1. NRW
  2. Städte
  3. Wesel

Die Chance der Krise: Wesels Superintendent Brödenfeld zum Coronavirus

Himmel & Erde : Die Chance der Krise

Der Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus ist ein Marathon und kein Kurzstreckenlauf. Aber wir können und wir werden ihn gewinnen, wenn wir uns als Gemeinschaft, als „Wir“ und nicht als Einzelwesen und Gegner begreifen.

Jede Krise hat ihre hässlichen und verstörenden, aber genauso auch ihre ermutigenden und bewegenden Bilder. Zu den verstörenden Eindrücken dieser durch die Corona-Pandemie geprägten Zeiten gehören die Bilder leergefegter Supermarktregale, Menschen, die gnadenlos alles „weghamstern“, was sie in ihren Einkaufswagen packen können und Jugendliche, die auch noch in dieser Woche Corona-Partys mit dem Hinweis gefeiert haben, dass hauptsächlich die Älteren und nicht sie an dem Virus erkranken können.

Bewegend dagegen die Bilder zweier Musiker, die sich mit ihren Instrumenten vor einem Altenheim aufgebaut haben um den Bewohnerinnen und Bewohnern, die das Haus nun gar nicht mehr verlassen dürfen, ein wenig Freude zu machen.

Ermutigend die unzähligen Bilder von spontaner Nachbarschaftshilfe, Menschen, die für andere einkaufen gehen, die, mit dem nötigen Sicherheitsabstand, durch geöffnete Fenster sich mit denen unterhalten, deren Kontakte gerade zusammenbrechen.

Ermutigend auch die vielfältigen und kreativen Ideen der Kirchen. Wo jetzt alle herkömmlichen Angebote wie Gottesdienste, Gemeindegruppen und Besuche untersagt und Kirchen und Kitas geschlossen sind, entstehen ganz neue Möglichkeiten der Zuwendung, der seelsorglichen Begleitung und der Verkündigung des Evangeliums. Kurze Andachten und Gottesdienste werden über die sozialen Medien verbreitet und gestreamt. Kleine Orgelmusiken werden ins Internet gestellt und können abgerufen werden. Das gute alte Telefon bekommt plötzlich wieder eine ungeheure Bedeutung, Gemeindeglieder werden angerufen, um sich mit ihnen über ihre Sorgen und Nöte zu unterhalten. Dahinter steht die Botschaft, dass jetzt keiner alleingelassen wird.

Die äußere, verordnete und überlebenswichtige Isolation wird uns nicht voneinander trennen. Wir bleiben als Menschen, als Bürger- und als Christengemeinde zusammen und beieinander. Wir tragen Fürsorge füreinander, indem wir aufeinander achten, die notwendigen Distanzen einhalten, unseren Rechtsstaat in seinem Bemühen unterstützen, uns zu schützen und bei allem unsere Menschlichkeit nicht verlieren.

Solidarität ist jetzt unsere Bürgerpflicht. Mit denen, die in Krankenhäusern bis zur Erschöpfung Leben retten, die in Supermärkten an den Kassen sitzen und Regale auffüllen, und mit denen, die nicht wissen, wie es mit ihren Betrieben und ihrer Arbeit weitergeht.

(Thomas Brödenfeld)