Anne I.: Die Prinzessin mit Frosch und ohne Prinz

Anne I.: Die Prinzessin mit Frosch und ohne Prinz

Wesels Karnevalsprinzessin Anne (Holtkamp) hat gestern mit ihrem jecken Hofstaat die RP-Redaktion besucht. Im Interview erzählt sie, wie sie auch ohne Prinz die Herzen der Narren erobert und welche Beziehung sie zu Fröschen hat.

WESEL Anne I., die mit bürgerlichem Namen Holtkamp heißt, wird in die Geschichte des Weseler Karnevals eingehen. Schließlich ist die 26-jährige Sozialarbeiterin die erste Prinzessin, die ohne Prinz an ihrer Seite regiert. Mit ihrer Rolle als Alleinherrscherin kommt der Frosch-Fan bestens zurecht, wie sie gestern beim Besuch der Weseler RP-Redaktion betonte.

Foto: Isabell Hülser

Zu Beginn eine etwas hinterhältige Frage: Den Prinzenpaar-Orden ziert ein Bild, auf dem Sie den Froschkönig küssen. Erster Teil der Frage: Was haben Sie mit Fröschen zu tun? Zweitens: Was passiert mit dem Frosch nach dem Kuss?

Anne I. Seit ich ein Kind bin, hat mich der Janosch-Frosch Günther Kastenfrosch fasziniert. Und mittlerweile sammle ich alles, was mit Fröschen zu tun hat.

Und die Sache mit dem Kuss?

Anne I. Aus dem wird im Grimm'schen Märchen ein Prinz.

Sorry, stimmt so leider nicht.

Anne I. Doch.

Auch wenn's unlogisch ist: Der Frosch wird von der Prinzessin an die Wand geworfen und verwandelt sich dann in einen Prinzen. Die Geschichte vom Frosch, der sich nach einem Kuss in einen Prinzen verwandelt, finden wir bei Wilhelm Busch. Themenwechsel: Der vorgesehene Prinz an Ihrer Seite ist im Oktober kurzfristig aus persönlichen Gründen abgesprungen. Haben Sie nie daran gedacht, mit Ihrem Mann zu regieren?

Anne I. Den wollte ich nicht haben (lacht herzlich). Nee, im Ernst: Er ist der Prinz in meinem wahren Leben, den brauch' ich im Karneval nicht.

Wie ist das so für Sie als Einzelkämpferin?

Anne I. Echt cool. Klar habe ich mich nach der plötzlichen Absage des Prinzen zunächst gefragt, was ich jetzt tun soll. Aber schnell war klar, dass ich es auch alleine mache. Und ich bin ja nicht die einzige Alleinherrscherin. In Brünen und Ossenberg regieren auch nur Frauen.

Als Prinzessin sind Sie von Männern umschwärmt. Ist Ihr Mann denn da nicht eifersüchtig?

Anne I. Nein. Er findet das alles total gut. Wir sehen uns auch im Karneval sehr häufig, weil er ja Stabsführer im Fanfarencorps ist. Tatsächlich ist es so, dass mich viele Männer zum Tanzen auffordern, ein Foto mit mir zusammen machen oder mit mir etwas trinken möchten. Aber alle sind wirklich sehr, sehr nett.

Mit dem Rathaussturm beginnt heute die Hochzeit des Karnevals. Worauf freuen Sie sich besonders?

Anne I. Auf alles: Auf die Altweiber-Partys bei den Stadtwerken und abends in der Niederrheinhalle. Samstag besuchen wir die Seniorenheime und die Vereine, die Wagen bauen. Am Abend lädt der CAW erstmals zum närrischen Feierabend in den Parkettsaal. Sonntag ist Eselordenverleihung, Montag dann der Zug.

Gab es etwas, was Sie überrascht hat?

Anne I. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so viel positives Feedback bekomme. Zumal anfangs ältere Karnevalisten Zweifel hatten, ob ich das alleine packe. Man wächst mit den Aufgaben. Und ich hätte nicht gedacht, dass mir so viele mit meinem Frosch-Motto eine Freude machen.

Beispielsweise?

Anne I. Auf der Damensitzung kam der Nummern-Boy im Froschkostüm. Nach einem Kuss von mir hat er sich den Oberkörper freigemacht und mich auf Händen getragen. Das kam richtig gut an.

KLAUS NIKOLEI FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)