Wesel: Die Quik-Bilanz: Ein Jahr als NRW-Abgeordnete

Wesel: Die Quik-Bilanz: Ein Jahr als NRW-Abgeordnete

Vor einem Jahr ist Charlotte Quik (CDU) überraschend in den Landtag eingezogen. Gestern zog die werdende Mutter eine Jahresbilanz.

Wenn Politiker über die Arbeit ihrer Regierung sprechen, eine Art Jahresbilanzgespräch in eigener Sache führen, dann darf man naturgemäß keine allzu selbstkritischen Töne erwarten. Positiv fiel also gestern die Einordnung der 35-jährigen Abgeordneten Charlotte Quik aus, die in der CDU-Kreisgeschäftsstelle an der Weseler Van-Gent-Straße die Politik der vergangenen Monate erklärte. Kernbotschaft: "Ich will unsere Heimat und Lebensqualität erhalten." In einem Punkt sparte sie allerdings nicht mit Kritik: "In der Verwaltung haben wir mit viel Bürokratie und Rechtsvorschriften zu kämpfen." Oft seien der Regierung deshalb die Hände gebunden. Quik nannte beispielhaft den Streitpunkt der Zeelink-Leitung durch die Region. Sie habe versucht, Anwohner und Ministerium zusammenzubringen. Letztlich dominierte aber der Zeitfaktor, die Anwohnerinteressen werden wohl unberücksichtigt bleiben müssen.

Für Charlotte Quik war der gestrige Tag auch einer der letzten Pressetermine, bevor es bald in die Babypause geht. Für den 25. Juni ist ihr zweites Kind ausgezählt, ein Sohn werde es, verriet Quik, die sich als Abgeordnete nicht an festen Regeln beim Mutterschutz orientieren kann. Derzeit gebe es für Parlamentarierinnen in NRW da keine Vorgaben. "Wir müssen eine familienfreundliche Regelung herbeiführen", sagt die Mutter, deren Schwerpunktthemen im Landtag Familie, Verkehr und Frauen/Gleichstellung sind. Viel habe die Regierung für Familien erreicht, sagt Quik. Sie verweist auf den Kita-Rettungspakt, 600 neue Stellen an Grundschulen, mehr Gehalt für Konrektoren und die wichtige Leitentscheidung zu G9. In der Offenen Ganztagsbetreuung müsse man künftig mehr Flexibilität erreichen. Quik vertritt in Düsseldorf auch den gesamten Kreis Wesel. Dafür sei es nötig, Kontakte sowohl in die Rathäuser als auch zu den Bürgern vor Ort zu haben. Zehn Bürgeranfragen gebe es pro Woche, erklärte Quik.

Als Abgeordnete mit dem Schwerpunktthema Verkehr würde sie merken, wie sehr Straßen und Baustellen die Leute in den Kommunen beschäftigen. "Es gibt so viele Baustellen, die werden wir nicht in den verbleibenden vier Jahren der Legislaturperiode abräumen", sagte die Hamminkelnerin. Als wichtige Projekte für die Region erwähnte sie die üblichen Verdächtigen: Betuwe, Südumgehung Wesel, A3-Anschlussstelle, Kombibad Wesel und die Ortsumgehung Brünen. Für Schermbeck seien wichtige Themen die Polizeipräsenz und die Schullandschaft. Für das Steag-Gelände in Voerde hingegen gebe es noch keine verkündenswerten Nachrichten, sagte Quik. Eine Baustelle sei auch der Hochwasserschutz: Da habe das Land 16 Millionen Euro zusätzlich in den Haushalt 2018 gestellt. Auch über Digitalisierung sprach sie - in ihrer Heimat Hamminkeln sei man da fortschrittlich, setze den Kabelpflug zum Breitbandausbau ein. Für den Niederrhein als 5G-Modellregion mit schnellem Mobilfunknetz macht sich Quik stark. Dass es dort Mängel gibt, erlebt sie bei ihren Fahrten von Brünen in den Landtag immer wieder. Wenn sie mit ihrem Mitarbeiter Elmar Venohr die Lage am Telefon bespreche, dann stoße sie auf der A3 immer wieder auf Funklöcher, das erste bei Hünxe, im Kreuz Oberhausen, Kaiserberg, Breitscheid. "Es wird Zeit, dass da was passiert."

  • Hünxe : Die Quik-Bilanz: Ein Jahr als NRW-Abgeordnete

Die Konstellation im Land stimme sie zuversichtlich: Die Zusammenarbeit mit der FDP in der Regierung gelinge gut. "Wir haben zusammen nur eine Stimme Mehrheit, das erfordert große Disziplin." Quik verweist darauf, dass zwei Drittel der 72 CDU-Abgeordneten im Land Neulinge sind, dass 70 Abgeordnete ihren Wahlkreis direkt geholt haben, also der ländliche Raum naturgemäß gut repräsentiert sei. Sie verstehe ihr Mandat so, für die ländliche Region Einsatz zu zeigen. Beim Thema Flächenverbrauch könne es deshalb zum Dissens in der Landesregierung kommen. "Da spreche ich für den ländlichen Raum."

Wenn die Quiks bald zu viert sind, wird Ehemann Christian Quik Elternzeit nehmen. "Ansonsten wissen wir das Engagement der Großeltern sehr zu schätzen", sagt Charlotte Quik. Wobei der Opa Heinrich Bottermann ist, Staatssekretär im NRW-Umweltministerium. Eine Fahrgemeinschaft habe man dennoch bisher nicht gebildet, auch keine Kantinengemeinschaft. "Dafür sehen wir uns ja zuhause."

(RP)
Mehr von RP ONLINE