Wesel: Die Akte Kreuzstraße

Wesel: Die Akte Kreuzstraße

Im Konflikt um die Bebauung des Ex-Kreiswehrersatzamt-Areals und den Rausschmiss von Bauvereinschefin Anett Leuchtmann spricht jetzt ihr Lebensgefährte Hermann Hofmeister. Er berichtet von gravierenden Mängeln.

Das Loch an der Kreuzstraße ist für jeden Besucher sichtbar. Wo früher das Kreiswehrersatzamt stand, soll Wesel neu entwickelt werden - mit Wohnen und Medizintechnik. Nur: Wann wird sich dort wieder was tun? Spätestens seit dem Streit der Weseler Politik und Verwaltung mit der ehemaligen Bauvereinschefin Anett Leuchtmann droht eine monatelange Verzögerung beim Bauprojekt.

Mangelnde Absprachen, erhebliche Planungsprobleme und immer wieder Konflikte zwischen den Protagonisten - nach Darstellung des Österreichers Hermann Hofmeister, zwischenzeitlich Gesamtplaner des Bauprojektes und Lebengefährte der geschassten Anett Leuchtmann, sind die Probleme bei diesem Bauprojekt hausgemacht. Nach den Vorwürfen aus Teilen der Politik gegen seine Lebensgefährtin (wir berichteten) hat sich Hofmeister gegenüber unserer Redaktion nun erstmals zu diesem Fall geäußert.

Zum Hintergrund: Bekanntlich wollen auf dem Grundstück der Bauverein, die Wohnungsbaugenossenschaft (WBW) und die Radiologie Kölzer (Hospital) ein 18-Millionen-Projekt realisieren. Die Entwicklung stockt. Hofmeister nennt dafür Gründe - und er erzählt die Geschichte, wie sich eine Liebesbeziehung zu der Frau entwickelt hat, über die das politische Wesel spricht.

2014 sei er nach Wesel gekommen, berichtet Hofmeister. Das Marien-Hospital habe damals im Auftrag des Aufsichtsrates einen Projektsteuerer wegen Bauproblemen an mehreren Objekten gesucht. Im April/Mai 2016 sei er in der Folge vom Krankenhausträger Pro homine beauftragt worden, sich um Bauprobleme am St.-Lukas-Altenheim an der Springendahlstraße zu kümmern. Die Immobilie gehört dem Bauverein, Mieter ist allerdings Pro homine mit dem Marien-Hospital. Es habe Risse, Mängel an Fenstern und Aufzügen des Heimes gegeben, weshalb die Pro-homine-Holding die Miete schon länger nicht bezahlt habe. Letztlich habe er für eine Schlichtung sorgen können, auf Klagen sei verzichtet worden, sagt Hofmeister. "Durch meine Behebungsvorschläge zu den Mängeln im St. Lukas und die dann kurzfristig auch umgesetzten Maßnahmen sowie meine Leistungen für die Pro homine bin ich den Prokuristen des Bauvereins positiv aufgefallen." Der Grundstein für eine weitere Zusammenarbeit sei schon hier gelegt worden.

Im August 2016 sei er dann von den Prokuristen des Bauvereins kontaktiert worden. Er habe gedacht, dass es erneut um das Altenheim gehe, sagt Hofmeister. Stattdessen sei es im großen Besprechungsraum im dritten Stock des Bauvereins plötzlich um die Bebauung des Ex-Kreiswehrersatzamtes gegangen. Dazu muss man wissen: Das Projekt hat drei Bauabschnitte mit unterschiedlichen Bauherren und Architekten. Der Bauverein habe gewünscht, dass Hofmeister das Projekt übernehme. Mit dem alten Architekten habe sich der Bauverein überworfen. Seine heutige Partnerin, Anett Leuchtmann, habe dann, wie üblich, den Auftrag dem Aufsichtsrat und dem Vergabeausschuss vorlegen müssen. So geschehe das bei jedem Bauprojekt, betont Hofmeister. Bis zum Weihnachtsfest 2016 habe er den Bauantrag gefertigt.

Mittendrin, im Oktober 2016, habe die private Freundschaft zu Anett Leuchtmann begonnen, sagt Hofmeister. Die Frage des Beginns der Partnerschaft ist deshalb so wichtig, weil aus Sicht der Weseler Politik Hofmeister als Partner von Leuchtmann begünstigt worden sein könnte. Dies würde gegen sogenannte Compliance-Regeln verstoßen. Zudem wirft die Politik Hofmeister und Leuchtmann vor, keine schriftlichen Verträge geschlossen zu haben. Hofmeister sagt: "Ein Handschlag gilt." Die Vertragserstellung sei im Prozess gewesen. "Die Vorabbeauftragung erfolgte mündlich." Ein vom Bauverein beauftragter Rechtsanwalt habe den Vertragsentwurf vorbereitet. "Da die Projektbearbeitung damals sehr unter Druck stand, sollte aber sofort mit der Bearbeitung begonnen werden, als die Freigaben vom Aufsichtsrat und vom Vergabeausschuss vorlagen." Sogar seitens der Bürgermeisterin sei Druck aufgebaut worden, weil für den Kaufvertrag des Grundstückes Kreiswehrersatzamt, der noch nicht fertig war, viele Details im Projekt gefehlt hätten. "Daher musste schnell gehandelt werden."

Erst Mitte Oktober 2016 sei es so gewesen, dass er Anett Leuchtmann privat näher gekommen sei. "Wir waren im Oktober 2016 im Landhotel Voshövel in Weselerwald erstmals essen. Das Treffen war aber, was eine Mann-Frau-Beziehung angeht, eher schwierig." Erst eine Woche danach, bei einem weiteren Essen, sei man sich nähergekommen.

Am 28. Oktober, 11 Uhr, habe er dann Bürgermeisterin Ulrike Westkamp besucht, um sie über das Verhältnis zu Anett Leuchtmann zu informieren. "Wir sind privat ein Paar", habe er ihr gesagt. Dass nicht die Bauvereinschefin zu der Verwaltungschefin selbst kam, könnte man kritisieren. Hofmeister sagt, die Bürgermeisterin sei "nur immer sehr selektiv" für ihren Vorstand Leuchtmann erreichbar gewesen. "Wir wollten es schnell offenlegen, damit uns nichts unterstellt wird, wenn wir gesehen werden." Zwei Tage danach, am Sonntag darauf, habe es ein persönliches Gespräch zwischen Leuchtmann und Westkamp gegeben, am Montag darauf mit SPD-Fraktionschef Ludger Hovest. Der habe damals empfohlen, besser nichts zu sagen und das Verhältnis nicht öffentlich zu machen, behauptet der Bauplaner. "Gott sei Dank sind wir diesem etwas seichten Rat nicht gefolgt, wir haben eine reine Weste", sagt Hofmeister. "Rein juristisch ist das kein Problem. Ich habe eine persönliche Beziehung zu meinem Auftraggeber, das ist weder handelsrechtlich noch strafrechtlich relevant. Ich war mit den Generalplanerleistungen für das Gesamtprojekt beauftragt, und dieser Auftrag ist mir auf Druck des Aufsichtsrates später eindeutig rechtswidrig vom Bauverein entzogen worden."

Immer wieder hätten die drei Auftraggeber beim Projekt Kreiswehrersatzamt völlig unterschiedliche Sichtweisen gehabt, kritisiert Hofmeister. Im ursprünglichen Projekt, das den Aufträgen aber auch dem Grundkauf der einzelnen Auftraggeber zugrunde lag, seien viele Themen nicht geklärt gewesen, nicht geplant. "So wie das Projekt vorgelegen ist, war es nicht umsetzbar." Die Stadt habe dann unerwartet sieben Monate für die Erstellung eines Kaufvertrages benötigt. Das sei eine massive Verzögerung gewesen. Eines von mehreren Beispielen: So seien drei verschiedene Tiefgaragen geplant worden, die Fassaden hätten Probleme bereitet. Er habe alles in einem Kooperationsvertrag geregelt. "Da sich herausstellte, dass eine Vielzahl von Themen zwischen den Käufern und dann Auftraggebern und der Stadt völlig ungeklärt waren, habe ich von allen drei Käufern beziehungsweise Auftraggebern auf deren ausdrücklichen gemeinsamen Wunsch, unabhängig von meinem Generalplanerauftrag beim Bauverein den Auftrag erhalten, diese Themenklärung zu koordinieren. Zudem waren von jeder Partei Anwälte eingesetzt, die den Sachverhalt juristisch beurteilten und in einem Kooperationsvertrag festhielten", sagt Hofmeister. Durch einen Wechsel beim Bauverein und Interventionen einzelner Vertragsparteien sei es dann immer schwieriger geworden. Mit einem dann installierten Architekten, der schon früher für das Projekt tätig war, sei es zum vollständigen Chaos gekommen. Nun gebe es seit dem Wechsel des Vorstandes beim Bauverein weitere massive Verzögerungen, ohne dass er noch beteiligt ist.

Er habe seiner Partnerin immer wieder prophezeit, dass ihr Vertrag nicht verlängert werde, wenn der Streit mit den so genannten kritischen Aktionären in Wesel beglichen ist. Nun sei es so gekommen. Am Ende hat es sogar deutlich gerummst. Hofmeister glaubt fest daran, dass es zu mehreren Prozessen vor Gericht kommt. Und er zeigt sich zuversichtlich, dass er und seine Partnerin diesen Streit gewinnen werden. Bauprojekte werde er weiter in der Region haben.

Für die Pro homine sei er weiter tätig. In Hamminkeln, wo auch seine Firma Acuo einen Sitz hat, würden er und Leuchtmann aber nicht mehr lange wohnen wollen, sagt Hofmeister. Nach Düsseldorf werde es womöglich gehen - weil er von dort aus mit dem Flieger schneller in Österreich oder in Hamburg ist. Er sei aber weiter erstaunt über die Weseler Debatte: "Mit mir hat bisher nie jemand gesprochen."

(RP)