Hamminkeln: Deutscher Tourismuspreis: "Havelfloß" nominiert

Hamminkeln: Deutscher Tourismuspreis: "Havelfloß" nominiert

Christiane Dierich (40) aus Hamminkeln hat ihr Glück in Brandenburg an der Havel gefunden. Dort führt sie mit ihrem Mann Ingo die Pension "Havelfloß" – äußerst erfolgreich. Das Projekt ist für den Deutschen Tourismuspreis nominiert.

Christiane Dierich (40) aus Hamminkeln hat ihr Glück in Brandenburg an der Havel gefunden. Dort führt sie mit ihrem Mann Ingo die Pension "Havelfloß" — äußerst erfolgreich. Das Projekt ist für den Deutschen Tourismuspreis nominiert.

Zwischen Rhein und Issel ist Christiane Dierich (40) groß geworden. Ihr Glück hat sie an der Havel gefunden — privat wie beruflich. Der Weg dorthin war nicht schnurgerade, war voller Überraschungen und Zufälle. Mit einer gehörigen Portion Mut und Zielstrebigkeit hat die junge Frau in den entscheidenden Momenten stets die Richtung bestimmt. Tourismus ist das Feld, auf dem das Kind vom Niederrhein in Brandenburg erfolgreich ist.

Die Chefin der Pension "Havelfloß" ist gerade an einer besonderen Wegemarke angekommen. Ihr bereits im Land Brandenburg ausgezeichnetes Projekt ist für den Deutschen Tourismuspreis nominiert, der gestern Abend auf der Nordsee-Insel Norderney vergeben worden ist. Das Ergebnis stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Angefangen hat alles vor knapp zehn Jahren mit einer kleinen Espresso-Bar an der Jahrtausend-Brücke in Brandenburg an der Havel. Dorthin hatte es Christiane Merz, wie sie damals noch hieß, schon während ihres Geografie-Studiums verschlagen. Das wildromantische Städtchen an der Havel hatte es ihr angetan. Sie fand Arbeit in einem Planungsbüro und wohnte am Havelufer. Dort sah sie, dass die Stadt in Brücken-Nähe was baute.

"Vermutlich hatte man noch Geld, das verbaut werden musste", denkt sie. Dass die Baustelle ihren weiteren Lebensweg und den ihres Mannes, den sie in der neuen Heimat kennengelernt hat, beeinflussen sollte, stellte sich wenig später raus. "Am Strand in Portugal erreichte uns die Anfrage aus dem Rathaus, ob mein Mann den Pavillon als Ausstellungsraum nutzen wollte", erzählt die 40-Jährige. Ingo Dierich ist Möbeltischler mit einem ausgeprägten Faible für Design.

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Die beiden entschieden sich, den Raum in historischer Citylage zu mieten. Allerdings, um dort auf knapp 18 Quadratmeter ein Café zu eröffnen. "Bei uns gibt's heute noch portugiesische Blätterteigtörtchen", so Dierich, die 2004 beruflich "total umgesattelt" hat.

Gegenüber hatte sie stets das heruntergewirtschaftete Eisenlager der ehemaligen Werft im Blick. Das ließ sie und ihren Mann träumen. Sie kauften das Gelände und entwickelten den Plan für eine schicke Pension. 2007 legten sie los, ihn in die Tat umzusetzen. Nur die historische Bausubstanz blieb stehen. Darin entstanden neun schicke Zimmer, zwei barrierefrei, die anderen mit Schlaf-Galerie — alle mit Blick auf die Havel. Ingo Dierich hat sich bei der Einrichtung richtig ausgetobt, jedes Detail komponiert und eigenhändig gestaltet. Der Stil wirkt skandinavisch, modern und bodenständig. Clou ist der Fernseher an der Stange, den man nach oben schieben kann, wenn's ins Bett geht. "Wenn mein Mann was will, drückt er mächtig auf die Tube", sagt die 40-Jährige. Ihr Job ist es, den Pensionsbetrieb zu managen. "Havelfloß ist unser gemeinsames Kind."

Zur Herberge gehört eine Flotte schicker Hausboote mit wind- und wasserdichten Aufbauten, die schwedischen Holzhäuschen ähneln und mit Gasherd, Küche, Toilette und Betten ausgestattet sind. Mit den sieben kleinen Booten kann man ohne Führerschein — für das große mit Sauna benötigt der Freizeitkapitän eine Lizenz — mit Tempo sechs ganz gemächlich auf der Havel zu den nahen Seen oder bis nach Potsdam schippern — ein ganz besonderes Abenteuer in wunderschöner Natur. Es lohnt sich, ein Fahrrad mit an Bord zu nehmen. "Unsere Hausboote sind binnen kurzer Zeit zu Kultobjekten geworden", so Christiane Dierich. Der Charterpreis mit Übernachtung beträgt je nach Saison zwischen 75 und 150 Euro. Das Konzept kommt an. Die Pension ist inzwischen, übers Jahr gesehen, zu 75 Prozent ausgebucht. Deutlich besser als bei der wirtschaftlichen Prognose vor der Startentscheidung. Die Übernachtung im Doppelzimmer kostet 79,50 Euro. Die Gäste kommen aus der ganzen Republik. Auch Hamminkelner waren schon zu Gast im Havelland und voll des Lobes.

Übers Wochenende reist die Brandenburgerin von Norderney aus in ihre niederrheinische Heimat. Schließlich steht Vater Karl-Heinz Merz hier mit dem Männergesangverein "Bleib treu" morgen und Sonntag im Bürgerhaus Friedenshalle auf der Konzert-Bühne. "Ich freu' mich riesig. Da feiern wir richtig ab", so die Pensionschefin bestimmt, "auf jeden Fall" — mit oder ohne hohe touristische Weihen.

(RP/rl/jul)
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