanten gefragt haben.

Die Antwort ist längst gegeben, denn seit Mai 2014 erstrahlt die Schmiede als Außenposten des Museums in neuem Glanz. Wobei "Glanz" sicherlich ein wenig übertrieben ist, denn den Charakter einer alten Schmiede hat die historische Arbeitsstätte behalten. Mit 100 Jahre alten Hohlziegeln wurde das Dach neu gedeckt, die Fugen der Fassade vorsichtig ausgebessert und der zu 80 Prozent neue Innenputz ist, wie man es an einem solchen Ort erwartet, pechschwarz.

Wesentlichen Anteil an der gelungenen Restaurierung der Schmiede haben drei Männer. Architekt Franz Schweers und Heinz Kubasch, gelernter Schmied, haben ihr Wissen und Können mit großem ehrenamtlichen Engagement eingebracht. Museumsleiter Peter von Bein kümmerte sich um die geschichtliche Aufarbeitung des Schmiedehandwerks und schuf den passenden Katalog dazu. Weitere ehrenamtliche Helfer, die Firma Holemans als Sponsor sowie die als Pächter fungierende Familie Kock, auf deren Grundstück die Schmiede steht, trugen ebenfalls dazu bei, dass nun jeder das Kleinod besichtigen kann.

Peter von Bein ist jedenfalls hocherfreut, dass die Vorführungen, die von Schmiedemeister Bernd Buschmann zwischen April und Oktober einmal im Monat angeboten werden, sehr gut angenommen werden. "Das Interesse ist groß. Die Besucher suchen an diesen Tagen ganz gezielt die Schmiede auf oder kommen rein zufällig vorbei und werfen dann einen Blick hinein", erzählt der Museumsleiter.

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Auch hierbei wird viel Wert auf Authentizität gelegt. Die Gerätschaften, mit denen Buschmann arbeitet, sind rund 200 Jahre alt. Zahlreiche Zangen, Hammer und weitere Werkzeuge hängen an der Wand. In der Mitte des Raumes befindet sich die große Feuerstelle, darüber die Esse.

Auf gleicher Höhe ist ein riesiger, allerdings nicht mehr funktionstüchtiger Blasebalg zu sehen. Mittlerweile ist hinter dem Haus auch ein Pferdeunterstand aus Holz fertiggestellt worden. Ganz wie früher eben, als unruhige Pferde beim Beschlagen ihrer Hufe dort festgebunden wurden.

Wer mehr über das Schmiedehandwerk oder die Geschichte der Schmiede Kock erfahren möchte, sollte einen Blick in den historischen Überblick "Schmiedehandwerk in Bislich" werfen, der im Museum des Dorfes in Bislich erhältlich ist.

(me)
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