Wesel: "Die Politik hat sich blamiert"

Wesel : "Die Politik hat sich blamiert"

Die Organisatorinnen der Demo für den Erhalt der Brüner-Tor-Schule ziehen nach dem politischen Aus für den Standort frustriert Bilanz. Aber sie hoffen noch auf Antwort der Bürgermeisterin auf ihr Beschwerdeschreiben.

Sie haben gekämpft für ihre Brüner-Tor-Schule, kurzfristig eine beeindruckende Protestaktion auf die Beine gestellt und im Weseler Schulausschuss sachlich, aber bestimmt Mitspracherecht bei der Entscheidung über das Auslaufen der Innenstadt-Grundschule eingefordert. Am Ende aber hat sich die Politik mehrheitlich gegen die Wünsche der Eltern-Initiative Brüner-Tor-Schule entschieden. Nur Marlies Hillefeld (Grüne) und Volker Haubitz (CDU) hatten sich, wie ausführlich berichtet, auf die Seite der Eltern gestellt und die Entscheidung vertagen wollen.

Neue Schule keine Alternative

Christine Benning-Cebula, die in einer Sitzungsunterbrechung das Wort ergriffen hatte, ist auch am Tag nach dem beschlossenen Aus spürbar frustriert. "Wir sind weder sachlich noch politisch durchgekommen. Trotz unserer Informationsdefizits hätten wir gerne unser pädagogischen und sozialen Argumente ins Feld geführt.

Nun muss ich mir als Mutter Gedanken machen, in welcher Schule ich meinen Sohn im November anmelden kann." Die neue Grundschule an der Böhlstraße ist für sie keine Alternative, zumal sie nicht weiß, welches Konzept dort verfolgt und wer die Schule leiten wird. Eines ist für sie nach den Erfahrungen der letzten Tage klar geworden: "Die Weseler Politik hat sich blamiert."

Ähnlich empfindet ihre Mitstreiterin Daniela Staude. "Noch besser als vorher verstehe ich jetzt Menschen, die sich von der Politik abwenden, Politikern kein Vertrauen mehr schenken." Bei ihr verstärkt sich immer mehr der Eindruck, "dass wir von vornherein keine Chance hatten. Herzlichen Glückwunsch an alle, die diese Schule verschachern werden", sagt sie mit beißender Ironie. Auch für Daniela Staude stellt sich jetzt die Frage, wo sie ihren jüngsten Sohn im Sommer 2012 einschulen wird. Auch wenn sie nicht glaubt, dass sich der Rat am 8. November anders entscheidet als der Fachausschuss, so hofft sie trotzdem noch auf eine Antwort von Bürgermeisterin Ulrike Westkamp. Sie und andere engagierte Eltern hatten der Verwaltungschefin direkt schriftlich ihre Kritik an der fehlerhaften Informationspolitik mitgeteilt. Auf RP-Anfrage erklärte Ulrike Westkamp, "dass alles im Ausschuss besprochen wurde und nun in den Rat geht. Ich bin als Amtsperson angeschrieben worden und habe den Brief an den Dezernenten weitergeleitet." Bürgernähe sieht anders aus.

Dass die Brüner-Tor-Grundschule erst Mitte 2014 auslaufen wird, daran hat Andrea Urbanek, Mitorganisatorin der Demo, große Zweifel. Sie hat erfahren, dass Schulen mit weniger als 80 Kindern nicht ordnungsgemäß geführt werden können. "Und diese Zahl könnte schon viel früher nicht mehr erreicht werden. Die Politik spielt nicht mit offenen Karten."

Unsere Woche

(RP)