Wesel: Der Spätberufene, dem Bildung wichtig ist

Wesel: Der Spätberufene, dem Bildung wichtig ist

Bürgermeister-Kandidaten (IV): Manfred Schramm (Piraten) hofft auf den Einzug in den Rat. Sechs Prozent seien drin.

Bis vor zwei Jahren hatte Manfred Schramm, 53, mit Parteipolitik nicht viel am Hut. "Klar", sagt der Bürgermeisterkandidat der Piraten, "habe ich stets meine Bürgerpflicht erfüllt, bin brav zur Wahl gegangen und war immer schon ein politischer Mensch." Als Teenager saß er sonntags vor dem Mittagessen mit seinem Vater vor dem Fernseher und schaute den Internationalen Frühschoppen. "Verstanden habe ich meistens nichts. Aber Politik war zu Hause immer ein Thema."

Dass er sich letztlich den Piraten angeschlossen hat, bezeichnet der IT-Berater "als eine Art Notwehr. Ich habe mich ehrenamtlich für eine Verbesserung der Situationen in den Kindergärten eingesetzt - für die Kinder, die Eltern, die Erzieherinnen und die Träger." Doch in Gesprächen mit Politikern über Bildungspolitik habe man ihn immer wieder vertröstet. Man werde sich kümmern. Passiert, so Schramm, sei aber nichts.

Über seine freie Mitarbeit als Gastautor für das IT-Magazin CT wird Schramm 2009 auf die Piraten aufmerksam. 2011 verfolgte er Diskussionen auf der Internetplattform "Bildungspiraten", mischt sich ein und nimmt das Angebot an, den Part "Frühkindliche- und Primarbildung" für das Wahlprogramm der NRW-Piraten zu verfassen. "Der Mitmachcharakter in der Partei war letztlich ausschlaggebend, dass ich vom Sympathisanten zum Mitglied wurde", sagt Schramm. Im März 2012 wird er zum Piraten.

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Die Entscheidung, sich als Bürgermeisterkandidat aufstellen zu lassen, hat er sich mehrere Wochen lang mit seiner Partnerin gut überlegt. Auch wenn ihm klar ist, dass er als krasser Außenseiter ins Wahlrennen geht, so ärgert es ihn doch, dass die Medien von einem "Zweikampf zwischen Westkamp und Herausforderer Linz" sprechen, ihn und Norbert Segerath (Linke) stets nur als "Zünglein an der Waage bezeichnen". "Das beeinflusst Wähler. Denn dem, der angeblich keine Chance hat, gibt man auch nicht seine Stimme."

Doch das alles hält ihn nicht ab bis zum letzten Tag zu kämpfen und deutlich zu machen, was er als Verwaltungschef ändern würde. "Ich wende mich stärker dem Bürger zu und setze mich für eine intensive interkommunale Vernetzung ein. Wir müssen wegkommen vom Kirchturmdenken." Wesel als Standort für innovative Technologien aufzubauen ist seine Überzeugung nach eine Chance, neue Arbeitsplätze zu schaffen und junge Familien zu locken. Um den Handel im Kampf gegen die Konkurrenz aus dem Internet zu stärken, schlägt er der Kaufmannschaft den Aufbau eines gemeinsamen, intelligenten Lieferlogistik-Konzeptes vor. Zur Diskussion um eine Gesamtschule in der City sagt er: "Alle - Schüler, Eltern und Lehrer - sollten die Ausrichtung einer Schule bestimmen, so dass sie ein Lernort wird, wie ihn die Menschen wollen. Das Schulgesetz lässt das zu."

Zwei Dinge sind Schramm aufgefallen. "Je näher der 25. Mai rückt, desto intensiver und konkreter werden die Gespräche. Die Leute setzen sich mehr mit uns Piraten auseinander als bei der Bundestagswahl 2013." Gleichwohl erkennt er eine Woche für Woche steigende Wahlkampfmüdigkeit und Desinteresse. Sein Ziel ist es, dass er und die Partei zwischen drei und sechs Prozent der Stimmen ergattern. Bei der Bundestagswahl lagen die Piraten in Wesel mit 2,74 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

(RP)
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