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Wesel: Dialog mit Bahn scheitert an der Sprache

Wesel : Dialog mit Bahn scheitert an der Sprache

Beim Rückblick auf die Bürgerinformation der Bahn zum Ausbau der Strecke Emmerich-Oberhausen bleiben für die Betroffenen weiter viele Fragen offen. Denn zu Details oder individuellen Nöten gab es kaum konkrete Antworten.

Wenn 1,5 Milliarden Euro verbaut werden sollen, dann muss vorher rechtlich alles in trockene Tücher gebracht werden. Das führt oft an einen Punkt, an dem Bürgerdialog an der Sprache scheitert. So geschehen am Dienstagabend bei der Informationsveranstaltung der Bahn zum Ausbau der Strecke Emmerich-Oberhausen (Stichwort Betuwe) in der Niederrheinhalle (RP berichtete). Die Atmosphäre war sachlich, es gab konkrete Fragen der Betroffenen, aber kaum zufriedenstellende Antworten vom Podium. Projektleiter Stefan Ventzke sowie die Gutachter Walter Stankewitz (Schallschutz) und Michael Milster (Erschütterungsschutz) wichen meist aus oder verwiesen auf Gesetze, Verordnungen und Regelungen nach DIN. Damit kann der Laie, der schon vor dem Begriff Planfeststellungsverfahren zurückschreckt, wenig anfangen. Vor allem, wenn er wissen will, ob er nun eine Lärmschutzwand bekommt oder nicht.

 Zu den Fragestellern kam Moderatorin Elke Frauns mit dem Mikro.
Zu den Fragestellern kam Moderatorin Elke Frauns mit dem Mikro. Foto: Malz, Ekkehart (ema)

Einer Seniorin vom Derick-Baegert-Weg hätte ein schlichtes Ja oder Nein genügt. Trotz Angabe der Adresse war dies den Experten aber nicht möglich. Ganz aneinander vorbei lief die Kommunikation, als Lärm laut technischer Berechnung auf Mittelwerte abnehmen soll, während Anwohner einfach die Belastung unter gefühlten Spitzen schilderten.

 Auf dem Podium (v.l.): Projektleiter Stefan Ventzke sowie die Gutachter Walter Stankewitz (Schallschutz) und Michael Milster (Erschütterungsschutz). Sie bekamen viele Fragen gestellt. Klare Aussagen blieben Mangelware.
Auf dem Podium (v.l.): Projektleiter Stefan Ventzke sowie die Gutachter Walter Stankewitz (Schallschutz) und Michael Milster (Erschütterungsschutz). Sie bekamen viele Fragen gestellt. Klare Aussagen blieben Mangelware. Foto: Ekkehart Malz
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Gert Bork von der Bürgerinitiative "Betuwelinie — So nicht" schnappte als Insider wenig Neues auf, hörte aber beim Thema Erschütterungen genau hin, als Ventzke erstmals von Beweissicherung sprach. Antworten zu Nachfragen interpretierte Bork so, dass nun jeder Betroffene selbst durch einen schriftlichen Einwand im Planfeststellungsverfahren besagte Beweissicherung erkämpfen muss, um gegebenenfalls im späteren Schadensfall gewappnet zu sein. Denn wie Fachleute damit umgehen, erläuterte Michael Milster: "Bis Risse durch Erschütterungen entstehen, sind sie eher durch andere Dinge entstanden." Bork attestierte der Bahn, dass sie im Abwimmeln von Ansprüchen gar noch besser sei als der Bergbau.

 Mit rund 400 Besuchern war die Veranstaltung zur Ferienzeit vergleichsweise gut besucht. Doch Stadt und Bürgerinitiative hätten gern viel mehr Gäste gesehen.
Mit rund 400 Besuchern war die Veranstaltung zur Ferienzeit vergleichsweise gut besucht. Doch Stadt und Bürgerinitiative hätten gern viel mehr Gäste gesehen. Foto: Malz, Ekkehart (ema)

Fest steht, dass Bau des dritten Gleises das Stadtbild stark verändern wird: Da müssen Flächen abgegeben werden, dort Bahnübergänge (dankenswerterweise) weichen, hier Brücken abgerissen und neue gebaut werden. Unmittelbare Anwohner müssen vor Lärm geschützt werden. Über das Was und Wie, vor allem über die Ausführung und das Material darf gestritten werden. Und dieser Streit wird ab Montag, 4. November, mit vollem Ernst von allen zu führen sein. Die Offenlage der 19 Planordner (siehe Info-Box) mit Einspruchsfrist bis zum 17. Dezember ist die einzige Möglichkeit, den Fuß in die Tür zu stellen, um Änderungen und Verbesserungen zu erzielen. Das konnte auch Bürgermeisterin Ulrike Westkamp gestern im Nachgang nur noch einmal wiederholen.

(RP)