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Hamminkeln: Die Angst vorm Grabenkampf

Hamminkeln : Die Angst vorm Grabenkampf

Der SPD-Stadtverband hat auf dem Tiefpunkt sein Spitzenpersonal ausgetauscht. Doch die Aufarbeitung der neuerlichen Schlappe bei der Kommunalwahl, bei der den Genossen ein weiteres Mandat abhanden gekommen und die Fraktion auf bescheidene acht Mitglieder geschrumpft ist, steht weiter aus. Die Ursachenforschung wurde vertagt. Beim Stadtparteitag am Donnerstagabend gab's nur Lippenbekenntnisse und mit Wilhelm Jablowski und Jörg Adams erwartungsgemäß zumindest zwei unverbrauchte Gesichter.

Parteichef Bernd Störmer und sein Vize Manfred Winter vollzogen ihren im Vorfeld angekündigten Schritt zurück in Reihe zwei. Beide legten aber großen Wert darauf, dass ihr Rückzug nicht durch das miserable Abschneiden an der Wahlurne motiviert sei. Im Gegenteil: Störmer lobte die gute personelle und programmatische Vorbereitung auf die Wahl. Nur der Erfolg sei ausgeblieben. Die Gründe zu analysieren, sei vornehmste "Aufgabe des neuen Vorstandes". Der alte war sichtlich bemüht, die Verantwortung von sich fernzuhalten.

Drei Stimmen gegen Fraktionschef

Die Delegierten ließen's weitgehend dabei bewenden. Doch es gab Indizien, dass die scheidende Führung – die weiter ein gewichtiges Wörtchen im Vorstand mitspricht – nicht bei allen Genossen unumstritten ist. Sowohl der neue Kassierer Winter (drei) als auch der neue Bildungsobmann Störmer (eine) waren die einzigen, die bei den Vorstandswahlen Gegenstimmen kassierten. Dennoch scheint die Furcht vor "Grabenkämpfen" weit ausgeprägter als der Mut zu einer ehrlichen und offenen Debatte über den ungebremsten, "nicht nachvollziehbaren" (Störmer) Sinkflug der einst stolzen Partei, die in keinem Wahlbezirk der Stadt mehr mehrheitsfähig ist.

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Ein mutiger Appell

Einzig Roswitha Kellersohn, einst profilierte Sozialpolitikerin im Rat, wagte den Blick auf den desolaten Zustand der Partei. Sie forderte die Genossen auf, sich "sehr intensiv" mit dem Ergebnis zu befassen und nicht das "Weiter-so-Mäntelchen" anzuziehen. "Das wäre nicht klug", warnte die nachdenkliche Genossin, die die Spitzenkräfte aus ihrer aktiven Zeit gut kennt. Auch sie fürchtet offenbar Zerreißproben, für die es nach außen allerdings wenig Anzeichen gibt, zumal die Parteitagsregie wie üblich darauf ausgerichtet war, Einigkeit zu demonstrieren. Das Abstimmungsverhalten passte. Enthaltungen blieben durchweg die kräftigste Form des Widerspruchs.

So bleibt's vorerst dabei, zwischen den Zeilen zu lesen. Kellersohn warnte davor, "niemanden auszuschließen", auch wenn er unbequem sei – ein dezenter Fingerzeig, dass in der Partei von oben nach unten regiert wird und Streitkultur eine verschüttete Qualität ist, die mit Macht an die Oberfläche drängen könnte. Doch die SPD-Basis hält still. Selbst Martin Wente, der sich unmittelbar nach der Wahl mit der Forderung nach personellen Konsequenzen vorgewagt hatte, blieb stumm.

Dennoch spürt der neue Parteichef Wilhelm Jablowski den Druck, die Genossen aus dem Tief herausführen zu müssen. Er kündigte an, dass die Partei "die Augen nicht verschließen" und das Debakel "auch in den Ortsvereinen aufarbeiten" werde. "Unser Abschneiden auf die politische Großwetterlage zurückzuführen, wäre zu einfach" – mit dieser Sicht unterscheidet sich der neue Mann an der Spitze von seinem Vorgänger. Immerhin.

(RP)